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Millionen fehlen für Straßenbahn-Umbau

Barrierefreiheit in Brandenburg Millionen fehlen für Straßenbahn-Umbau

Bis 2022 müssen Straßenbahnen in Deutschland behindertengerecht umgebaut werden. So mancher Verkehrsbetrieb in Brandenburg fühlt sich damit finanziell überfordert. Die Gelder vom Land reichen längst nicht aus, um die vielen Oldtimer, die im Land rollen, zu modernisieren. Cottbus droht beispielsweise ein Millionenloch.

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In Cottbus fahren viele alte Straßenbahnen. Weil sie umgebaut werden müssen, droht der Stadt ein Millionenloch.

Quelle: dpa-Zentralbild

Potsdam. Brandenburgs Verkehrsbetriebe sehen sich beim behindertengerechten Umbau der Straßenbahnen zumeist finanziell völlig überfordert. Nach Darstellung des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) sind allein in der Mark rund 220 Millionen Euro notwendig, um die gesetzlich vorgeschriebene vollständige Barrierefreiheit in Fahrzeugen und an Haltestellen herzustellen. „Weitere zig Millionen sind erforderlich, um die Strecken zu erhalten, Gleise zu erneuern und Brücken auszubessern“, sagte der Geschäftsführer der Landesgruppe Ost im VDV, Werner Faber.

In allen Bundesländern sollen die öffentlichen Verkehrsbetriebe bis Ende 2021 einen behindertengerechten Zugang bei Bussen und Straßenbahnen gewährleisten, um eine entsprechende UN-Behindertenkonvention umzusetzen. Viele Kommunen, denen die Betriebe des öffentlichen Personennahverkehrs gehören, fühlen sich mit dieser Aufgabe überfordert.

Die Vorgaben zur Barrierefreiheit sind nicht konkret

Beispiel Cottbus: Der Stadt droht wegen des behindertengerechten Umbaus der Straßenbahnen ein Millionenloch. Es fehlt an Geldern, wie Sprecherin Christin Heldt sagte. Allerdings sei auch bislang noch nicht klar, wie die Vorgaben zur Barrierefreiheit überhaupt genau aussehen.

Die Verkehrsunternehmen warten auf die Ergebnisse einer seit 2014 in Nordrhein-Westfalen laufenden Untersuchung. Da die Beratungen darüber nach Angaben des Verkehrsministeriums in Düsseldorf noch nicht abgeschlossen sind, liegt auch noch keine Empfehlung für Länder, Kommunen und Verkehrsbetriebe vor, wie der Umbau vorzunehmen ist.

Viele Ersatzteile gibt es nur auf dem Trödelmarkt

Die Cottbuser Verkehrsbetriebe haben ihre 46 Busse bereits behindertengerecht umgerüstet. Auch rund ein Drittel der 21 Straßenbahnwagen erfüllt die zu erwartenden Kriterien bereits zu einem Teil. Allerdings sind die etwa 30 Jahre alten Fahrzeuge des tschechischen Herstellers Tatra veraltet und nur mit erheblichen Aufwand zu modernisieren. „Ersatzteile sind kaum noch zu bekommen, sie müssen wie auf dem Trödelmarkt organisiert werden“, sagte Heldt.

Sollten die alten Straßenbahnen ab 2022 nicht mehr eingesetzt werden können, müssten auf einen Schlag Neufahrzeuge gekauft werden, so Heldt. Bei einem Preis von rund 2,2 Millionen pro Straßenbahn entstünde ein Finanzbedarf von rund 44 Millionen Euro. Da sich aus den vom Land überwiesenen Finanzmitteln lediglich rund eine halbe Million für Neuanschaffungen pro Jahr ansparen lasse, könne die Stadt neue Straßenbahnen ohne Hilfe des Landes nicht anschaffen.

90 Millionen vom Land reichen nicht aus

Nicht nur in Cottbus schaut man mit Bedenken in die Zukunft. Zwar hat immerhin die Landeshauptstadt Potsdam schon jetzt einen modernen Fuhrpark. Doch die anderen Straßenbahnbetriebe in Brandenburg/Havel, Frankfurt (Oder), Woltersdorf, Strausberg und Schöneiche-Rüdersdorf haben finanzielle Sorgen wegen der technischen Umstellungen. Zwar erhalten sie jährlich rund 90 Millionen Euro vom Land, die auch zur Umstellung auf einen behindertengerechten Zugang zur Straßenbahnen und Bussen verwendet werden können. Dies reicht aber laut VDV nicht aus.

In Potsdam gibt es bereits einen modernen Fuhrpark

In Potsdam gibt es bereits einen modernen Fuhrpark.

Quelle: dpa-Zentralbild

Ähnlich sieht es der Brandenburger Bahnkunden-Verband. Die Landesregierung müsse „ganz schnell umsteuern“, sagte Landesverbandschef Frank Böhnke. Die klammen Kommunen müssten jetzt Entscheidungen treffen, Aufträge für neue Straßenbahnen und Umbauten an den Haltestellen zu vergeben. „Jeder Monat, der vergeht, ist ein Monat zu viel“, sagte er.

Von Manfred Rey

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