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Mehr Hauptamtler für die Feuerwehr

Brandschutz in Brandenburg Mehr Hauptamtler für die Feuerwehr

Weil die Mitgliederzahlen der Freiwilligen-Wehren in Brandenburg sinken und die Einsatzbereitschaft vielerorts gefährdet ist, sollen Profis die Lücken füllen – es wäre ein Systemwechsel. Ende des Jahres soll die Landesregierung einen Zukunftsentwurf für die Reform des Brand- und Katastrophenschutzes vorlegen.

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Immer häufiger müssen freiwillige Feuerwehren aus Nachbargemeinden anrücken, wenn es brennt. Zu dünn ist die Personaldecke vielerorts.

Quelle: picture alliance / dpa

Potsdam. Die freiwilligen Feuerwehren im Land werden aller Voraussicht nach in den kommenden Jahren Verstärkung durch hauptberufliche Kameraden erhalten. Dies zeichnet sich bei Gesprächen zwischen Innenministerium und Feuerwehrverband ab. Es wäre ein Systemwechsel – zumindest eine Kurskorrektur hin zur Teilprofessionalisierung des Rettungswesens. „Wir stehen vor einschneidenden Strukturveränderungen“, sagt Werner-Siegwart Schippel, Präsident des Landesfeuerwehrverbands Brandenburg.

Hintergrund der Debatte ist der Mitgliederschwund bei den Freiwilligen-Wehren – sie verlieren pro Jahr gut drei Prozent ihrer Ehrenamtler. In immer mehr Kommunen ist deshalb die Einsatzbereitschaft der Wehren kaum noch gewährleistet – vor allem tagsüber, wenn die Ehrenamtler auf der Arbeit sind.

Derzeit bilden die Freiwilligen- Wehren das Rückgrat des Brand- und Katastrophenschutzes im Land. 38 000 Freiwilligen stehen nur rund 600 hauptberufliche Brandbekämpfern gegenüber – sie sind in den großen Städten und als Betriebswehren nahe Industrieanlagen stationiert. „Wir brauchen mehr hauptamtliche Kräfte als Ergänzung – aber das System als Ganzes stellen wir nicht infrage“, sagt Feuerwehrverbands-Chef Schippel. Um die tragende Rolle der FreiwilligenWehr würde „Deutschland von vielen Ländern in Europa beneidet“. Dennoch gebe es Regionen im Land, die schlicht nicht mehr genug Freiwillige für Löscheinsätze zusammenbekämen. „Das müssen wir durch mehr Professionalisierung ausgleichen“, so Schippel.

Bis Ende des Jahres soll das Innenministerium ein Zukunftskonzept für den Brand- und Katastrophenschutz präsentieren – eine Arbeitsgruppe brütet über den vielen Vorschlägen, die auf fünf Regionalkonferenzen mit Feuerwehren im ganzen Land zusammengetragen wurden.

Die Vorstellungen sind ganz unterschiedlich. Diskutiert wird der Vorschlag, in jedem Landkreis einen eigenen hauptberuflichen Kreisbrandmeister einzustellen – derzeit ist dieser Job ein ehrenamtlicher. Die Brandmeister könnten im Katastrophenfall Einsätze leiten und sonst in der Nachwuchsbetreuung und -gewinnung wertvolle Arbeit leisten – und, so die Hoffnung, den Mitgliederschwund bremsen. Ein anderes Modell, das auf den Regionalkonferenzen von Feuerwehrvertretern diskutiert wurde, ist eine personelle Verstärkung der Stützpunktwehren. Dabei handelt es sich um ein 2007 geschaffenes Netz von 103 besonders gut ausgestatteten Freiwilligenwehren. „Eine Grundbesetzung mit hauptamtlichen Kräften an den Schlüsselstellen würde schon Wunder bewirken“, sagt Hans-Jürgen Scharfenberg, innenpolitischer Sprecher der Linkspartei im Landtag.

Ein weiteres Modell sieht vor, dass Kommunen bei der Vergabe von Verwaltungsjobs in die Anstellungsverträge Feuerwehraufgaben mit hinein schreiben. Die Verwaltungskräfte wären laut Arbeitsplatzbeschreibung Teilzeit-Feuerwehrleute.

In der Maximalvariante würden überall dort im Land neue Berufsfeuerwehren aufgebaut, wo die Personaldichte die Einsatzbereitschaft gefährdet. Das wäre dann tatsächlich ein Systemwechsel, Hunderte Stellen müssten geschaffen werden. Denn ein Posten muss rund um die Uhr besetzt sein.

Welches Modell auch immer sich durchsetzt: „Dass ein Paradigmenwechsel in kürzester Zeit umgesetzt werden kann, daran kann niemand glauben“, sagt Potsdam-Mittelmarks Landrat Wolfgang Blasig (SPD). „Auch Berufsfeuerwehrleute wachsen nicht auf den Bäumen.“ So habe etwa die Feuerwehr Berlin, große Schwierigkeiten, geeigneten Nachwuchs zu finden.

CDU-Innenexperte Björn Lakenmacher sagt: „Den Königsweg kennt keiner.“ Klar sei aber, dass es nicht weiter gehe wie bisher. Falkensee (Havelland) etwa könne schon länger die Tageseinsatzbereitschaft nicht einhalten. „Die Leute sind tagsüber nicht da, weil sie zum Arbeiten in Berlin sind“, so Lakenmacher. Die CDU plädiert dafür, in besonderer Weise das Ehrenamt zu stärken – etwa durch Einführung einer Feuerwehrrente. Das hat die Partei im Landtag als Antrag gestellt.

Der Autobahnunfall auf der A 2, bei dem Anfang September zwei Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Lehnin starben, wird zumindest eins beschleunigen: SPD, Linke, CDU und Grüne haben sich darauf geeinigt, die Hinterbliebenenversorgung von Beamten, angestellten Rettern und Ehrenamtlern anzugleichen. Einen gemeinsamen Antrag dazu und zu einer aktuellen Stunde im Parlament haben die vier Fraktionen gestern eingebracht.

Von Ulrich Wangemann

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