Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Mieten zu teuer: Bafög reicht nicht zum Leben

Studieren in Brandenburg Mieten zu teuer: Bafög reicht nicht zum Leben

Die Bafög-Empfänger im Einzugsbereich des Studentenwerks Potsdam bekommen durchschnittlich 548 Euro im Monat – auf den ersten Blick recht viel. Doch in der teuren Landeshauptstadt deckt der Betrag nicht die Lebenshaltungskosten. Vor allem die teuren Mieten schlagen hier zu Buche.

Voriger Artikel
Heftiger Streit um Neuwahl der Landräte
Nächster Artikel
Verfolgungsjagd mit Auto und Hubschrauber

Nur eine Minderheit beantragt noch Bafög

Quelle: dpa

Potsdam. Das Deutsche Studentenwerk (DSW) schlägt Alarm: Das Bafög ist bundesweit zu niedrig. Als Beleg führt das DSW die von ihm in Auftrag gegebene Studie „Ermittlung der Lebenshaltungskosten von Studierenden“ des Berliner Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie (FIBS) an. Es ist seit 1990 die erste umfassende Erhebung über die wirtschaftliche Situation der Bafög-Empfänger. Demnach halten die aktuellen Bafög-Sätze mit den gestiegenen Lebenshaltungskosten der jungen Menschen nicht Schritt. Die Bedarfssätze decken die tatsächlichen Kosten der Studierenden nur in begrenztem Umfang, heißt es. Selbst dann, wenn entsprechend einer Vorgabe des Bundesverfassungsgerichts nur die Ausgaben der „ärmsten“ 15 Prozent der Studierenden zugrunde gelegt werden.

Die Klagen scheinen auf den ersten Blick märkischen Verhältnissen zu widersprechen. Im Einzugsbereich des für fünf brandenburgische Hochschulen zuständigen Studentenwerks Potsdam erhielten die 4619 Bafög-Empfänger durchschnittlich 548 Euro im Monat. Außerdem ist die Zahl der Bafög-Anträge seit 2012 um 1661 zurückgegangen. Peter Heiß, Geschäftsführer des Studentenwerks Potsdam, schließt trotzdem nicht auf eine gute Situation. Auch er meint, dass die von der Bundesregierung gelobte Bafög-Reform nicht der sozialen Wirklichkeit der Studierenden entspreche.

Überraschen hoher Durchschnittswert in der Region

„Wir wissen nicht, warum immer weniger Bafög beantragen“, räumt Heiß ein. „Die Leute, die keinen Antrag stellen, kommen ja nicht zu uns.“ Gespräche mit Studierendenvertretern ließen aber die Vermutung zu, dass das wenige Bafög, das manchen nach der Berechnung der familiären Lebensverhältnisse zustünde, den bürokratischen Aufwand nicht lohnt, der für das Einholen der entsprechenden Nachweise aufgebracht werden muss. Auch der überraschend hohe Durchschnittswert des in der Region tatsächlich ausgereichten Bafögs sage eher Negatives aus. „Wir gehen davon aus, dass eigentlich nur noch diejenigen Bafög beantragen, die es anders gar nicht schaffen“, so Heiß.

Die jüngste Erhöhung der Ausbildungsförderung hat in Brandenburg den Zahlen zufolge auch nicht viel bewirkt. Obwohl die Sätze um sieben Prozent angehoben wurden, kam das bei den ärmsten Potsdamer Studenten kaum an. Nach Berechnung des individuellen Anspruchs stieg der monatliche Bafög-Betrag im Vergleich zu 2012 gerade mal um sechs Euro.

Viel zu wenig für aktuelle Mietkosten

Peter Heiß appelliert an die Bundesregierung, die Unterstützungsleistung dringend an die neuen Lebensverhältnisse anzupassen. Die sehen laut FIBS-Studie so aus, dass den Studierenden für den alltäglichen Lebensbedarf statistisch gesehen monatlich 70 bis 75 Euro fehlen. Für Mietkosten reiche das Bafög schon gar nicht aus.

Das sieht auch Tilman Kolbe, Referent für Campuspolitik im Asta der Universität Potsdam, so. „Einer Studie von Empirica zufolge sind die Kosten für ein durchschnittliches WG-Zimmer in Potsdam von 2012 zu 2016 um 31 Prozent gestiegen“, erklärt er. „Von 268 Euro warm auf 351 Euro warm im Monat.“ Studentenwohnheime entspannten die Situation nicht, da sie durchweg voll ausgelastet seien.

Soziale Hürden des Studiums verschärfen sich

Im Osten des Landes ist die Situation, zumindest bei den Wohnkosten milder, wie Monique Möbus-Zweig, Geschäftsführerin des Studentenwerks Frankfurt (Oder), erklärt. Neben Frankfurt (Oder) ist sie auch für Cottbus, Eberswalde (Barnim) und Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz) zuständig. Der Bafög-Bedarfssatz von 250 Euro decke die durchschnittlichen Mietkosten von 213 Euro in dieser Region durchaus. Entwarnung gibt Möbus-Zweig aber nicht. „Problematisch sind die tatsächlichen Unterhaltskosten für Ernährung, Fahrkosten, Kleidung, Kommunikation, Lernmittel, Versicherungen, Gebühren, Freizeit, Kultur und Sport sowie die unzureichende Höhe des Satzes für die Kranken- und Pflegeversicherung“, sagt sie. Möbus-Zweigs Fazit: Der Bafög-Satz ist insgesamt zu niedrig.

Für den Potsdamer Asta-Referenten Kolbe sind das keine neuen Erkenntnisse. Schon der alternative Bafög-Bericht des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) vom Februar dieses Jahres habe darauf hingewiesen, dass das die Ausbildungshilfe „weit hinter Preis- und Lohnentwicklung“ liege. DGB-Vize Elke Hannack forderte deswegen schon eine Anhebung der Bedarfssätze um 6,5 Prozent noch vor der Bundestagswahl. Eine Forderung, der sich Kolbe anschließt.

Für die wissenschaftspolitische Sprecherin der Linken, Isabelle Vandré, belegt die FIBS-Studie, dass das Bafög in seiner derzeitigen Form an Realität vorbeigeht. „Vor allem hinsichtlich Wohnraum und Studieren mit Kind sind die Kosten deutlich gestiegen“, sagt sie. Das verschärfe die soziale Hürden des Studiums.

Von Rüdiger Braun

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Brandenburg

Erwarten Sie, dass sich nach Einführung der einheitlichen Postleitzahl in der Gemeinde Gumtow die Qualität der Zustellung verbessert?

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg