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Märkische Wirtschaft fürchtet Scheitern von G 20

Appell für Freihandel Märkische Wirtschaft fürchtet Scheitern von G 20

Wenn in Hamburg die Staatschefs der mächtigsten 20 Wirtschaftsnationen wichtige Weichen für die Zukunft zu stellen versuchen, schauen märkische Firmenlenker mit Sorge Richtung Hansestadt. Sie fürchten handfeste Nachteile, sollte der Freihandel weiter in die Defensive gelangen.

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Flüssiger Stahl im Riva-Stahlwerk Brandenburg an der Havel.
 

Quelle: riva

Potsdam.  Die märkische Wirtschaft schaut mit Hoffnung und Bangen nach Hamburg, wo die Regierungschefs der größten 20 Industrieländer (G20) Grundsätze der Handelspolitik verhandeln.

Der märkische Stahlhersteller Riva warnt vor den Folgen von möglichen US-Einfuhrbeschränkungen für die märkischen Produktionsstandorte – solche Zollschranken beziehungsweise Quoten für Stahl aus der EU prüft auf Anregung von US-Präsident Donald Trump gerade das amerikanische Handelsministerium. Dumping-Importe aus China und Osteueropa „gepaart mit einem möglichen Verlust des amerikanischen Marktes würden zu großen Problemen führen, denen auch die europäischen Hersteller langfristig nicht standhalten können“, heißt es in einer Stellungnahme der Riva-Geschäftsführung auf MAZ-Anfrage.

Der italienische Familienkonzern betreibt Stahlwerke in Hennigsdorf (Oberhavel) und Brandenburg/Havel mit jeweils 670 und 795 Beschäftigten. Schwierigkeiten befürchtet man in der Riva-Führung vor allem wegen einer Stahlschwemme im Fall einer Abschottung des US-Markts. Nicht nur der in den USA dann unverkäufliche Stahl europäischer Hersteller würde in den hiesigen Markt gedrückt. Der Billigstahl aus außereuropäischer Produktion drohe ebenfalls an den neuen Zollmauern Amerikas abzuprallen und die Märkte auf dem Alten Kontinent zu fluten.

Brandenburgs Exporte vom Finanzvolumen her 2016 rückläufig

Beim Stahlkocher ArcelorMittal in Eisenhüttenstadt mit seinen 2500 Mitarbeitern sieht man die drohenden Handelshemmnisse gelassener. Der Konzern habe Standorte in den USA und könne die dortigen Kapazitäten hochfahren, sagte ein Unternehmenssprecher.

Brandenburgs USA-Exporte sind von 2,3 Milliarden Euro (2015) im vergangen Jahr auf 1,95 Milliarden zurück gegangen, der Gesamtexport ins Ausland sank im selben Zeitraum von 14 auf 13 Milliarden Euro. Trumps Kritik, Europa führe viel weniger US-Produkte ein als aus, trifft übrigens auf Brandenburg zu: Die Einfuhren aus den Vereinigten Staaten sind nur knapp halb so hoch wie die Exporte in die USA.

Hightech-Firmen fürchten Bürokratiedschungel

Brandenburgs in mittelständischen Hitghtech-Firmen organisierte Medizintechnik-Branche, die Kunden in der ganzen Welt hat, befürchtet Kleinstaaterei im internationalen Handel. „Wenn sich alle nationalistisch einigeln, erhalten wir extra-komplizierte Zulassungsverfahren – da hat keiner etwas von“, sagt Robert Downes, Vorstand der Teltower (Potsdam-Mittelmark) 65-Mann-Firma Getemed, die weltweit unter anderem Überwachungstechnik für menschliche Vitalfunktionen wie Herzschlag, Blutdruck oder Sauerstoffversorgung vertreibt. Aufwand und Kosten für die Zertifizierung seien heute schon hoch. Die Firma musste wegen der Krim-Sanktionen zuletzt den Verlust ihres Russlands-Geschäfts ausgleichen.

IHK ruft zu Stärkung des Freihandels auf

„Was wir brauchen: Einen freien, fairen und unbürokratischen Welthandel und den Abbau von Handelsschranken“, fordert Reinhold Hartwig, Geschäftsführer von Medipan aus Dahlewitz Teltow-Fläming. Sein Unternehmen verkauft etwa Diabetes-Tests in 30 Länder von Chile bis China.

Die Industrie- und Handelskammer Potsdam (IHK) hat klare Erwartungshaltungen an die Politik, an die G20: „Der Freihandel muss weltweit durch Wiederbelebung des WTO-Rahmens (Welthandelsorganisation – die Red.) gestärkt werden“, so Jens Ullmann, Experte für Außenhandel. Freihandels-Forderungen, so Getemed-Chef Downes, schienen zwar derzeit nicht realistisch, man dürfe aber „nicht aufhören, drüber zu sprechen“.

Von Ulrich Wangemann

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