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Brandenburg Mehdorn will Tegel für Geschäftsflieger
Brandenburg Mehdorn will Tegel für Geschäftsflieger
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15:42 03.09.2017
Der Flughafen Berlin-Tegel liegt ziemlich zentral und nahe an Wohngebieten.
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Berlin

Drei Wochen vor dem Volksentscheid über die Zukunft des Flughafens Tegel ist eine Mehrheit der Berliner für einen Weiterbetrieb. Laut einer Forsa-Umfrage Ende August im Auftrag der „Berliner Zeitung“ würden 61 Prozent der Befragten einen Weiterbetrieb von Tegel befürworten. Allerdings nahm die Zahl der Tegel-Unterstützer seit Jahresbeginn deutlich ab. Bei einer Umfrage im Februar waren noch rund drei Viertel (73 Prozent) aller Befragten für eine Zukunft für TXL.

Die meisten Tegel-Befürworter kommen laut Umfrage aus dem Lager der Berliner Oppositionsparteien. 88 Prozent der FDP-Wähler sind für Tegel, bei den CDU-Wählern sind es 70 Prozent. Bei den Grünen-Wählern kann sich dagegen nur rund jeder Zweite für einen Weiterbetrieb des Innenstadt-Airports begeistern. Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hat vom 22. bis zum 30. August 1005 Berliner befragt.

Senat hält Tegel für nicht mehr profitabel nach BER-Eröffnung

Berlins Finanzsenators Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) erklärte derweil in der „Berliner Morgenpost“, der Flughafen Tegel sei nach Eröffnung des Hauptstadtflughafens BER nicht mehr profitabel. „Würde in Tegel nur die Hälfte der bisherigen Passagiere fliegen, wäre der Flughafen ausgesprochen unwirtschaftlich – in allen Komponenten. Beim Betrieb, bei den nötigen Investitionen und beim Schallschutz. Insgesamt würde der Weiterbetrieb rund 250 Millionen Euro pro Jahr kosten“, sagte er. Wollte man Tegel wirtschaftlich machen, ginge das nur, indem die Airlines viel höhere Landegebühren zahlen. „Wenn man die Gebühren verdoppelt, könnte es vielleicht sogar funktionieren. Aber genau das schließen die Betreiber des Volksbegehrens aus“, so Kollatz-Ahnen.

Auf die Frage, ob man auf Tegel wirklich verzichten kann, da der BER ja schon zu seiner Eröffnung zu klein sein wird, sagte der Senator: „Man kann, und man wird es müssen. Es stimmt, dass der Flughafen aufgrund des inzwischen gewachsenen Passagieraufkommens zu klein ist. Deshalb arbeitet die Flughafengesellschaft an den nötigen Erweiterungen.“ Die prognostizierten Passagiere werde man in Schönefeld problemlos abfertigen können. „Die zwei Rollbahnen am BER reichen aus. Eine dritte Startbahn ist nicht notwendig.“

Finanzsenator: „Natürlich ist es nicht egal, wie das Ergebnis ist“

Die Berliner stimmen am Tag der Bundestagswahl über einen Appell an den Senat ab, die geplante Schließung des Flughafens Tegel zu stoppen. Auf die Frage, ob die SPD auch an der Schließung von Tegel festhalte, falls sich die Berliner am 24. September mit überwältigender Mehrheit für eine Offenhaltung aussprechen, antwortete der Senator: „Natürlich ist es nicht egal, wie das Ergebnis ist. Man muss dann über das Ergebnis nachdenken.“

Der frühere Chef der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) und der Airline Air Berlin, Hartmut Mehdorn, hat sich indes für einen dauerhaften Weiterbetrieb des Flughafens Tegel als Business- und Regierungs-Airport ausgesprochen. Grundsätzlich sei ein profitabler Betrieb möglich, anders als es die Flughafengesellschaft behaupte, sagte Mehdorn der „Welt am Sonntag“. Nach seinem Konzept sollte die Flugbereitschaft der Bundesregierung in Tegel bleiben, dann wäre der Umzug nach Schönefeld nicht nötig. Hinzu könnten kleine Geschäftsmaschinen zwischen 16 und 30 Tonnen Gewicht kommen, die – begrenzt durch ein Flugverbot zwischen von 20 Uhr und 6 Uhr – die Lärmbelastung für die Anwohner erträglich halten sollten. Damit, so Mehdorn, wäre Tegel trotz nötiger Investitionen profitabel.

Mehrere hundert Berliner aus dem Tegel-Umfeld haben am Freitagnachmittag gegen einen Weiterbetrieb demonstriert. Sie trugen Plakate mit Aufschriften wie „Lärm macht krank“ und „TXL, nein danke!“ Politiker von Grünen, Linkspartei und SPD solidarisierten sich.

Mitarbeiter-Sorgen bei der insolventen Air Berlin

Während die Tegel-Debatte weiter wogt, bangen Mitarbeiter der insolventen Fluglinie Air Berlin um ihre Arbeit. Zu einer Solidaritätskundgebung für die Mitarbeiter kamen rund 200 Menschen in der Hauptstadt.

Die Zukunft der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin könnte sich in drei Wochen entscheiden. Nach einem Bericht des „Spiegels“ entscheidet der Gläubigerausschuss am 21. September, welcher Bieter zum Zuge kommt. Air Berlin hatte Kaufinteressenten Zeit bis zum 15. September gebeten, ihre Angebote abzugeben. Die zweitgrößte deutsche Airline verhandelt mit dem Marktführer Lufthansa und weiteren Interessenten über den Verkauf von Unternehmensteilen.

Von Sophie-Caroline Kosel und Ulrich Wangemann

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