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Brandenburg Mit Stinkbomben gegen Wildschweine
Brandenburg Mit Stinkbomben gegen Wildschweine
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12:00 08.11.2016
Mief aus der Dose. Er soll die Wildschweine vertreiben. Quelle: dpa
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Fredersdorf-Vogelsdorf

So mancher Passant bleibt an diesem Morgen irritiert stehen: Männer in weißen Ganzkörperanzügen stapfen in ein Wäldchen rings um den Grassee in Vogelsdorf (Märkisch-Oderland). Durch einen weißen Mundschutz sind die Gesichter der seltsamen Gestalten kaum zu erkennen. Sie hängen fächerförmig gefaltete Aluminiumblättchen an Zweige und bearbeiten darauf befindliche Wattepads mit Sprayflaschen. Kurze Zeit später breitet sich ein penetranter Gestank aus – ein Duftmix aus Toilettenreiniger und nassen Tierhaaren. Man sucht das Weite.

„Wenn die Wildschweine das auch tun, ist unsere Aktion ein voller Erfolg“, sagt Thomas Krieger (CDU), Bürgermeister der Doppelgemeinde Fredersdorf-Vogelsdorf. Wie auch andere Berliner Speckgürtel-Orte leidet das Doppeldorf seit Jahren unter einer Wildschweinplage, die sich laut Krieger seit dem Frühsommer verschärft hat. „Tiere ziehen sich tagsüber auf die Grünflächen mitten im Ort zurück, um dann nachts Gärten, Grünanlagen oder Straßenränder regelrecht umzupflügen.“ Wie viele Schwarzkittel sich in der 15 000-Seelen-Gemeinde herumtreiben, weiß niemand genau. „Die Tiere sind der Auskunft von Jägern nach nicht standorttreu, bewegen sich in einem Umkreis von 20 Kilometern“, sagt der Bürgermeister. Mit dem Geruchsspray – tatsächlich handelt es sich um eine Duftstoff-Mischung von Mensch, Bär, Wolf und Luchs, die als natürliche Fressfeinde der Schwarzkittel gelten – sollen die Tiere in die Außenbereiche des Ortes vertrieben werden, wo dann Jäger in der Dämmerung und nachts mit der Flinte auf der Lauer liegen.

Aluminiumblättchen mit Dosenduft sollen Schweine aus dem Ortskern vertreiben. Quelle: dpa

Bauhof-Mitarbeiter Mario Brehmer ist einer der Männer im Ganzkörper-Weiß. Mit seinen Kollegen hat er das fachdeutsch Vergrämungsmittel genannte Geruchsspray in der vergangenen Woche schon einmal ausprobiert. „Das entwickelt sich so richtig erst an der Luft, wird noch viel widerlicher“, sagt Brehmer. Ein Umstand, mit dem die Bewohner angesichts von 750 im Gemeindegebiet ausgebrachten Geruchsportionen in den nächsten zwei Wochen wohl oder eher übel leben müssen. So lange dauert die Vergrämungsaktion, von der niemand zu sagen weiß, ob sie erfolgreich sein wird. Spätestens nach 14 Tagen, so die Erfahrung von Jägern, hätten sich die als schlau geltenden Wildschweine an den Gestank gewöhnt und würden nicht mehr flüchten.

„Kurzfristig könnte die Aktion durchaus wirksam sein, ob langfristig Erfolge zu erzielen sind, bleibt fraglich“, meint Tino Erstling vom Brandenburger Landesjagdverband. Die Probleme vor allem im Berliner Speckgürtel seien nicht neu. „Städter wollen naturnah leben und ziehen raus ins Grüne, wundern sich dann aber, wenn die Natur zu ihnen kommt“, sagt er. Ein sicherer Schutz gegen Wildschweine sei letztlich nur eine stabile Umfriedung des eigenen Grundstücks.

Absperrbänder vor einem privaten Grundstück sollen Wildschweine abhalten den Rasen umzugraben. Quelle: dpa

Ilona Tews bestätigt das. Sie ist mit ihrer Familie vor fünf Jahren aus Berlin nach Vogelsdorf gezogen und hat dank stabiler Zäune noch keine Wildschweine im eigenen Garten gehabt. Sie wohnt allerdings in einer Straße, in der riesige Schwarzkittel morgens schon Schulkinder oder Briefträger erschreckten und wo vor fast jedem Grundstück rot-weißes Flatterband weht. „Vor zwei Jahren haben sich die Tiere davon noch abschrecken lassen, inzwischen stört sie das gar nicht mehr“, schildert sie und zeigt auf die durchpflügten Bereiche hinter dem Flatterband. Dass die aktuelle Vergrämungsaktion außer der Geruchsbelästigung etwas bringt, bezweifelt Tews.

„Das allein wird sicher nicht reichen“, meint auch Bürgermeister Krieger . Er setzt auf ein einsichtiges Umdenken seiner Nachbarn. „Fallobst, Rasenschnitt und anderer Kompost gehört nicht an den Straßenrand, weil es die Allesfresser erst anlockt“, betont er. Und: „Joggen oder Gassi gehen entlang von Feldern, Wiesen und Waldgebieten behindert Jäger.“

Von Jeanette Bederke

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