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Brandenburg Märkisches China-Geschäft erreicht die 300-Millionen-Marke
Brandenburg Märkisches China-Geschäft erreicht die 300-Millionen-Marke
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00:18 01.05.2017
Im Dezember 2016 hat ein chinesischer Investor das Potsdamer Biotech-Unternehmen Gilupi übernommen, das Geräte zur Krebsdiagnostik entwickelt . Quelle: Friedrich Bungert
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Potsdam

US-Strafzölle, mögliche Handelsschranken in Großbritannien – im Angesichts von weltwirtschaftlich unsicheren Zukunftsaussichten forcieren Brandenburgs Unternehmen das China-Geschäft. Die Ausfuhren märkischer Unternehmen nach China werden in diesem Jahr voraussichtlich erstmals die Marke von 300 Millionen Euro überschreiten. Ebenfalls eine Premiere: Die Exportmenge überschreitet die Schwelle von 100000 Tonnen. Damit hat sich der Export binnen zehn Jahren verdreifacht. Das geht aus der vorläufigen Jahresstatistik der Wirtschaftsförderung Brandenburg (WFBB), der gerade umbenannten Ex-Zukunftsagentur Brandenburg, hervor.

„Brandenburgs Handel mit China entwickelt sich kontinuierlich positiv“, sagt Kirstin Wenk, stellvertretende Teamleiterin für Außenwirtschaft bei der WFBB. „China ist ein Standbein, um sich nicht abhängig zu machen“, sagt Kirstin Wenk von der WFBB. Zwar sind die USA bei den Ausfuhren aus der Mark immer noch Spitzenreiter, auch das vereinigte Königreich steht noch an Rang acht vor China (Rang 11). Der Export in die USA übertrifft den nach China um das Siebenfache. Doch: „Das muss nicht so bleiben“, so Wenk.

Exportumsätze wachsen langsam aber stetig

Außenhandels-Experte Jens Ullmann von der IHK Potsdam beschreibt die Entwicklung so: „Die Exportumsätze sind langsam, aber stetig gewachsen.“ 350 märkische Unternehmen unterhielten derzeit Geschäftskontakte zu China, außerdem verzeichnete Brandenburg „16 bedeutende Direktinvestitionen, Tendenz steigend“.

Gesteigertes Interesse am chinesischen Markt stellen auch die Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB) fest. „Die Unternehmen schauen sich um und finden Alternativen“, sagt UVB-Sprecher Carsten Brönstrup. Allerdings liefen die Geschäfte mit den USA und dem Vereinigten Königreich bislang gut, tatsächliche Handelshemmnisse seien trotz der Ankündigungen aus Washington und bedrohlicher Brexit-Szenarien noch nicht errichtet worden.

Gewaltiges Interesse der Chinesen an deutschem Know-How

Gewaltig ist im Gegenzug das Interesse chinesischer Manager und Entwickler an deutschem Know-How. Zu einer chinesisch-deutschen Konferenz zum Thema Digitalisierung („Industrie 4.0“), welche unter anderem die Wirtschaftsförderung und die IHK Potsdam veranstalten, haben sich 215 chinesische Teilnehmer angemeldet – und 140 deutsche. „Damit dürfte die Konferenz die Veranstaltung mit den meisten Chinesen sein, die jemals in Brandenburg stattgefunden hat“, sagt Wirtschaftsförderin Wenk. Bekannte chinesische Unternehmen seien vertreten, so etwa die Midea Group. Sie übernahm kürzlich den Industrieroboter-Hersteller Kuka. Der Deal war spektakulär, weil die Bundesregierung sich aus Sorge vor Technologie-Abfluss anfänglich widersetzte. Kuka ist der führende Automatenhersteller für die Automobilindustrie.

Deutlich zu spüren sei von chinesischer Seite die Zielsetzung, nicht mehr die „verlängerte Werkbank“ der westlichen Industrienationen zu sein, sagt Carsten Brönstrup, Sprecher der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB). Im Maschinenbau etwa wolle China „selbst ein relevanter Player werden“. Das trifft auch auf andere Zukunftsbranchen zu. So hat im Dezember 2016 ein chinesischer Investor das Potsdamer Biotech-Unternehmen Gilupi übernommen, das Geräte zur Krebsdiagnostik entwickelt. Den Solarmodulhersteller Astronergy in Frankfurt (Oder) kaufte die chinesische Chint-Gruppe im Jahr 2014.

So sollen Kontakte enger geknüpft werden

Verbunden mit dieser Orientierung Chinas auf mehr qualitatives Wachstum verspricht sich die Industrie- und Handelskammer (IHK) in Potsdam „zukünftig noch stärkere Kooperationspotenzial, auch im Tech-Bereich“, sagt Welthandels-Experte Jens Ullmann von der IHK.

Um die Kontakte enger zu knüpfen, startet auf Einladung der landeseigenen Wirtschaftsförderungs-Gesellschaft am 1. Juli 2017 eine Delegation von Wirtschaftsmanagern und Forschern nach China, begleitet von einem Wirtschafts-Staatssekretär. Peking und Shanghai stehen auf dem Programm. In der Einladung heißt es: „China zu kennen, ist heute für Unternehmen aus der Branche Medien, IKT und Kreativwirtschaft ähnlich wichtig, wie zu wissen, was in den USA passiert.“

Zur Wahrheit gehört allerdings auch: Brandenburgs Handelsbilanz mit China ist negativ. Märkische Firmen führen – gemessen an den Umsätzen – doppelt so viele Güter aus China ein wie es umgekehrt in das asiatische Land exportiert.

Von Ulrich Wangemann

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