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Brandenburg Marathon im Stall
Brandenburg Marathon im Stall
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19:34 24.02.2013
Martens hört ein Muh. Der ehemalige Uniprofessor Holger Martens ist bekennender Kuh-Schwärmer. Hier ist er mit dem drei Jahre alten Gallowayrind Gustav zu sehen. Quelle: Gartenschläger
BERLIN

Ja, Martens ist bekennender Kuh-Schwärmer. Und seit mehr als 40 Jahren ist der Tierarzt und Wiederkäuer-Physiologe der Freien Universität Berlin auch ein ausgewiesener Kuh-Versteher. Der 69-Jährige ist zwar aus dem aktiven Uni-Dienst ausgeschieden. Aber ganz ohne Kuh und Begeisterung für ihre Arbeit geht es nicht.

„Das sind so wunderbare Tiere“, sagt Martens. Sie rackern sich ab für den Menschen. Für die täglichen 40 Liter Milch muss zum Beispiel das Herz einer Kuh mehr als 100 000 Liter Blut in den Körper pumpen. Provozierend fragt Martens: „Und wie gehen wir mit den Tieren um?“

Ganz offensichtlich nicht gut genug, wie der Physiologe schon mit wenigen Daten belegen kann. Eine Kuh liefert in ihrem Leben 20 000 bis 25 000 Liter Milch. Das hat sie auch schon vor fünf Jahrzehnten so gemacht. Nur, dass sie damals für diese Leistung doppelt so viel Zeit hatte. Die moderne Kuh bringt schnell viel Milch – haucht dafür aber auch schneller ihr Leben aus. „Formel-1-Kühe“ nennt Martens diese Hochleistungstiere. Viel lieber hätte er aber „einen zuverlässigen Golf Diesel, der fünf Jahre ohne Pannen arbeitet“, im Stall. Der gebürtige Norddeutsche, der am liebsten mit dem Fahrrad in sein Büro an der FU kommt, möchte etwas Tempo rausnehmen – zum Wohl der Tiere. Studien aus den USA zeigen, dass mit höherer Milchleistung auch die Zahl früher Todesfälle in einer Herde steigt. Für Martens ist das nicht so einfach hinnehmbar. Er hat als Tierarzt in Schleswig-Holstein noch die Zeit erlebt, in der der Tod einer Kuh ein Ereignis war. Ein „albtraumhaftes Ereignis“, das sich im Dorf rasend schnell herumsprach. Schließlich hat dieses Tier über Jahre hinweg eine Familie versorgt.

Die Familie des jungen Holger Martens hielt ebenfalls Kühe. Sechs an der Zahl. „Da musste ich ran – Kühe melken und misten“, erzählt der Norddeutsche. Eine frühe Kindheitserinnerung ist es auch, die ihn zum Kuh-Fan werden ließ. Im kalten Herbst trieb er die Kühe über die Weide. „Wenn Sie da zwischen den warmen Tierkörpern laufen – das vergessen Sie nie“, erzählt Martens. Die Achtung vor dem Tier hat sich der weißhaarige Wissenschaftler bewahrt.

Die moderne Landwirtschaft macht es sich zu Nutze, dass die Kuh um jeden Preis Milch geben will – für ihr Kalb. Mit etwa zwei Jahren ist eine Kuh alt genug, um Mutter zu werden. Nach der Geburt ihres Kälbchens wird sie rund 300 Tage lang gemolken. Für den weißen Lebenssaft geht sie an ihre letzten Reserven. Mitunter verlieren die Tiere binnen sechs Wochen knapp 60 Kilogramm Gewicht. Die Kuh ist ein Hochleistungssportler. Martens macht das mit einem beeindruckenden Vergleich deutlich: Ein Marathonläufer verbraucht auf seiner Strecke etwa zehn Megajoule an Energie. Eine Kuh holt aus ihrem Körper so viele Reserven, als würde sie täglich vier bis sechs Marathons laufen.

Ein brasilianischer Forscher hat festgestellt, dass die Kuh für ihre Milchleistung sogar Mini-Fettpölsterchen in ihren Klauen angreift. Die sind eigentlich dazu da, um beim Laufen für eine angenehme Federung zu sorgen. Doch auch sie werden für die Milch geopfert. Die Vierbeiner fressen sich später zwar ihre Reserven wieder an, aber in der Zeit des Melkens bleibt ihre unwahrscheinliche körperliche Anstrengung nicht ohne Folgen. Viele Tiere werden krank.

„Das Elend ist greifbar“, sagt der Wissenschaftler und mahnt dringend Veränderungen an. „Wir sollten über weniger Milch und mehr gesunde Tiere nachdenken“, sagt er. Bei der Zucht von Milchkühen gehe es bisher vor allem um die Milchleistung. Martens würde viel lieber auf die Tiere setzen, die den körperlichen Anstrengungen am besten standhalten. Die gibt es nämlich auch. Trotz aller Strapazen hat etwa ein Drittel der Tiere einer Herde keine gesundheitlichen Probleme. Die sollten ausgewählt werden, meint Martens. Auch wenn sie vielleicht nicht die Top-Milchleistung bringen.

Die Zeit, in der die Kuh nach der Geburt eines Kalbes Milch gibt, nennt sich Laktationsperiode. Knapp drei Laktationen hält das Milchvieh heutzutage durch. „Optimal wären drei bis fünf“, so Martens. Denn in der dritten und vierten erreicht die Kuh ihre natürliche Bestleistung. Mittlerweile gebe es Betriebe, die ihren Kühen mehr Lebenszeit lassen, berichtet der Forscher. Der emeritierte Uni-Professor reist landauf, landab zu Vorträgen, um seine Botschaft zu verbreiten.

Dabei sei gute Tiergesundheit unabhängig von der Größe eines Tierbestandes wichtig. „Das Auge des Herrn ist täglich auf der Kuh“, sagt er schmunzelnd und erklärt: Ein guter Milchbauer schaut täglich nach seinen Tieren. Wenn eine Kuh 16 Stunden lang nicht beim Melkroboter war, dann muss man ganz genau hinschauen. Das sollte einem das Tier wert sein. (Von Ute Sommer)

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