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Brandenburg Spektakulärer Tag im Maskenmann-Prozess
Brandenburg Spektakulärer Tag im Maskenmann-Prozess
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21:34 08.01.2015
Der Angeklagte Mario K. (r) verdeckt mit einem Hefter sein Gesicht im Verhandlungssaal am Landgericht in Frankfurt (Oder). Quelle: Patrick Pleul (Archiv, Nov 2014)
Frankfurt (Oder)

Auch an seinem dritten Tag als Zeuge vor Gericht bot Oberkommissar Lutz B. (57), der wegen einseitiger Ermittlungen in dem Entführungsfall Selbstanzeige erstattet hatte, neue Details auf, die die Polizeiführung stark belasten: Eine Kollegin der Soko „Imker“, die den Abschlussbericht für die Staatsanwaltschaft verfassen sollte, sei vom Leiter der Frankfurter Mordkommission, Falk Küchler, angewiesen worden, alle entlastenden Punkte, die für die Unschuld des Angeklagten Mario K. sprechen, herauszulassen. Das erklärte B. am Donnerstag vor dem Landgericht Frankfurt (Oder). Als die Beamtin sich geweigert habe, ihre Unterschrift unter den Bericht zu setzen, habe das eine andere Kollegin übernommen. Wenn das stimmen sollte, so K.s Verteidiger Axel Weimann, „dann wäre das ein ungeheuerlicher Skandal“.

Die unterzeichnende Kollegin wurde daraufhin vom Gericht sofort als Zeugin geholt. Sie bestätigte die Anschuldigungen B.s nicht. Die Polizistin, die den Bericht verfasste, soll am 16. Januar zu dem Vorwurf gehört werden. Die Kommissarin war bereits im Oktober als Zeugin vor Gericht aufgetreten und hatte sich dabei wie ihr Kollege Lutz B. kritisch über ihre Vorgesetzten geäußert. Weil sie die Schilderung des mutmaßlichen Entführungsopfers Stefan T. für unglaubwürdig hielten, wollten die Beamten die Angaben des Bankers überprüfen. Dies sei ihnen vom Ermittlungsleiter Küchler untersagt worden – was dieser im Dezember vor Gericht schließlich teilweise einräumte. „Ich bin damit schlecht klargekommen“, sagte die Beamtin damals vor Gericht. Dort gab sie auch an, vor ihrer Aussage einen schriftlichen „Maulkorb“ des damaligen Polizeipräsidenten und heutigen Innenstaatssekretärs Arne Feuring erhalten zu haben. Inzwischen hat die Beamtin die Mordkommission auf eigenem Wunsch verlassen und arbeitet als Revierpolizistin, weil sie die Querelen innerhalb ihrer Abteilung nicht mehr aushielt.

Nach früherer Aussage von Lutz B. wurde nicht nur der Abschlussbericht in dem spektakulären Fall geschönt: Anfang Dezember erklärte der erfahrene Kriminalist, dass Protokolle von den Vernehmungen Stefan T.s, der sich nach seiner Schilderung nach zwei Tagen aus der Gewalt des Maskenmanns befreien konnte, lückenhaft gewesen seien. Aussagen des Bankers, in denen er sich selbst in Widersprüche verstricke, seien vom protokollierenden Beamten extrem verkürzt worden, so B., der die Kommission inzwischen ebenfalls verlassen hat.

Für die Entführung verantworten muss sich seit Mai 2014 der Dachdecker Mario K. aus Berlin. Dem 47-Jährigen wird nicht nur vorgeworfen, den Banker StefanT. 2012 aus seinem Haus am Storkower See entführt zu haben, auch zwei Überfälle auf eine andere Unternehmerfamilie in Oder-Spree werden ihm zur Last gelegt. Dem Angeklagten droht lebenslange Haft. Nur: Einen handfesten Beweis für seine Schuld – etwa eine DNA-Spur – gibt es trotz einer der größten Ermittlungen in der Brandenburger Kriminalgeschichte nicht. Der Angeklagte selbst schweigt. Er hatte seinen Verteidiger nur erklären lassen: „Ich bin der Falsche.“

Von Marion Kaufmann

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