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Brandenburg BER-Chef Hartmut Mehdorn gibt auf
Brandenburg BER-Chef Hartmut Mehdorn gibt auf
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20:10 15.12.2014
Der Chef des neuen Hauptstadtflughafens BER, Hartmut Mehdorn, will 2015 sein Amt abgeben. Quelle: Hannibal Hanschke
Potsdam

Die Karriere von Hartmut Mehdorn als Flughafenchef begann Anfang 2013 – als Scherz. Am Schönefelder Pannenflughafen BER war gerade nach dem Rauswurf von Airportboss Rainer Schwarz der Chefposten frei geworden und ein Nachfolger nicht in Sicht. Deutschlands Spitzenmanager, die als Retter infrage kamen, wollten nicht mit dem ruinösen Ruf des Pannenprojekts in Verbindung gebracht werden und gingen auf Tauchstation.

Da tauchte plötzlich der Name Hartmut Mehdorn auf. „Der hat doch jetzt Zeit“, hieß es in Potsdam und Berlin eher halb scherzhaft. Mehdorn als BER-Chef, das war zunächst nur als Satire denkbar. Der damals 70-Jährige war gerade als Chef der krisengeplagten Fluggesellschaft Air Berlin zurückgetreten und hatte zuvor noch als Abschiedsgeschenk eine Millionenklage gegen den BER eingereicht – wegen Einnahmeausfällen in Millionenhöhe. Doch Mehdorn galt auch als Macher. In einem langen Managerleben hatte der studierte Maschinenbauer oft gezeigt, dass er mit Druck umgehen kann – ob als Vorstandschef der Heidelberger Druckmaschinen oder als Bahnchef.

Die Teamleistung hat nicht funktioniert

Wenige Wochen später wurde aus dem Spaß Ernst: Mehdorn wurde von Brandenburgs damaligem Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD) als Retter des Pleiteprojekts BER vorgestellt. „Das ist eine reizvolle Aufgabe, keine Frage“, sagte er zu seinem Amtsantritt und fügte hinzu: „Ich kann auch nicht zaubern.“

Jetzt, keine zwei Jahre im Amt, gibt Mehdorn auf. Die von ihm so viel beschworene Teamleistung hat bis heute nicht hingehauen, zumindest, was das Zusammenspiel von Aufsichtsrat und Flughafengesellschaft angeht. Der BER werde im zweiten Halbjahr 2017 eröffnen, die Baustelle sei geordnet, die technischen Kernfragen seien entschieden, teilte Mehdorn gestern in einer knappen Erklärung mit. „Trotzdem musste ich in den zurückliegenden Wochen zur Kenntnis nehmen, dass im Aufsichtsratsumfeld Spekulationen zu meiner Person angestellt wurden, die das für mich vertretbare Maß überstiegen.“ Deswegen stelle er sein Amt bis spätestens Ende Juni 2015 zur Verfügung.

Öffentliche Demontage

Mehdorn tritt ab

Immerhin: Am Ende hat Flughafenchef Hartmut Mehdorn doch noch geliefert. Wenn auch nur ein bisschen. Sein Terminband durfte er verkünden, zweites Halbjahr 2017 soll der BER öffnen. Das ist vage, kommt sechs Jahre zu spät und sorgt dafür, dass der Flughafen am Ende über sechs Milliarden Euro kostet. Aber nach dem Hin und Her der vergangenen Wochen war das Terminband mehr als man erwarten durfte.
Mehdorn schmeißt hin. Das ist nur dann überraschend, wenn man lediglich die Aufsichtsratssitzung vom Freitag in den Blick nimmt. Da wurden einmal mehr öffentlich Harmonie und Aufbruchsgeist beschworen. Mehdorn ging es bei der Sitzung offenbar nur noch darum, die Dinge vor seinem Abtritt zu ordnen. Er konnte ja nicht anders, als seinen Posten zur Verfügung zu stellen. Er war öffentlich demontiert worden: Die lancierten Gerüchte von seiner bevorstehenden Ablösung wurden von den anschließenden Dementis im Prinzip nur noch verstärkt. Das hat Mehdorn beschädigt und ihn sichtbar gekränkt. Das muss man bei einem wie Mehdorn erst mal hinkriegen.
Schön war das nicht. Mehdorns Bilanz bleibt gleichwohl mager. Er hat viel angekündigt und wenig umgesetzt. Es war ein offenes Geheimnis, dass er eine Verlegenheitslösung war. Bleibt die Frage, welchen vermeintlichen Retter die BER-Eigner nun aus dem Hut zaubern. Brandenburg

