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Mehr Geld für Gedenkstättenarbeit

Oranienburg Mehr Geld für Gedenkstättenarbeit

Um 400 000 Euro haben Land und Bund den Haushalt der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten aufgestockt. Damit werden Gebäude saniert, Ausstellungen finanziert – und dringend benötigte Pädagogen eingestellt. Einen bekommt Sachsenhausen, einen weiteren müssen sich Ravensbrück und Brandenburg teilen.

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Um die 700 000 Menschen besuchen jährlich die Gedenkstätte Sachsenhausen.

Oranienburg. Land und Bund investieren weiter in die vier Brandenburger Gedenkstätten. Der Haushalt der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätte wurde in diesem Jahr um weitere 400 000 Euro auf ein Gesamtvolumen von 6,65 Millionen Euro erhöht. Über die „freudige Botschaft in nennenswertem Maße“ informierte Stiftungsdirektor Günter Morsch am Dienstag in Oranienburg.

Die Hälfte des Geldes fließt in die pädagogische Arbeit der Gedenkstätten. Zwei neue Pädagogenstellen werden geschaffen. Sachsenhausen ist mit 700 000 Besuchern im Jahr die größte Gedenkstätte der Stiftung und die zweitgrößte – nach Dachau – in Deutschland. „Die pädagogische Arbeit stößt längst an ihre Grenzen“, so Morsch. Deshalb wird eine neue Stelle hier eingesetzt. Die andere teilen sich die Gedenkstätten in Brandenburg an der Havel und Ravensbrück. Gerade in Brandenburg gebe es ein „massives Personalproblem“, so Morsch.

Die ehemalige Kommandantur in Sachsenhausen wird für mehr als 300 000 Euro für eine neue Ausstellung hergerichtet

Die ehemalige Kommandantur in Sachsenhausen wird für mehr als 300 000 Euro für eine neue Ausstellung hergerichtet.

Quelle: Marco Winkler

„Wir müssen auch Projekte ablehnen, weil wir sie nicht bewältigen können“, sagt die dortige Leiterin Sylvia de Pasquale. Dringend nötig ist die Stelle für eine neue Dauerausstellung im ehemaligen Zuchthaus Brandenburg-Görden, die Ende des Jahres eröffnet wird. Die Exposition zur Geschichte des Strafvollzugs bekommt nicht nur einen Anbau, sondern wird ferner die erste Ausstellung im ehemaligen Direktorenwohnhaus sein, das voriges Jahr in Stiftungseigentum überging.

Saniert wird es dank Sondermittel von Bund und Land für 638 000 Euro. Damit entsteht erstmals eine frei zugängliche Gedenkstätte in Brandenburg. „Das ist eine der wichtigsten Errungenschaften in 25 Jahren Stiftungsarbeit“, so Günter Morsch. Bisher bestand die Gedenkstätte nur aus einem schwer zugänglichen NS-Hinrichtungsort mitten im Sicherheitsbereich der heutigen Justizvollzugsanstalt.

Neues Depot für 2,4 Millionen Euro

Weiterer Höhepunkt der Stiftungsarbeit: In Oranienburg wird am 5. November 2017 das neue Depot für die Sammlungen der Gedenkstätte Sachsenhausen eröffnet. Derzeit wird das 80 Meter lange Gebäude im ehemaligen Industriehof, wo KZ-Häftlinge Zwangsarbeit leisten mussten, für 2,4 Millionen Euro saniert. Die Sammlung in Sachsenhausen umfasst rund 30 000 Objekte – bisher in einem Provisorium, im ehemaligen Kino, untergebracht. Bis 1993 befand sich die Sammlung in der ehemaligen Häftlingsküche, war dem Verfall preisgegeben.

Auch vor dem Verfall bewahrt wird die ehemalige Kommandantur. Sie wird derzeit für 300 000 Euro saniert. Am 18. Juni eröffnet dort nie neue Dauerausstellung „Arbeitsteilige Täterschaft“. Im Zentrum stehen zwei Massenmordaktionen und wie die Lager-SS sie organisiert hat.

Weniger Besucher in Ravensbrück

In der Potsdamer Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße freut sich Leiterin Ines Reich über stabile Besucherzahlen von rund 10 000 Menschen pro Jahr. Höhepunkt des Jahres sei die erweiterte Neugestaltung von Aufzeichnungen der ehemaligen Inhaftierten Marlise Steinert. Als „eindrucksvollen Forschungszuwachs“ bezeichnete Ines Reich die Arbeit, die Ende des Jahres präsentiert wird.

Nimmt der Besucherandrang in den meisten brandenburgischen Gedenkstätten zu, sinkt er einzig in Ravensbrück, von 150 000 vor drei Jahren auf jetzt 120 000. „Wir werden uns sicher bei 100 000 Besucher im Jahr einpegeln“, so Leiterin Insa Eschebach. Grund für die hohen Zahlen der letzten Jahre sei eine große Ausstellung 2013 gewesen. Der „Andrang“ ebbe jetzt ab.

Zwei große Sanierungsarbeiten in Ravensbrück

Das ehemalige Frauen-Konzentrationslager in Fürstenberg wird bis 2020 um weitere Flächen erweitert. 700 000 Euro wird für die Erschließung der rund 10 Hektar großen Fläche im südlichen Lagerbereich bereitgestellt. „Das Lager als solches war bisher nicht für Besucher einsehbar“, so Eschebach. Die Mahn- und Gedenkstätte wurde 1959 außerhalb der historischen Lagermauern errichtet.

Weitere Arbeiten in Ravensbrück: In diesem Jahr sollen noch die Bauarbeiten (Grundsanierung) des Zellenbaus beginnen. Da das Gebäude stärker beschädigt ist, als zuvor angenommen, erhöhen sich die Gesamtkosten der Maßnahme um 500 000 Euro auf insgesamt fast 1,3 Millionen Euro. Auch das ehemalige Wasserwerk soll in diesem Jahr saniert werden – für 1,37 Millionen Euro.

Besser Anbindungen gefordert

Touristen kommen nur schwer nach Ravensbrück. Nur zweimal am Tag fährt ein Bus. „Ravensbrück ist kein Ort des Massentourismus“, so die Leiterin. Zum bisher noch ungelösten Streit um die Busanbindung zur Gedenkstätte Sachsenhausen sagte Günter Morsch: „Wir sind Bittsteller, vom Landkreis gab es bisher keine Angebote. In den letzten 24 Jahren hat der Kreis nie etwas für die Gedenkstätte gemacht.“ Auch Ines Reich in Potsdam hat einen Wunsch. Sie würde sich eine besser Ausschilderung zur Gedenkstätte wünschen.

Von Marco Winkler

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