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Brandenburg Mathe-Abi-Eklat: Wird nachgeschrieben?
Brandenburg Mathe-Abi-Eklat: Wird nachgeschrieben?
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05:05 11.05.2017
Logarithmuskurve: Die gestellten Aufgaben haben viele Schüler überfordert. Quelle: foto: fotolia
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Potsdam

Nach der Kritik an zu schwierigen Prüfungsaufgaben im Mathe-Abitur 2017 fordern märkische Bildungspolitiker und Elternvertreter das zuständige Ministerium von Günter Baaske (SPD) zu einer schnellen Klärung auf. Der bildungspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion Gordon Hoffmann sprach von einer „höchst misslichen Situation“, in der sich die Mathe-Abiturienten befänden. „Das Ministerium muss sicherstellen, dass Schüler nicht wegen Versäumnissen in der Verwaltung benachteiligt wurden.“

Von den insgesamt 10 000 Brandenburger Abiturienten haben in der vergangenen Woche etwa 6000 eine Mathe-Prüfung abgelegt. Nach dem Test hatte es zahlreiche Beschwerden über die schwierigen Aufgaben gegeben. Diese seien, so der Vorwurf, nicht Bestandteil des Unterrichts gewesen.

Keine Schuldzuweisung an die Lehrer

Um den Sachverhalt aufzuklären, lässt das Ministerium zurzeit den Vorgang überprüfen. Fragebögen an rund 170 Schulen mit gymnasialer Oberstufe seien verschickt worden, teilte das Ministerium am Mittwoch mit. Bis Donnerstag werden die Antworten aus den angeschriebenen Schulen erwartet. „Es mehren sich die Hinweise, dass dieser Stoff im Unterricht einiger Schulen offenbar nicht gelehrt wurde.“ Dies sei jedoch nicht als „Schuldzuweisung“ an die Lehrer zu verstehen.

Die Prüflinge mussten in der Aufgabe 2.1 eine natürliche Logarithmusfunktion, die sogenannte „ln-Funktion“ bearbeiten. Dabei handelt es sich um eine hochkomplexe mathematische Berechnung, mit der sich sehr stark wachsende Zahlenreihen darstellen lassen. Dieser Stoff ist nach Angaben des Ministeriums in dem für alle Schulen verbindlichen Rahmenlehrplan vorgeschrieben. „Er hätte deshalb auch unterrichtet werden müssen“, erklärt Ministeriumssprecher Ralph Kotsch.

Auch in den Reihen der Lehrerschaft rumort es. Zwar würden die Aufgabenstellungen dem Rahmenlehrplan entsprechen, allerdings sei es bei der zur Verfügung stehenden Unterrichtszeit „kaum möglich, Aufgaben dieses Schwierigkeitsgrades hinreichend zu üben“, heißt es in einer vorläufigen Stellungnahme der Vereinigung der Brandenburgischen Gymnasialschulleiter zum Zentralabitur gegenüber dem Ministerium. Darüber hinaus stehe den Lehrern für die Vorbereitung der Schüler 20 Prozent weniger Unterrichtszeit zur Verfügung als Kollegen in anderen Bundesländern.

Schon vor den Prüfungen verunsichert durch Klausuren-Diebstahl

Kritik, dass trotz unterschiedlichem Mathe-Unterricht in Berlin und Brandenburg die gleichen Fragen gestellt wurden, wies das Ministerium zurück. Es habe in mehreren Teilen auch unterschiedliche Aufgaben gegeben. Die in Berlin seien umfangreicher und schwieriger gewesen.

Nach Einschätzung von Landeselternsprecher Wolfgang Seelbach, müssen Lerninhalte in Zukunft transparenter gestaltet werden. „Jeder Schüler soll wissen, auf welche Prüfungsinhalte er sich vorbereiten muss.“ Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, plädiert er dafür, die Bewertung der Leistung anzupassen.

Ähnlich sieht es die bildungspolitische Sprecherin der Fraktion der Linken, Kathrin Dannenberg: „Wenn sich die Vermutung bestätigt, dass geprüfter Stoff nicht gelehrt wurde, muss fair benotet werden oder die Prüfungen auf freiwilliger Basis nachgeschrieben werden.“ Die Schüler seien im Vorhinein schon genug dadurch verunsichert worden, dass die Abitur-Aufgaben in Brandenburg kurzfristig ausgetauscht werden mussten.

So stammten die Brandenburger Matheaufgaben erstmals aus einem gemeinsamen Aufgabenpool der Länder. Nachdem Mitte April in Stuttgart ein Tresor an einem Stuttgarter Gymnasium aufgebrochen worden war, in dem auch Abituraufgaben lagerten, sahen sich Länder wie Berlin und Brandenburg gezwungen, die Mathe-Aufgaben für die Abi-Prüfung auszutauschen.

Die Schattenseite der Zentralisierung

Das neue System der Abiturprüfungen ist für die Bildungsexpertin der Grünen im Landtag, Marie Luise von Halem, ein Grund, warum bei den Matheaufgaben in der Abiprüfung offenkundig etwas schiefgegangen ist. Dies offenbare eine Schattenseite von Zentralisierung und Vergleichbarkeit. „Früher waren die Lehrerinnen und Lehrer für die Abifragen zuständig, die genau wussten, was durchgenommen wurde. Nun ist das vereinheitlicht geregelt.“

Die bildungspolitische Sprecherin der SPD, Simona Koß, wünscht sich, dass genauer kontrolliert wird, ob der für eine Abiturprüfung relevante Unterrichtsstoff auch entsprechend an den Schulen unterrichtet wurde. „Auch wenn sie überlastet sind, müssen die Schulen genau hinschauen, ob der Rahmenlehrplan angemessen umgesetzt wird.“

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