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Metall-Arbeitgeber warnen vor kürzeren Arbeitszeiten

Wirtschaft Metall-Arbeitgeber warnen vor kürzeren Arbeitszeiten

Verstärkung des Fachkräftemangels, Konkurrenz aus Ost-Europa und hohe Kosten: Vor dem Treffen der Tarifkommission der IG Metall warnen die Arbeitgeber vor deutlichen Standortnachteilen durch kürzere Arbeitszeiten.

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Die Gewerkschaft der Metallarbeiter will kürzere Arbeitszeiten bei höheren Löhnen durchsetzen.

Quelle: dpa

Potsdam. Die Gewerkschaft IG Metall will in den anstehenden Tarifverhandlungen für ihre Beschäftigten die Möglichkeit durchsetzen, über einen Zeitraum von zwei Jahren die Arbeitszeit auf 28 Stunden in der Woche zu reduzieren. „Höhere Löhne und kürzere Arbeitszeiten bedeuten einen enormen Kostenschub und gefährden die Unternehmen der Region Berlin-Brandenburg im internationalen Wettbewerb. Kürzere Arbeitszeiten sind das Gegenteil dessen, was wir jetzt brauchen“, sagte Christian Amsinck, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Metall- und Elektroindustrie in Berlin und Brandenburg (VME), im Gespräch mit der MAZ. Mehr als 100 000 Menschen aus der Region arbeiten in der Branche.

Am Dienstag kommt die Tarifkommission des IG Metall-Bezirks Berlin-Brandenburg-Sachsen zusammen, um über den Forderungskatalog für die Tarifverhandlungen zu beraten, die Mitte November starten. Es wird erwartet, dass sich die Kommission für ein Lohnplus von 6 Prozent und einer Option auf eine 28-Stunden-Woche ausspricht. Diese soll auf zwei Jahre befristet sein und den Anspruch auf eine Rückkehr zu 35 Stunden Arbeitszeit pro Woche beinhalten. In Ostdeutschland gilt für die Metaller zwar die tarifliche 38-Stunden-Woche. Die Gewerkschaft will aber auch über eine Angleichung an die im Westen geltende 35-Stunden-Woche verhandeln.

Die IG Metall begründet ihre Forderung mit der anhaltend guten wirtschaftlichen Lage und steigenden Umsätzen. „Arbeitgeber, die einen Arbeitskräftemangel beklagen, sollten sich an die eigene Nase fassen“, meint der Bezirksleiter der IG Metall für Berlin-Brandenburg-Sachsen, Oliver Höbel. Die Gewerkschaft weist auch Äußerungen der Arbeitgeberseite zurück, wonach die Beschäftigten rundum mit den Arbeitszeiten zufrieden seien. Bezirkschef Höbel verweist auf Umfragen unter Vollzeitkräften, wonach in Ostdeutschland trotz 38-Stunden-Woche fast 60 Prozent der Beschäftigten in der Regel 40 Stunden und mehr arbeiten. Nach ihrer Wunscharbeitszeit befragt, sprachen sich demnach 63 Prozent der Ostdeutschen für eine 35-Stunden-Woche aus. Die Umfrage zeigt aber auch, dass sich nur 7 Prozent der ostdeutschen Metaller für eine weitergehende Absenkung der Arbeitszeiten aussprechen.

Arbeitgebervertreter Amsinck warnte vor den Folgen für die brandenburgische Industrie: „Gerade die kleinen und mittelständischen Unternehmen könnten das nicht stemmen“, sagte er. Amsinck befürchtet, dass Aufträge der boomenden Metall- und Elektrobranche von Wettbewerbern im osteuropäischen Ausland abgegriffen werden. „Die Konkurrenz sitzt gleich um die Ecke, in Ländern wie Tschechien oder der Slowakei, wo man viel günstiger produzieren kann“, sagte er. Außerdem werde sich der Fachkräftemangel weiter verschärfen, wenn man die Arbeitszeiten verkürzt. Die 28-Stunde-Woche sei „unkollegial“, so Amsinck: „Wenn der eine Beschäftigte weniger arbeiten will, muss der andere umso länger arbeiten.“

Beide Seiten stellen sich auf harte Verhandlungen ein. Am 31. Dezember endet die Friedenspflicht. Die Gewerkschaft könnte das neue Jahr also mit Streiks einläuten.

Von Torsten Gellner

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