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Brandenburg Märkische Firmen horten Millionen
Brandenburg Märkische Firmen horten Millionen
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00:36 20.06.2015
Ostdeutsche Unternehmen haben inzwischen eine höhere Eigenkapitalquote als westdeutsche. Quelle: dpa
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Potsdam

Der Getriebebauer ZF in Brandenburg/Havel tut es, ebenso der Brandschutzspezialist MV Pipe in Wittenberge (Prignitz). Und auch der Pharmahersteller Takeda in Oranienburg (Oberhavel) ist im Club: Sie alle nehmen derzeit zwei bis dreistellige Millionenbeträge in die Hand, um ihre Standorte zu erweitern oder sich neu anzusiedeln. Doch solche Leuchtturmprojekte sind eher die Ausnahme. Ein Großteil der Brandenburger Unternehmer hält sich mit Investitionen zurück. Und wenn doch Geld in die Hand genommen wird, dann nicht, um zu erweitern, sondern um Maschinen zu ersetzen oder zu reparieren.

Man wartet ab, man ist verunsichert – das spürt man auch bei der Bürgschaftsbank Brandenburg. „Wir beobachten seit vergangenem Jahr einen rückläufigen Antragseingang, das setzt sich in diesem Jahr fort“, sagte Bürgschaftsbank-Geschäftsführerin Gabriele Köntopp der MAZ. Woran das liegt? Das hat viele Ursachen, sagt die Bankerin. Die vielen internationalen Krisen und ungelösten Fragen spielten sicher eine Rolle, fielen aber im eher exportschwachen Brandenburg nicht so stark ins Gewicht. „Wir hören von unseren Kunden immer häufiger, dass sie nicht die geeigneten Mitarbeiter finden. Wer investiert, muss aber sicher sein, dass er auch das nötige Personal für eine erweiterte Produktion hat“, erklärt sie.

Schlechte Straßen – ein Riesenproblem, meint der IHK-Chef

Die Situation scheint paradox: Auf der einen Seite sprühen die Konjunkturumfragen der Brandenburger Kammern derzeit nur so vor Optimismus. Auf der anderen Seiten horten die Unternehmen Millionen auf Niedrigzinskonten, statt es in Wirtschaftsgüter zu stecken. Das Phänomen beschäftigte auch den regionalen Bankentag, der am Dienstagabend bei der Industrie- und Handelskammer Potsdam stattfand. „Die Konjunktur war noch nie so gut, selbst in vormals kriselnden Branchen wie dem Bauhandwerk werden Leute eingestellt“, sagt IHK-Geschäftsführer Mario Tobias. Auch er hält den Fachkräftemangel für ein zunehmendes Investitionshemmnis. Hinzu komme die jenseits des Speckgürtels mangelhafte Verkehrsanbindung. „Das ist ein Riesenproblem. Wenn wir die Infrastruktur nicht ausbauen, werden sich keine Unternehmen ansiedeln.“

Wirtschaftsminister Gerber beklagt hohe Stromkosten

Das will Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) nicht auf sich sitzen lassen. „Wir haben in Brandenburg insgesamt eine gut ausgebaute Infrastruktur“, sagt er. „Die Probleme sind eher vor den Gerichten zu suchen.“ Beispiel: Der jahrelange juristische Streit um den Bau der A 14 in der Prignitz, auf den viele Unternehmen und nicht zuletzt der mit viel Geld erweiterte Hafen Wittenberge warten.

Aber auch Gerber konstatiert eine Investitionszurückhaltung in Brandenburg. Er sieht in den „nicht immer verlässlichen Rahmenbedingungen“ einen Grund für die Expansionsscheu und meint damit die Debatte um eine Klimaschutzabgabe für Braunkohle sowie hohe Industriestrompreise.

Tausende Chefs gehen in Rente – das lähmt die Wirtschaft

Gleichwohl: Auf den Konten der Firmen lagert viel Geld. Sie haben sich Speck angefressen – so viel, dass die Eigenkapitalquote in Ostdeutschland inzwischen höher sei als in Westdeutschland, wie der Potsdamer Wirtschaftsprofessor Detlev Hummel erklärt. Für ihn sind nicht nur die Unternehmen zu zögerlich, wenn es um Investitionen geht. Auch die Banken seien zu zurückhaltend, gerade was die Unterstützung von jungen Geschäftsideen angehe. „Ich sehe es sehr kritisch. Wir haben in Deutschland ein innovationsfeindliches Finanzierungssystem.“ Ein Vorwurf, den Ewald Münch, Vorstandschef des Ostdeutschen Bankenverbands, zurückweist. „Es gibt nichts, das wir nicht finanzieren würden, wenn es tragfähig ist“, sagt er, räumt aber ein, dass seine Branche manchmal etwas „konservativ“ auf Veränderungen reagiere.

In den kommenden Jahren gehen in Brandenburg mehrere Tausend Chefs in Rente – und geben ihren Betrieb entweder auf oder in jüngere Hände. Diese Welle könnte der Wirtschaft noch zum Verhängnis werden. Denn wer den Ausstieg vor Augen hat, der steckt kein Geld mehr in den Betrieb. Die Übergabephase dauere etwa drei Jahre, erklärt Gabriele Köntopp von der Bürgschaftsbank, die viele Unternehmensübergaben begleitet. Auch nach dem Wechsel bleiben diese Betriebe für ein paar Jahre in einer Art Investitionsstarre: „Einem Unternehmer, der eine Kaufpreisbelastung hat, fehlen meist die Mittel, gleich wieder zu investieren“, sagt Köntopp.

Von Torsten Gellner

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