Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg Ministerin setzt auf Smartphones im Unterricht
Brandenburg Ministerin setzt auf Smartphones im Unterricht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:13 21.02.2018
Bildungsministerin Britta Ernst (SPD). Quelle: Julian Stähle
Anzeige
Potsdam

Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) erklärt im MAZ-Interview, wie sie sich das Lernen in Zeiten der Digitalisierung vorstellt. Sie macht sich für ein Ende des Handyverbots im Unterricht stark.

Frau Ministerin Ernst, im jetzt vorgelegten Koalitionsvertrag ist vorgesehen, dass der Bund mehr Einfluss auf die Bildungspolitik in den Ländern bekommt – das sogenannte Kooperationsverbot fällt. Haben Sie nicht die Befürchtung, dass die Länder entmachtet werden?

Nein, diese Befürchtungen habe ich nicht. Die Vertreter des Bundes sagen sehr deutlich, dass sie kein Interesse daran haben, Lehrpläne zu gestalten und Lehrerinnen und Lehrer einzustellen. Aber es ist ganz klar, dass zum Beispiel der digitale Wandel die Schulen herausfordert. Das zu bewältigen ist ohne den Bund nicht zu schaffen – hier können wir gemeinschaftlich besser vorankommen.

Was bedeutet die Digitalisierung an Schulen denn in Brandenburg? Sollten Schüler ihre eigenen Geräte im Unterricht nutzen dürfen oder werden diese jetzt vom Bund angeschafft?

Ich bin eine Anhängerin des Prinzips „Bring your own device“. Nicht in der Grundschule, aber zumindest in den weiterführenden Schulen sollten Schülerinnen und Schüler ihre eigenen Geräte im Unterricht nutzen dürfen. Ich glaube, dass es weder dem Bund noch den Ländern gelingt, Schulen alle zwei bis drei Jahre mit neuen Endgeräten auszustatten. Das ist auch nicht notwendig, denn die meisten Kinder und Jugendlichen haben Handys oder Tablets. Natürlich müssen Schulen jene Familien unterstützen, die aus finanziellen Gründen ihren Kindern keine Handys kaufen können oder es auch nicht wollen. Aber auch das wird in der Praxis kein Problem sein.

„Ich lerne Brandenburg Tag für Tag besser kennen“

Konflikte im Unterricht sind vorprogrammiert. Wie kann es im Schulalltag funktionieren, dass sich Jugendliche nicht mit Whats-App-Nachrichten und Daddeln ablenken?

Schüler sollen nicht nur Spielen und Kommunizieren lernen, was sie längst können, sondern vor allem den verantwortungsvollen Umgang mit den Geräten. Ich bin da zuversichtlich, weil wir nicht bei null anfangen. Es gibt bereits Schulen in Deutschland, die Handys oder Tablets erfolgreich einsetzen. Wir sollten nicht die Risiken in den Vordergrund stellen.

Ministerin Ernst (SPD) mit MAZ-Chefredakteurin Hannah Suppa (l.) und Redakteurin Diana Bade (r.). Quelle: Julian Stähle

Auch deshalb haben Sie sich vielleicht entschlossen im September von Kiel, Schleswig-Holstein, als Bildungsministerin nach Brandenburg zu kommen. Wie haben Sie sich Land und Leute in Brandenburg erschlossen?

Auf verschiedenen Wegen: Zum einen habe ich viele Gespräche geführt. Zum anderen bin ich auf Kreisreisen vor Ort unterwegs, besuche Schulen, Kitas und Sporteinrichtungen. Nach den Terminen besichtige ich immer Sehenswürdigkeiten. Das hilft mir, ein Gefühl für die Region zu bekommen. So hat mir der Bürgermeister in Wittenberge seine Stadt gezeigt, und in der Lausitz konnte ich im Braunkohlerevier die Förderbrücke F60 besuchen. Neben den vielen spannenden Begegnungen, die ich durch mein Amt habe, lerne ich so Tag für Tag Brandenburg besser kennen.

„Ich war mit meiner Bilanz in Schleswig Holstein zufrieden“

Nach dem Regierungswechsel in Schleswig Holstein verloren Sie Ihr Amt – wie war das für Sie? Wie sortiert man sich als Politiker da neu?

Den Beginn eines Ministeramtes kann man nicht planen und das Ende oft auch nicht. Es ist nicht von einem Tag auf den anderen passiert. Ich hatte während des Wahlkampfes den Eindruck, es könnte schief gehen. Ich bin natürlich sehr traurig gewesen, weil ich das Bildungsministerium gerne weiter verantwortet hätte und das Bundesland und die Kolleginnen und Kollegen sehr ins Herz geschlossen hatte. Ich war aber mit meiner Bilanz zufrieden und hatte nach zwei Jahren und neun Monaten nicht das Gefühl, zu vieles unvollendet zu hinterlassen.

Gibt es Projekte, die Sie in Schleswig-Holstein erfolgreich angestoßen haben, die Sie auch in Brandenburg umsetzen wollen?

Ja, es gibt Parallelen. Aber ich bin vorsichtig damit, Erfahrungen von einem Bundesland auf ein anderes zu übertragen, weil man damit den Ländern nicht gerecht wird. Das Thema Qualität in der Schule war in Schleswig-Holstein für mich ein großer Schwerpunkt und ist es auch in Brandenburg. Hier umfasst das Ministerium auch Jugend und Sport.

Zur Person: Britta Ernst

Die SPD-Politikerin (56) war bis Juni 2017 Bildungsministerin von Schleswig-Holstein.

Bevor sie Ministerin war, gehörte sie mehr als zehn Jahre der Hamburgischen Bürgerschaft an.

