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Mobilfunk: Auch in Zukunft kein lückenloses Netz

Netzabdeckung in Brandenburg Mobilfunk: Auch in Zukunft kein lückenloses Netz

In Brandenburg werden die „weißen Flecken“ bei der Mobilfunk-Versorgung so schnell nicht verschwinden. Bei einer Anhörung der Netzbetreiber im Wirtschaftsausschuss des Landtags zeigte sich, wo die größten Lücken sind: in den abgelegenen Gebieten des Landes und in kleinen Ortschaften. Dort rechnen sich für die Unternehmen die Investitionen nicht, sagen sie.

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In luftiger Höhe arbeiten Mitarbeiter am Aufbau eines Mobilfunkmastes.

Quelle: Oliver Berg

Potsdam. In Brandenburg ist beim Netzausbau zwar vieles besser geworden, die Funklöcher vor allem in abgelegenen Gebieten des Landes werden aber nicht so schnell verschwinden wie es die Betroffenen erhoffen. Das ist das Ergebnis einer Expertenanhörung am Mittwoch im Wirtschaftsausschuss des Landtags. Geladen waren die drei großen Mobilfunkanbieter im Land (Telekom, Vodafone und Telefonica), ein Vertreter der Bundesnetzagentur sowie von „weißen Flecken“ besonders betroffene Kommunen aus Brandenburg.

Netzabdeckung schon ab 97 Prozent

Die Netzbetreiber signalisierten, sie wollten sich Lücken in der Versorgung speziell anschauen, warnten aber vor falschen Illusionen. Philipp Gröschel von Telefonica Deutschland, zu der O2 gehört, sagte, bereits beim Erreichen von 97 Prozent der Haushalte werde von einer flächendeckenden Versorgung gesprochen. Die Netzabdeckung erfolge dort, wo Kunden seien, also in besiedelten Gebieten. Das heiße nicht, dass alle Wälder, Felder und Landstraßen versorgt würden, betonte Gröschel mit dem Verweis darauf, dass dies zu teuer und nicht wirtschaftliche sei.

Ähnlich äußerte sich Gerhard Jeuttner von der Bundesnetzagentur. Ein lückenloses Netz werde es auch in Zukunft nicht geben. „Es gibt auch weiße Flecken in Nordrhein-Westfalen“, sagte Jeuttner in Erwiderung auf einen Einwand des CDU-Abgeordneten Dierk Homeyer, wonach es „völlig unbefriedigend“ sei, wenn kleine Ortschaften keine Netzanbindung hätten. Auf Initiative der oppositionellen CDU können Bürger seit kurzem auf einer Internetseite Funklöcher in Brandenburg melden. Über 13000 Funklöcher seien gemeldet wurden, verkündete Homeyer. „Wir haben einen Nerv getroffen.“ Telefonica-Vertreter Gröschel wies allerdings darauf hin, dass eine solche Zählung, die auf korrekte Angaben von Nutzern setze, Schwächen habe.

Wünsche an die Politik äußerten die Netzbetreiber auch. Helmut Zeitz von Vodafone riet den Kommunalverwaltungen, sich klarer zu Investitionen zu bekennen. In der Vergangenheit seien geplante Mobilfunk-Investitionen wie in Rheinsberg abgelehnt worden. „Die vielen Funklöcher wurden vor vielen Jahren gegraben“, meinte Zeitz.

Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) sagte, die Schwachstellen im Land müssten schnell identifiziert werden. Dazu habe es Gespräche mit den Netzbetreibern gegeben. Allerdings könnten solche Investitionen weder vom Land noch von der Bundesnetzagentur angeordnet werden, sondern Sache der Netzbetreiber.

Telekom-Vertreter Peter Deider betonte, in Brandenburg sei die Versorgung mit LTE in den letzten beiden Jahren um 20 Prozent gesteigert worden und habe jetzt Bundesdurchschnitt erreicht. Er räumte aber ein, dass in „Einzelfällen“ ein Ausbau in Ortschaften mit wenigen Einwohnern nicht erfolgen könne, weil es sich wirtschaftlich nicht rechne. Er nannte als Beispiele die brandenburgischen Gemeinden Krassnig (Elbe-Elster) und Kleßen-Görne (Havelland).

„Der wiegelt nur ab“, empörte sich auf den Zuschauerbänken im Landtag der Bürgermeister von Kleßen-Görne, Joachim Tessenow, der die Anhörung verfolgte. Wichtig sei jetzt, dass erst einmal ein Anfang beim Netzausbau in seiner 350-Seelen-Gemeinde gemacht werde. Der Zustand sei besorgniserregend, sagte der zuständige Amtsdirektor des Amtes Rhinow, Jens Aasmann. In Kleßen gebe es ein Schloss mit Tagungsbetrieb und Hochzeiten. Das stecke im Funkloch. Gebraucht werde dringend ein empfangsstärker Sendemast. Er räumte ein, worauf auch die Netzbetreiber verwiesen, dass es gegen Sendemasten hin und wieder auch Widerstand in der Bevölkerung gebe. „Alle wollen gern telefonieren, den Mast aber bitte nicht in der Nähe haben.“ Hoffnung schöpft Bürgermeister Tessenow durch die Ankündigung der Netzbetreiber, über Kooperationen nachzudenken und sich mögliche Investitionen zu teilen. Von größeren Lücken im Gemeindegebiet der Stadt Rheinsberg (Ostprignitz-Ruppin) berichtete auch Bürgermeister Jan-Peter Rau. Besonders betroffen seien Camper und Bootstouristen. Auf Dauer sei das ein Wettbewerbsnachteil, wenn etwa Touristik-Apps ohne stabile Netze nicht benutzt werden könnten. Ein Problem sei das auch bei Notfällen. „Kein Handyempfang kann Leben kosten“, sagte Rau.

Telefonica-Vertreter Gröschel sagte: „Ich nehme das mit.“ Er wolle nun mit den Regionalverantwortlichen nach einer Lösung suchen, sagte er.

Von Igor Göldner

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