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Mit Babyprämie gegen Einwohnerschwund

Rückkehrer sollen Brandenburgs schrumpfende Dörfer retten Mit Babyprämie gegen Einwohnerschwund

Brandenburgs Dörfer schrumpfen – und werden beim Kampf gegen Einwohnerschwund erfinderisch. Einige locken Zuzügler mit Umzugs- oder Babyprämien. Der Städte- und Gemeindebund aber warnt vor einem Überbietungswettbewerb der ohnehin finanzschwachen Kommunen.

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In manchen Dörfern ist wenig los

Quelle: Detlev Scheerbarth

Potsdam. Not macht erfinderisch: Brandenburgs Dörfer schrumpfen, aber sie kämpfen mit guten Ideen um Neubürger. Beispiel Massen in der Niederlausitz: Das 2000-Einwohner-Dorf schießt Zuzüglern 5000 Euro beim Hausbau oder -kauf zu. Voraussetzung: Die Neuankömmlinge haben kleine Kinder, wie Bürgermeister Lutz Modrow erklärt.

Die 2012 eingeführte Prämie habe sich bewährt. „Wir konnten den Einwohnerschwund nicht stoppen, aber abmildern“, so Modrow. „Die Gemeindekasse wird zwar belastet, aber das kommt durch Steuereinnahmen und Bauaufträge wieder zurück.“

Mit ähnlichen Mitteln versucht man im benachbarten Finsterwalde (Elbe-Elster), die Innenstadt wieder zu beleben. Wer dort hinzieht oder einen Gewerberaum nutzt, erhält Umzugs- oder Sanierungshilfen, wie Bürgermeister Jörg Gampe (CDU) erklärt. 60 000 Euro lässt sich das die Gemeinde pro Jahr kosten. Mit Erfolg: „Wohnungen in der Innenstadt sind inzwischen schnell weg, Bauland wird knapp“, so Gampe.

Schrumpfende Dörfer sind kein ostdeutsches Phänomen. Kürzlich sorgte ein niedersächsischer Bürgermeister mit der Idee für Schlagzeilen, städtisches Bauland an Zuzügler zu verschenken. Vor solchen Alleingängen warnt allerdings Karl-Ludwig Böttcher, Hauptgeschäftsführer des Brandenburger Städte- und Gemeindebunds. „Das macht nur Sinn, wenn es ein abgestimmtes Gesamtkonzept gibt“, sagt er. Andernfalls könne es zu einer unguten Konkurrenz zwischen den Gemeinden kommen. Außerdem sei es rechtlich bedenklich. „Kommunen dürfen ihre Vermögenswerte nicht einfach verschenken.“

Auch Ariane Böttcher, die in der Uckermark eine Willkommensagentur für Zuzügler und Rückkehrer etabliert hat, ist skeptisch. „Die Kommunen geraten mit solchen Angeboten in eine Überbietungsspirale“, befürchtet sie. Ihre Anlaufstelle hilft Fachkräften bei der Job- und Wohnungssuche. Bislang betreute das Team mehr als 300 Personen. Mehr als Hundert Fachkräfte wurden über die Agentur in die Uckermark gelockt.

Dieser regionale Ansatz sei sinnvoll, wenn man Rückkehrer erreichen will, sagt Alexander Gallrein, Sprecher der Zukunftsagentur Brandenburg (ZAB). „Wer aus der Uckermark stammt, möchte meist in die Uckermark zurück und nicht etwa in die Lausitz“, sagt er. Das Ende 2012 gestartete Fachkräfteportal der ZAB, das um Zuzügler und Rückkehrer wirbt, wird laut Gallrein immer häufiger angeklickt. 2014 wuchsen die Zugriffszahlen gegenüber 2013 um rund 30 Prozent auf 90 000. Die meisten Besucher aus Ländern außerhalb von Brandenburg und Berlin stammen aus Sachsen, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Bayern und Mecklenburg-Vorpommern.

Von Torsten Gellner

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