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Maskenmann: Verteidigung geht in Revision

Urteil stößt auf Unverständnis Maskenmann: Verteidigung geht in Revision

Das Urteil im spektakulären Maskenmann-Prozess hat bei den Verteidigern von Mario K. Unverständnis ausgelöst. Im MAZ-Video sprechen sie von einem Fehlurteil, das sie anfechten werden. Die Anwälte der Opfer hingegen zeigen sich erfreut, sie bezeichnen den Verurteilten als "emotionsloses Objekt".

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Der Angeklagte Mario K. mit einem Hefter vor seinem Gesicht neben seinen Anwälten.

Quelle: Patrick Pleul

Frankfurt (Oder). Am Freitag ist in einem der spektakulärsten Prozesse in der Brandenburger Justizgeschichte ein lang ersehntes Urteil gefallen. Nach über einem Jahr Verhandlungszeit vor Gericht ist der Angeklagte Mario K. zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Obwohl keine Beweise gegen den 47-Jährigen vorliegen, wurde er vom Gericht für schuldig befunden, eine Millionärsfamilie überfallen und einen Manager entführt zu haben. Die Anwälte von Mario K. bezeichnen das Urteil als "Fehlurteil, dass sich abgezeichnet habe". Die Opferanwälte hingegen zeigten sich erleichtert und bezeichneten den Angeklagten als "emotionsloses Objekt."

Zudem wurde der Angeklagte zu einem Schadensersatz in Höhe von 250.000 Euro verurteilt, weil er einen Wachmann angeschossen hat. Der sitzt seither im Rollstuhl. Die Indizien haben für Richter Matthias Fuchs ein schlüssiges Bild ergeben, sprachen ihn unter anderem des versuchten Mordes schuldig. Mario K. nahm das Urteil regungslos auf und schwieg, wie schon im gesamten Prozess.

Das sagte der Richter bei der Urteilsbegründung

Der Vorsitzende Richter Matthias Fuchs sagte bei der Urteilsbegründung, der bereits vorbestrafte Angeklagte habe geplant, ein Mitglied einer wohlhabenden Familie zu entführen. Mit dem hohen Lösegeld, das er erpressen wollte, habe er seinen Lebensunterhalt bestreiten wollen. Nach seiner Haftentlassung 2009 habe der Angeklagte - ein früherer Dachdecker - keine Arbeit aufgenommen, sondern für seine Pläne Orte in Ost-Brandenburg auskundschaftet.

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Kritische Ermittler werden gemobbt, schlüssige Spuren nicht verfolgt, der Polizeipräsident hat sich in die Ermittlungen eingemischt und gegen den Angeklagten liegen nur Indizien vor, keine Beweise. Wir haben die Chronologie in einer Bildstrecke.

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Im Sommer 2011 folgte dann nach Überzeugung des Richters seine erste Tat, bei der Mario K. eine Unternehmersgattin niedergeschlagen habe. Sie wehrte sich allerdings heftig. Nur deshalb habe er von der Frau abgelassen und sei mit einem Wasserfahrzeug über den angrenzenden See geflüchtet, so der Richter. Danach habe er beschlossen, die Tochter der Familie zu entführen. Aber auch das sei schiefgegangen. Er habe die junge Frau abgepasst, als sie mit einem Wachmann von der Pferdekoppel kam. Er habe sie mit einer Pistole bedroht. Die Frau habe aber fliehen können. „Der Angeklagte merkte, dass es Komplikationen gibt“, sagte Fuchs. Daraufhin habe er geschossen.

Der Richter sagte weiter, da die Entführung der beiden Frauen gescheitert sei, habe sich der Angeklagte entschlossen, 2012 einen Bankmanager zu kidnappen.

Verteidiger Axel Weimann nach der Urteilsverkündung.

Quelle: Patrick Pleul

Die Verteidigung des Angeklagten will das Urteil jedoch anfechten. Rechtsanwalt Axel Weimann kündigte am Freitag nach dem Urteilsspruch an, Revision einzulegen. "Wir haben ein Jahr versucht, ein Fehlurteil zu verhindern", sagte er.

Umstrittene Ermittlungen

Richtig spektakulär wurde der Prozess, als die Ermittlungsarbeit zu dem Kriminalfall in den Fokus geriet. Polizeibeamte zweifelten vor Gericht an den Angaben des Entführungsopfers. Der Banker konnte sich nach eigenen Angaben nach mehr als einem Tag von der Schilfinsel, auf die der maskierte Täter ihn gebracht hatte, befreien. Einige Ermittler sagten aus, dass sie nicht in alle Richtungen - etwa einer fingierten Entführung - hätten ermitteln dürfen. Ihre Vorgesetzten bestritten das vehement.

Neuer Verdächtiger

Zuletzt spitzte sich der Prozess erneut zu, weil die Verteidigung einen möglichen weiteren Verdächtigen ins Spiel brachte. Einen Ex-Polizisten. Der Verdacht gegen den Mann sei vorschnell zu den Akten gelegt worden, argumentierten die Anwälte von Mario K.. Das Gericht schmetterte ihre Anträge zu einer DNA-Analyse ab.

Dann befragten die Richter doch noch eine Biologin vom Landeskriminalamt, die Spuren auswertete. Ergebnis: Sie stammten nicht von dem Ex-Polizisten, wie sie vor Gericht angab.

Schüsse auf Wachmann
2011 wurde eine Unternehmergattin vor ihrer Villa in dem Kurort Bad Saarow niedergeknüppelt, Monate später zielte ein Schütze auf ihre Tochter. Ein Wachmann schützte die junge Frau und wurde angeschossen - er sitzt seither im Rollstuhl.

Im Jahr darauf wurde der Manager unweit davon entführt.

Der Mann mit der Imkermaske

Die Nebenklage verlangt über lebenslange Haft hinaus auch Sicherungsverwahrung für den Angeklagten, der zuletzt in Berlin gewohnt hatte. Der Täter trug eine Art Imkermaske - daher kommt die Bezeichnung "Maskenmann".

Von MAZonline

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Angeklagter soll mehrmals am Tatort gewesen sein

Liefert dieser Zeuge die entscheidenen Hinweise im "Maskenmann-Prozess"? Zuletzt standen im Prozess um den sogenannten "Maskenmann" vor allem das Opfer und diverse Gutachter im Mittelpunkt. Am Montag wird nun ein Zeuge gehört, der den Täter nahe der Tatorte gesehen haben will - sogar mehrfach.

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