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Brandenburg Brandenburg erlebt Renaissance der Polikliniken
Brandenburg Brandenburg erlebt Renaissance der Polikliniken
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01:15 15.02.2019
Viele Ärzte unter einem Dach gibt es auch im Gesundheitszentrum am Brandenburger Hauptbahnhof. Quelle: Rüdiger Böhme
Potsdam

Verschiedene Fachärzte Tür an Tür und kurze Wege für die Patienten: Die Idee der Polikliniken in Brandenburg erlebt mit den Medizinischen Versorgungszentren eine Renaissance. Gelten die Ärztehäuser für die einen als Positivbeispiel im Kampf gegen Ärztemangel auf dem Land, sind andere beunruhigt.

Die Einrichtungen gelten als Nachfolgemodelle der DDR-Polikliniken. Wurden die Polikliniken nach der Wende im Osten fast ganz abgeschafft, ist Brandenburg das einzige Bundesland, in dem einige ehemalige DDR-Polikliniken unter dem Namen „Gesundheitszentrum“ überlebt haben. Die Idee: Unter einem Dach soll der Patient eine ambulante Rundumversorgung vorfinden. Im Unterschied zu Ärztehäusern, in denen sich verschiedene ambulant tätige Ärzte eingemietet haben, sind die Mediziner in den Gesundheitszentren angestellt – mit festen Arbeitszeiten und Urlaubsansprüchen. Träger ist meistens eine GmbH, derzeit überwiegend in kommunalem Besitz.

Zahl der MVZ wächst rasant

Die Gründung Medizinischer Versorgungszentren ist seit dem Jahr 2004 in Deutschland zulässig. Seither wächst die Zahl dieser Zentren rasant. Ende des Jahres 2017 gab es in Brandenburg 100 dieser Versorgungszentren. 2005 waren 32 zugelassen, wie aus Daten der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin-Brandenburg (KVBB), die der MAZ vorliegen, hervorgehen.

Von den landesweit 100 solcher Zentren mit 705 angestellten Ärzten gehörten 42 Krankenhäusern, weitere neun sind in Trägerschaft von Vertragsärzten und 21 in privater Hand, hat die Kassenärztliche Vereinigung Berlin-Brandenburg (KVBB) ausgerechnet. Sechs Einrichtungen gehen auf frühere Polikliniken zurück. Noch einmal 22 gehören Apotheken, Sanitätshäusern und anderen medizinischen Einrichtungen.

Ärztekammer fürchtet um das Wohl der Patienten

Ein Teil der Ärzteschaft ist beunruhigt von diesem Trend. So fürchtet die Landesärztekammer, dass private Kapitalgeber nicht die Qualität der Patientenversorgung, sondern ausschließlich die Rendite interessiert. „Es kann geschehen, dass die enge Bindung von investigativen Kapitalgesellschaften an entsprechende Renditeerwartungen in voller Ausprägung sogar die Diagnose und Therapiefreiheit des Arztes beeinflusst, da gewisse Erwartungen an die Tätigkeit der Ärzte gestellt werden“, sagt Hanjo Pohle, Vize-Präsident der Landesärztekammer. Die Zentren seien zudem eine „wachsende Bedrohung“ für die ambulante, flächendeckende medizinische Versorgung. So seien die MVZ ursprünglich eingeführt worden, um dem Kampf gegen den Ärztemangel auf dem Land zu begegnen. Tatsächlich sitze die große Mehrheit der Versorgungszentren aber in Städten und in Ballungszentren.

„Ausgewogene Work-Life-Balance“

Die KVBB beobachtet einen Trend, dass sich märkische Ärzte immer häufiger in einem MVZ aber auch in Arztpraxen anstellen lassen. Im Jahr 2017 arbeiteten 18,5 Prozent aller märkischen Ärzte in einem MVZ. 2010 waren es 12,2 Prozent. Demgegenüber sei der Anteil der selbständigen, niedergelassenen Ärzte leicht rückläufig. Das Wachstum führt die KVBB auf einen neuen Zeitgeist zurück. „Die junge Ärztegeneration legt einen größeren Wert auf eine ausgewogene Work-Life Balance“, sagt KVBB-Chef Peter Noack.

Grundsätzlich begrüßt es die Kassenärztliche Vereinigung zwar, wenn sich in den Medizinischen Versorgungszentren Ärzte niederlassen, die der Region sonst womöglich den Rücken kehren würden. Denn in Brandenburg werden nicht nur die Patienten, sondern auch ihre Ärzte immer älter. In den kommenden Jahren wird erwartet, dass besonders viele Haus- und Fachärzte in den Ruhestand gehen. Neue Ärzte werden gebraucht, vor allem auf dem Land. MVZ, die sich überwiegend in städtischen Gebieten ansiedeln oder ausschließlich auf Profit aus sind, lösten das Problem nicht, so Noack.

„Private Kliniken stellt auch niemand in Frage“

Auch Milena Schaeffer-Kurepkat sieht Zentren, die sich in der Hand von in- und ausländischen Finanzinvestoren befinden, kritisch. Trotzdem teilt sie nicht die Vorbehalte gegenüber Medizinischen Versorgungszentren. Als Geschäftsführerin und Ärztliche Direktorin des Gesundheitszentrums in Brandenburg an der Havel, einer Tochtergesellschaft des städtischen Klinikums, leitet sie eines der größeren Ärztehäuser in Deutschland. „Es gibt ja auch von Finanzinvestoren geführte Krankenhäuser - deswegen stellt man doch nicht gleich das gesamte System ,Krankenhaus’ in Frage“, sagt sie

Die Ärztin sieht für ihre Kollegen viele Vorteile: „Fachärzte, die im städtischen Krankenhaus ausgebildet wurden, können einen attraktiven Arbeitsplatz in der ambulanten Versorgung erhalten und müssen dabei nicht selbst investieren und kein wirtschaftliches Risiko eingehen.“ Auch für Mediziner, die Schwierigkeiten haben für ihre Praxis einen Nachfolger zu finden, würden die MVZ eine gute Lösung für die letzten Berufsjahre bieten. Sie sind angestellt und können sich nach und nach zurückziehen, während ein jüngerer Kollege einsteigt. Den Vorwurf, dass die Patientenversorgung leide, weil es zu Monopolen in den Fachrichtungen komme, weist sie zurück. Im Brandenburger Gesundheitszentrum gebe es eine breit gefächerte Versorgung mit Augenärzten, Gynäkologen, Allgemeinmedizinern und HNO-Ärzten, die auch den ländlichen Bereich mit abdecke. „Die Strukturen der MVZ können die Landflucht der Ärzte nicht lösen, aber sie helfen, sie abzumildern.“

Brandenburgs Gesundheitsministerin Susanna Karawanskij (Linke) sieht das Wohl der Patienten nicht gefährdet, wenn die Versorgungszentren in Hand von Klinikkonzernen sind. „Im Durchschnitt hat ein Klinik-MVZ zwischen zwei und vier Standorte“, so Karawanskij. Zusammen mit den Krankenhäusern seien die MVZ auch in der ambulanten Versorgung engagiert, so dass die Bevölkerung immer noch nahe an ihrem Wohnort Hilfe fände.

Von Diana Bade

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