Ein Kommentar von Torsten Gellner

Situation zwischen Mehdorn und Aufsichtsrat war eskaliert

In den vergangenen zwei Wochen war die Situation zwischen Mehdorn und dem Aufsichtsrat eskaliert. Die Flughafeneigentümer Berlin, Brandenburg und der Bund wollen das inzwischen fast sechs Milliarden Euro teure Projekt besser kontrollieren lassen. Mehdorn wertete das als Affront, beklagte sich in Briefen an die Gesellschafter über diese Art der „Inquisition“. Vor gut einer Woche legte er dann in einem „Tagesspiegel“-Interview nach: „Ein Aufsichtsrat muss Vertrauen in seine Geschäftsführung haben“, erklärte er. „Ich sage das immer wieder, auch unserem Aufsichtsrat. Entweder er traut seiner Geschäftsleitung oder er sucht sich eine neue, tauscht sie aus.“

Anfang vergangener Woche kam die Retourkutsche – wie Mehdorn vermutet, aus dem Aufsichtsratsumfeld: Im „Handelsblatt“ wurde das Gerücht lanciert, dass die Suche nach einem Nachfolger bereits auf vollen Touren laufe. Die Dementis von Brandenburgs Regierungschef Dietmar Woidke (SPD) und Bundesverkehrsstaatssekretär Rainer Bomba (CDU) wirkten halbherzig: „Derzeit“ gebe es dazu keine Bestrebungen, ließ Woidke wissen. Noch deutlicher wurde Bomba: Mehdorn genieße „unser Vertrauen, bis irgendetwas anderes entschieden wird“. Mehdorn hatte verstanden – wollte aber eines noch regeln. Sein Vermächtnis.

2017 soll der BER eröffnen

Vergangenen Freitag, ein Tagungshotel am Rande des Motzener Sees. Mehdorn kann endlich einen Erfolg präsentieren: sein Terminband. Im zweiten Halbjahr 2017 soll der BER eröffnen, das sei zu schaffen, die Bauexperten seien sich darin einig, erklärte er.

Es ist natürlich kein Erfolg, wenn ein Flughafen, der eigentlich im Herbst 2011 öffnen sollte, sechs Jahre später ans Netz geht. Doch Mehdorn hatte auf die Nennung dieses Zeitfensters gedrungen, um die Bauarbeiter am BER und die Abnahmebehörden unter Druck zu setzen. Zwei Jahre dümpelte das Projekt ohne Termin vor sich hin. Doch während Mehdorn drängte, bremste der Aufsichts- rat. Die Politik wollte 100-prozentige Terminsicherheit und deswegen lieber noch ein paar Monate mit einer Festlegung auf ein Datum warten. Am Ende setzte sich Mehdorn durch. Blass, grau, in sich gekehrt wirkte der sonst so angriffslustige Mehdorn an diesem Nachmittag, als er den Zeitplan vorstellte. Auf die Frage, ob er sich auf die Eröffnung denn freue, sagte Mehdorn mit einem gequälten Lächeln: „Ich freue mich, dass ich bei der Eröffnung dabei sein werde“, sagte er. „In welcher Form auch immer.“

Innerlich hatte er längst abgeschlossen

Innerlich hatte Mehdorn offenbar mit seinem Job abgeschlossen. Doch bei der langen Aufsichtsratssitzung, die mit einem gemeinsamen vorweihnachtlichen Gänse-Essen endete, ließ Mehdorn nach Angaben von Teilnehmern keinerlei Rückzugsabsichten erkennen.

Mehdorn hat viele Schlagzeilen, viele Ideen produziert. Er wollte gegen alle Beschlüsse Tegel offen halten, den BER stückweise in Betrieb nehmen, dann den alten Schönefelder Airport aus DDR-Zeiten erhalten und mitnutzen. Wochenlang lieferte er sich eine Schlammschlacht mit Technikchef Horst Amann, der schließlich auf einen Versorgungsposten abgeschoben wurde. Monatelang weigerte er sich, Auskunft über die Kostenentwicklung zu geben. Anfang des Jahres erklärte er noch vollmundig, der BER werde Ende 2014 „baulich“ fertig sein.

Aber Mehdorn war nicht nur Meister der Ankündigung, ihm gelang es auch, die Motivation der Flughafenmitarbeiter zu stärken, ihnen den Glauben an das Projekt zurückzugeben, wieder so etwas wie Aufbruchgeist aufkommen zu lassen. Unter seiner Ägide wuchsen die Passagierzahlen weiter in Rekordhöhen. Fast 28 Millionen Fluggäste werden es Ende des Jahres sein. Der BER ist nur für 27 Millionen ausgelegt. Mehdorn hat früh eine unbequeme Wahrheit ausgesprochen, die Politiker bis dato als Panikmache abgetan hatten: Der neue Großflughafen wird schon bei seiner Eröffnung zu klein sein.

Von Torsten Gellner

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