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Brandenburg Menschenrechtszentrum Cottbus erhält Freiheitspreis
Brandenburg Menschenrechtszentrum Cottbus erhält Freiheitspreis
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12:26 11.10.2016
Sylvia Wähling, geschäftsführende Vorsitzende vom Menschenrechtszentrum Cottbus zeigte Alt-Bischof Wolfgang Huber die Ausstellung. Quelle: dpa-Zentralbild
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Brandenburg/Havel

Der Berlin-Brandenburger Alt-Bischof Wolfgang Huber zeigte sich nach seinem Besuch in der Bautzener Straße in Cottbus beeindruckt: „Die Zeitzeugnisse lassen einen nicht mehr los“, sagt der Vorsitzende der Jury des ersten Brandenburger Freiheitspreises. Das vom Verein Menschenrechtszen­trum Cottbus erworbene ehemalige Zuchthaus Cottbus sei heute ein Ort „lebendiger und anschaulicher Bildung und Gewissensbildung“. Und damit ein würdiger Träger des erstmals ausgelobten Freiheitspreises, so Huber. Am Dienstag wird der Preis im Brandenburger Dom feierlich übergeben. Die Laudatio soll Schirmherr und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) halten.

Dieter Dombrowski kennt das Cottbuser Gefängnis aus eigenem Erleben. 1974 war der damals 23-Jährige in der DDR wegen „Republikflucht“ und „staatsfeindlicher Verbindungsaufnahme“ zu vier Jahren Haft verurteilt worden, von denen er 20 Monate verbüßte, 16 davon in Cottbus. „In der Zelle mit 40 Quadratmetern waren 28 Gefangene eingepfercht. Vier Betten übereinander, zwei Kaltwaschbecken und eine Toilette in der Mitte“, erinnert sich der CDU-Politiker und heutige Landtagsvizepräsident, der sich nach seiner Übersiedlung nach Westberlin auch von dort aus weiter gegen Unrecht in der DDR einsetzte. Dombrowski ist Vorsitzender des Menschenrechtszentrums Cottbus. Der Verein war 2007 von politischen Gefangenen des früheren Zuchthauses gegründet worden.

Dombrowski freut sich über den Preis: „Das ist eine große Auszeichnung. Wir sehen damit unsere Arbeit bestätigt und schöpfen Kraft, um weiterzumachen“, sagt er. „ In der Cottbuser Haftanstalt saßen zu DDR-Zeit über 20 000 unschuldig verurteilte Menschen. Sie wollten Freiheit, die ihnen das SED-Regime verwehrte.“

Mit Hilfe öffentlicher Zuschüsse und privater Spenden hatte der Verein das Gefängnisareal gekauft und Teile davon mit Unterstützung Freiwilliger zu einer Gedenkstätte umgebaut, die 2012 eröffnet worden war. Das Zuchthaus Cottbus zählte neben der Haftanstalt Bautzen zu den größten DDR-Gefängnissen für politische Häftlinge. Zwischen 1945 und 1989 saßen hier mehr als 20 000 Menschen. Seine Anfänge hatte der Standort 1860 als „Königliches Centralgefängnis“ der preußischen Justizverwaltung, und auch die Nazis nutzten die Anstalt. 2002 wurde sie endgültig geschlossen. Die 2013 eröffnete Dauerausstellung „Karierte Wolken – politische Haft im Zuchthaus Cottbus 1933 bis 1989“ widmet sich den Biografien von politischen Gefangenen während des Nationalsozialismus und des SED-Regimes.

Der Verein Menschenrechtszen­trum hofft, durch die Aufmerksamkeit, die mit dem Preis verbunden ist, weitere Geldgeber zu finden. Nur so ließen sich pädagogische Arbeit, historische Aufarbeitung und die Führungen der jährlich 8000 bis 9000 Besucher durch die Gedenkstätte weiter aufrechterhalten. Das Zentrum erhält vom Bund pro Jahr 125 000 Euro Unterstützung, das Land gibt 100 000 und die Stadt Cottbus 25 000 Euro. Der Verein hat sieben fest angestellte Mitarbeiter. Die Betriebskosten belaufen sich auf etwa 140 000 Euro.

Von Volkmar Krause

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