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Brandenburg Mammutaufgabe für lausitztreuen Bergbau-Experten
Brandenburg Mammutaufgabe für lausitztreuen Bergbau-Experten
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10:51 13.06.2018
Dietmar Woidke (SPD,l), Ministerpräsident von Brandenburg, überreicht dem neuen Lausitz-Koordinator Klaus Freytag seine Ernennungsurkunde. Quelle: dpa
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Potsdam

Es ist eine Mammutaufgabe, die Klaus Freytag nun übernommen hat. Und eine der drängendsten in Brandenburg. Wie geht es mit der Lausitz weiter? Was passiert mit den Arbeitsplätzen in der Region, wenn zunehmend auf erneuerbare Energien gesetzt wird?

Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) jedenfalls setzt auf den Mann, dessen Leben bisher bereits Kohle und Rohstoffe geprägt haben. Er soll’s richten. In den 80er Jahren studierte Klaus Freytag in Aachen Bergbau, war anschließend im Braunkohlebergamt in Köln beschäftigt. 1993 kam er nach Cottbus in Brandenburg, wo er mit seiner Familie heute noch lebt. „Seither bin ich der Lausitz immer treu geblieben“, sagt der 57-Jährige.

Freytag hat sich in der Lausitz einen Namen gemacht. Er stand elf Jahre, bis 2015, als Präsident an der Spitze des Landesbergbauamts, bevor er die Energie-Abteilung im Wirtschaftsministerium übernahm. Nun steht Freytag vor einem neuen Karrieresprung, der ihn, als ihm Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) gestern die Ernennungsurkunde übergab, sogar ein wenig demütig machte. Freytag soll nichts Geringeres als den Strukturwandel in der Lausitz managen. Dazu gehört auch, die Akteure vor Ort mit ihren gegensätzlichen Interessen zur Zukunft der Braunkohle zusammenzubringen. Bislang erweist sich das als äußerst schwierig.

Von Potsdam sei ihm ein „ordentlicher Rucksack“ übergeben worden, den er nun mit in die Lausitz nehmen soll, sagte Freytag. Er sei sich sicher, dass die Lausitz die Herausforderung „packen“ werde, gab er sich selbstsicher – zur Freude von Regierungschef Woidke, der seinen neuen Beauftragten einen „Freund der Lausitz“ nannte. Seine Position zur Braunkohle skizzierte er auch schon einmal. „Bevor man aussteigt, braucht man ein klares Ziel, wohin man einsteigen will“, sagte Freytag. „Und nur in das Windrad einzusteigen oder in die Photovoltaik, die nachts leider kein Strom liefert, ist ein wirklich riskanter Weg“, betonte er. Überraschend ist diese Sichtweise nicht, weshalb die Grünen die Berufung auch skeptisch sehen. Fraktionschef Axel Vogel sagte: „Das Problem mit Herrn Freytag ist, dass er als mehr als zehn Jahre lang zuständig war, dass so viel und so schnell Kohle wie möglich aus dem Boden herausgeholt und verstromt wird.“ Natürlich sei er Kenner der Lausitz. Aber jetzt gehe es darum, neue Industrien anzusiedeln. „Freytag war aber bisher in der alten Industrielandschaft verhaftet“, betonte Vogel.

Der neue Beauftragte konterte: Er wolle sich breit aufstellen. Er habe gute Kontakte vor Ort nicht nur zu Kirchen, Gewerkschaften, Kammern und Unternehmerverbänden, sondern auch zu Bürgerinitiativen. Außerdem habe er in regionalen Gremien wie dem Braunkohleausschuss viele Jahre auch mit den Grünen-Vertretern viel und intensiv diskutiert. Beide Seiten würden wissen, dass Veränderungsprozesse vor Ort gemeinsam gestaltet werden müssten, betonte Freytag, der hofft, dass das eine oder andere Vorurteil in der Diskussion vielleicht beiseite geschoben werden kann.

Lob für Freytag kommt von der CDU. Fraktionschef Ingo Senftleben meinte, Freytag sei einer der wenigen in der Landesregierung, denen er diese Aufgabe zutraue. „Aber ein einzelner Beauftragter, auch mit einem Büro in Cottbus, wird dieses große Aufgabe nicht managen können“, meinte er und forderte erneut ein eigenes Ministerium mit Sitz in der Region, das sich ausschließlich um die Strukturentwicklung in der Lausitz kümmert.

Eine besonderes Augenmerk richtet Freytag auf die neue Kohle-Kommission des Bundes. Die soll bis Jahresende ein Konzept zur Zukunft der Kohle und zum Strukturwandel vorlegen. Er habe Fragen an die Kommission, beispielsweise wie sicher gestellt werden könne, „dass 8760 Stunden im Jahr auch der Strom aus der Steckdose kommt“, formuliert es Freytag etwas plakativ.

Er selbst wird das Land, dass einen Sitz ohne Stimme in der Kommission hat, nicht vertreten. Dafür ist Wirtschafts- und Energieminister Albrecht Gerber (SPD) vorgesehen. Freytag hat für seine Aufgabe vier Mitarbeiter. Sein Hauptsitz wird Cottbus sein. Er bleibt im Range eines Abteilungsleiters. Ein Staatssekretärsposten wäre eigentlich dafür frei gewesen. Ein Jahr vor der Landtagswahl sei das nicht vermittelbar gewesen, meinte Woidke.

Von Igor Göldner

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