Fragen zu ihrem Ehemann, Olaf Scholz (SPD), der als möglicher neuer Bundesfinanzminister gehandelt wird, beantwortet sie nicht.

Was macht denn Qualität an der Schule für Sie aus?

Qualität heißt für mich, dass Kinder und Jugendliche optimal und individuell gefördert werden. Kinder sollen ihre Talente gut entfalten können und in der Lage sein, ihr Leben nach der Schule selber zu gestalten. Wichtig ist auch, dass sie gute Leistungen bringen. Da ist Brandenburg gut aufgestellt. Trotzdem müssen wir bei Mathematik, Lesen und Schreiben dranbleiben und sehen, dass die Leistungen noch ein bisschen besser werden. Und wir haben Nachholbedarf bei der Unterstützung von Schülerinnen und Schülern, die besondere Begabungen haben, wenn wir uns international vergleichen.

„Kitagebühren: Eltern möchten mehr Transparenz“

Bildung beginnt natürlich bereits vor der Schule – in der Kita. Sie wollen die Kita beitragsfrei machen, doch bis dahin dauert es. Und derweil sind die Kitabeiträge landesweit noch immer sehr unterschiedlich. Ob Eltern 500 Euro im Monat für die Kita zahlen oder gar nichts, hängt vom Wohnort ab. Diese Willkür verärgert viele Eltern in Brandenburg. Warum setzen Sie sich nicht dafür ein, dass einheitliche Elternbeiträge für die Kitas im ganzen Land existieren?

Weil wir das nicht entscheiden können. Ich bin dafür, zu einer stärkeren Angleichung zu kommen. Aber es ist bisher in Brandenburg Sache der Kita-Betreiber, die Höhe der Elternbeiträge zu kalkulieren und festzulegen. Insbesondere die Gemeinden berufen sich dabei auf ihre kommunale Satzungshoheit.

Kann die Kritik der Eltern an den unterschiedlich hohen Kita-Gebühren verstehen: Ministerin Britta Ernst (SPD). Quelle: Julian Stähle

Trotzdem gibt es massive Kritik von Eltern an der Erhebung von Elternbeiträgen. Da läuft einiges aus dem Ruder. Wäre es nicht gut, wenn man als Ministerium sortiert?

Solche Gespräche hat es bereits gegeben, bevor ich Ministerin in Brandenburg wurde. Doch die kommunale Ebene lehnt es gegenwärtig strikt ab, die Höhe der Elternbeiträge stärker zu regeln. Auch wenn meine Wahrnehmung ist, dass die Eltern dringend mehr Transparenz möchten. Mit der kompletten Beitragsfreiheit für die Kitas wird sich das Thema aber erledigen.

Ab welchem Jahr werden Brandenburger Eltern denn keine Kitabeiträge mehr zahlen müssen?

Wir starten im August 2018 die Beitragsfreiheit für das letzte Kita-Jahr, vorausgesetzt, der Landtag stimmt dem Gesetz zu. Das ist der Einstieg, und es wird weitere Schritte geben. Die können wir aber erst entscheiden, wenn wir wissen, wie sich die Steuereinnahmen entwickeln. Aber für uns ist wichtig, dass wir in einem Zeitraum von zehn Jahren auch die Qualität und den Betreuungsschlüssel weiter verbessern.

„Auch die Brandenburger Landschaft spricht mich an.“

Kritiker sagen, es sei besser, in die Qualität – also in Personal - zu investieren, als auf Gebühren zu verzichten. Was halten Sie dagegen?

Kritiker fordern ja richtigerweise auch nicht die Einführung von Schulgebühren. Wir haben auch bei den Hochschulen nach einigen Fehlentwicklungen keine Gebühren mehr. Warum sollte man anders an die Kitas herangehen als an Schulen oder Hochschulen? Ich finde das gegeneinander Ausspielen nicht richtig, denn wir wollen Familien entlasten und verbessern gleichzeitig die Qualität.

Kann Brandenburg für Sie Heimat werden?

Ich bin norddeutsch geprägt und finde Brandenburg nicht so fremd. In der Mentalität ist hier wie dort eine gewisse Zurückhaltung erkennbar. Auch die Brandenburger Landschaft spricht mich an. Und ich finde Potsdam schön. Das alles hat es mir leicht gemacht, herzukommen. Ich würde mich freuen, wenn ich als Bildungsministerin länger als zwei Jahre in Brandenburg bleiben kann.

Wie funktioniert die Doppel-Heimat Hamburg und Potsdam – pendeln Sie?

Ich pendele wie andere auch. Unter der Woche bin ich in Potsdam und am Wochenende in Hamburg. Wenn es das Amt erfordert, etwa eine Sportveranstaltung am Wochenende ansteht, bin ich natürlich auch am Wochenende in Brandenburg.

Von Hannah Suppa und Diana Bade

Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) macht sich dafür stark, dass Schüler ihre Smartphones zu Unterrichtszwecken im Klassenzimmer nutzen dürfen. Jugendliche aus sozial schwächeren Familien dürften dabei nicht benachteiligt sein.

21.02.2018

Spitzentreffen der rot-roten Landesregierung mit der Evangelischen Kirche: Beim Erhalt der Kirchen loben beide die gute Zusammenarbeit. Seit 1990 seien mehr als 500 evangelische Gotteshäuser mit finanzieller Unterstützung des Landes gerettet worden, sagte Ministerpräsident Woidke.

13.02.2018
Brandenburg Wohnungsbrand Elbe-Elster - Plessa: Toter nach Hausbrand

Aus bisher ungeklärter Ursache brannte es am Montagabend in einem Wohnhaus. Ein 73-jähriger Mann wurde während der Löscharbeiten tot in seiner Erdgeschosswohnung gefunden.

13.02.2018
Anzeige