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Brandenburg Mittelmeer-Urlaub der anderen Art
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15:04 12.01.2016
Lars Wendland im Gespräch mit einem Flüchtling. Quelle: dpa-Zentralbild
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Brieskow-Finkenheerd

Für Lars Wendland ist sein Entschluss eine einfache, logische Konsequenz. „Je tiefer du in dem Thema drin steckst, umso mehr interessiert es dich“, sagt der 42-jährige Familienvater aus dem brandenburgischen Brieskow-Finkenheerd. Seit zwei Jahren engagiert er sich für Flüchtlinge, als Gemeindevertreter hat er maßgeblich dafür gesorgt, dass jetzt drei syrische Familien in dem 2400-Seelen-Ort an der Oder leben. Die erzählten wiederholt von ihrer abenteuerlichen Flucht über das Mittelmeer, bei der sie fast ertrunken wären. „Da entstand bei mir allmählich das Bedürfnis: Ich muss da hin und das mit eigenen Augen sehen“, sagt Wendland.

Und zwar nicht in seiner Funktion als Bundespolizist, sondern als ehrenamtlicher Helfer der privaten deutschen Flüchtlingsinitiative „Sea Watch“. Zwei Wochen lang wird Wendland als 2. Bootsführer auf einem Schnellboot arbeiten, das zwischen der Türkei und der griechischen Insel Lesbos pendelt. „Viele Flüchtlinge können damit nicht aufgenommen werden. Wir geben aber die Koordinaten per Funk durch, holen größere Schiffe zur Hilfe heran oder schleppen ein in Seenot geratenes Boot ab“, beschreibt er den Einsatz, für den er extra Urlaub genommen hat.

Sea Watch: Einsätze auf zwei Wochen begrenzt

Länger als zwei Wochen dauern die Mittelmeer-Einsätze für Freiwillige nicht. Denn traumatisierende Erlebnisse sind nicht ausgeschlossen.

Mehr als 2000 Menschen habe man 2015 gerettet, so die Initiative.

33 Meter lang ist die „Sea Watch II“. Sie soll künftig Flüchtlinge retten und ist doppelt so groß wie die erste „Sea Watch“. Das 1968 gebaute Fischfang-Forschungsschiff bietet Platz für medizinische Versorgung.

„Länger als zwei Wochen dauern die Einsätze für Freiwillige an Bord nicht. Denn traumatisierende Erlebnisse sind nicht ausgeschlossen, wenn wir zu Bootsunglücken hinzukommen“, sagt „Sea Watch“-Sprecher Ruben Neugebauer. „Nicht immer gibt es nur Überlebende.“ Deswegen habe die Initiative auch Notfallseelsorger vor Ort. Seit die private Flüchtlingsinitiative im April vergangenen Jahres medienwirksam startete, meldeten sich viele Freiwillige aus ganz Deutschland. „Ausschlaggebend ist die Qualifikation. Wir schauen immer, dass wir eine Crew zusammenstellen, in der Nautiker und auch Mediziner sind“, erklärt Neugebauer. Mehr als 2000 Menschen hat „Sea Watch“ 2015 nach eigenen Angaben gerettet.

Bei der Bundespolizei auf einem Grenzboot auf der Oder gearbeitet

Wendland ist einer, der mit Schiffen umgehen kann. Bei der Bundespolizei hat er zeitweise auf einem Dienstboot auf der Oder gearbeitet - zu Zeiten, als die deutsch-polnische Grenze kontrolliert wurde. „Ich habe einen Binnenschifferschein, bin Taucher, Rettungsschwimmer und habe meine Erste-Hilfe-Kenntnisse noch mal aufgefrischt“, erläutert der 42-Jährige. An diesem Freitag steigt er ins Flugzeug nach Lesbos. Reisekosten, Unterkunft und Verpflegung der ehrenamtlichen Helfer werden aus Spenden bestritten, die „Sea Watch“ erhält. Seine Familie, sagt Wendland, stehe geschlossen hinter ihm. Auch viele Kollegen aus der Bundespolizeiinspektion Kriminalitätsbekämpfung hätten sich anerkennend geäußert.

Allerdings hätten ihm Vorgesetzte auch klar gemacht, dass er verbeamtet sei und daraus resultierende Pflichten ebenso für seine „Freizeitaktivitäten“ gelten würden. „In dieser Hinsicht ist mir nichts vorzuwerfen, es geht um Seenotrettung“, erwidert der 42-Jährige. Er habe eine Lebensentscheidung getroffen, die ihn verändern werde, glaubt der Polizeihauptmeister.

„Ohne eine gewisse Abenteuerlust ist das nicht machbar“, gibt er auch zu. Es würden sicher zwei harte Wochen, in denen er viel Leid zu sehen bekomme. Über das Internet und die sozialen Netzwerke hat Wendland im Vorfeld viel recherchiert. Auch die Knotenkunde hat er noch einmal aufgefrischt. Bei seinem Einsatz im Mittelmeer will er nicht nur helfen, sondern auch fotografieren, Tagebuch führen und Videos aufnehmen. „Wenn ich zurück bin, werde ich in öffentlichen Vorträgen über meine Erlebnisse berichten - auch, um die „Sea Watch“-Initiative weiter zu unterstützen.“

Von Jeanette Bederke

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