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Mahnwache nach Feuer in Nauen

Brandanschlag auf Flüchtlingsunterkunft Mahnwache nach Feuer in Nauen

Mit Empörung und Entsetzen reagieren Bürger und Politiker auf den Brandanschlag einer geplanten Flüchtlingsunterkunft in Nauen (Havelland). Sie haben sich am Abend zu einer Mahnwache getroffen. Rund 300 Menschen kamen mit bunten Plakaten. Indes ermitteln Brandexperten und der Staatsschutz – unter anderem mit Spürhunden.

Zur Mahnwache sind in Nauen gut 300 Menschen gekommen. Sie treten für Toleranz ein.
 

Quelle: Peter-Paul Weiler

Potsdam/Nauen. Nach dem Brand einer geplanten Notunterkunft für Asylbewerber in Nauen (Havelland) wird der Ruf nach konsequentem Durchgreifen gegen gewalttätige Asylkritiker lauter. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) geht von einem rechtsextremen Brandanschlag aus. „Wir sind noch nicht hundertprozentig sicher, aber ich glaube, dass alles andere als sehr großer Zufall bezeichnet werden könnte“, sagte Woidke am Dienstag am Rande einer Kabinettsrunde zu Flüchtlingsfragen.

300 Menschen bei der Mahnwache

Auch die Bürger in Nauen sind empört über die jüngsten Entwicklungen in ihrer Stadt. Am Abend haben sie sich zu einer Mahnwache auf dem Gelände des künftigen Asylbewerberheimes am Waldemardamm eingefunden. Knapp 300 Menschen kamen, darunter auch viele Bürgermeister und Politiker aus dem Havelland. Flagge zeigen für ein tolerantes, demokratisches Nauen, das sich nicht einschüchtern lässt, so lautete die Devise. Unter anderem hatten die Bürger Plakate mit Aufschriften wie Refugees Welcome (Flüchtlinge Willkommen) gestaltet. Vize-Landrat Roger Lewandowski (CDU): „Wir werden an einem anderem Ort in Nauen die Flüchtlinge unterbringen.“

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In der Nacht zu Dienstag, 25. August 2015, ist in Nauen (Havelland) ein Brandanschlag auf eine geplante Notunterkunft für Asylbewerber verübt worden. Die Turnhalle ist komplett niedergebrannt.

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Ungeachtet der Nauener Geschehnisse will Brandenburg seine Aufnahmekapazitäten für Flüchtlinge den erhöhten Zuwandererzahlen anpassen. Allein Brandenburg erwartet in diesem Jahr mehr als 24 000 Asylsuchende.

Hartes Vorgehen gegen Brandstifter

Der Regierungschef kündigte ein hartes Vorgehen gegen die Brandstifter und mögliche Hintermänner an. Geschehnisse wie in Nauen schadeten dem Ansehen des Landes zutiefst. Woidke appellierte an die Brandenburger, sich für Mitmenschlichkeit und gegen Rechtsextremismus einzusetzen. „Distanzieren Sie sich vom fremdenfeindlichen Mob“, so Woidke. Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) sagte, „wer Unterkünfte von Flüchtlingen in Brand setzt, ist kein Asylkritiker, sondern ein Verbrecher“. Brandstiftung in einer solchen Größenordnung habe es in Brandenburg in den vergangenen 20 Jahren nicht mehr gegeben. Schröter kündigte an, dass die Polizei künftig für mehr Sicherheit auch auf Baustellen für Asylunterkünfte sorgen werde.

Spürhunde zum Ermitteln der Brandursache

 In der Nacht zum Dienstag war im Nauener Gewerbegebiet die Sporthalle des Oberstufenzentrums niedergebrannt. Die 2.28 Uhr per Notruf alarmierte Feuerwehr konnte den in Flammen stehenden Bau nicht mehr retten. In der erst 2007 für vier Millionen Euro errichteten Halle sollten in den nächsten Tagen etwa 100 Flüchtlinge vorübergehend untergebracht werden. Nach dem verheerenden Feuer, das Entsetzen ausgelöst hatte, ermitteln Brandexperten des Landeskriminalamtes und der Staatsschutz. Dazu sollen am Mittwoch Spürhunde eingesetzt werden. Damit wollten die Ermittler des Landskriminalamts Brandbeschleuniger in der niedergebrannten Sporthalle aufspüren, erklärte ein Sprecher der Polizei. Dies sei erst einen Tag nach dem Feuer möglich, wenn sich der Brandgeruch verflüchtigt habe.

 Bestürzt reagierte auch der Bischof der Evangelischen Kirche, Markus Dröge. Der Anschlag sei ein Rückschlag für die Hilfsbereitschaft der Bürger.

AfD-Chef rechtfertigt die Tat – und stößt auf Empörung

Unterdessen stieß Brandenburgs AfD-Chef Alexander Gauland mit Äußerungen zum Anschlag auf Empörung. Er hatte erklärt, dass sich solche Reaktionen verhindern ließen, wenn die Bürger einbezogen würden und die Politik auf Bundes- und Landesebene alles tue, um der Situation Herr zu werden. SPD-Generalsekretärin Klara Geywitz nannte die Äußerungen „abscheulich“. Gauland rechtfertige den Anschlag. Auch in sozialen Medien hetzten viele Menschen ungeniert gegen Flüchtlinge.

Zum ersten Mal in der von Ausschreitungen und Anschlägen überschatteten Asyldebatte will Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eine Unterkunft besuchen. Sie will heute im sächsischen Heidenau mit Flüchtlingen und Helfern sprechen. Dort war es am Wochenenende zu Krawallen gekommen.

Fremdenfeindliche Gewalttaten

Rechtsextrem motivierte und rassistische Gewalt in Brandenburg sind in den ersten sieben Monaten dieses Jahres nach Angaben des Vereins Opferperspektive alarmierend angestiegen.
 
88 rechte Angriffe wurden bis Ende Juli registriert, fast so viele wie im ganzen Jahr 2014 (92). Die    Dunkelziffer dürfte höher liegen.

Häufigstes Tatmotiv mit 50 Angriffen sei Rassismus gewesen, weitere 23 Angriffe richteten sich gegen politisch Aktive. Direkt oder indirekt betroffen von den Angriffen waren laut Opferberatung mindestens 250 Personen.

Die Schwelle zur Gewalt ist laut Vereinschefin Judith Porath  gesunken. Die meisten Angriffe seien gefährliche (37) und einfache Körperverletzungen (24). Es gab auch Bedrohungen, Sachbeschädigungen und Brandstiftungen an geplanten Flüchtlingsunterkünften.

Auffallend sei der steigende Anteil an Tätern, die sich selbst nicht der rechten Szene zuordnen, so Porath.

Von Marion Kaufman, Volkmar Krause und MAZonline

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