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Crowdfunding für Eiskunstlauf-Filmprojekt Möchten Sie in einem Kinofilm mitspielen?

Komparsenjobs sind begehrt. Meistens wird man für die kleinen Rollen entlohnt. Bei dem Kinofilm „Die Anfängerin“ mit DDR-Eislaufstar Christine Stüber-Errath soll das allerdings etwas anders laufen. Dort kann man sich für 75 Euro eine kleine Rolle kaufen. Denn noch fehlen rund 50 000 Euro Budget. Die Crowdfunding-Aktion soll nun die Finanzierungslücke stopfen.

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Auch mit knapp 60 Jahren sicher auf dem Eis: Christine Stüber-Errath.

Quelle: Andrea Rümmler

Berlin. Flotter Schritt, große wache Augen, fester Händedruck: Kein Mensch würde auf die Idee kommen, dass diese Frau auf die 60 zugeht. Christine Stüber-Errath scheint fast so fit zu sein, wie in ihren besten Tagen in Eislaufarenen. In den 70er Jahren holte sie WM- und EM-Gold sowie Olympia-Bronze im Eiskunstlauf. Geradlinig verlief ihre Karriere nicht immer. Mehr als einmal legte sich die Wildauerin (Dahme-Spreewald) mit Sport- und Politik-Funktionärin der DDR an.

Eine Kämpfernatur ist die drahtige Frau nach wie vor. Diesmal engagiert sich Christine Stüber-Errath für den Kinofilm „Die Anfängerin“, in dem sie sich quasi selbst spielt. Hauptakteure des Streifens sind Stars wie Katrin Sass und Annekathrin Bürger. Doch noch fehlen rund 50 000 Euro zur Abrundung des Budgets, so eine Sprecherin der Produktionsfirma Lichtblick Media in Berlin. Eine Unterstützeraktion soll diese Finanzierungslücke stopfen. Bei der übers Internet laufenden Kampagne können Fans und Interessierte zum Beispiel für 75 Euro Komparse im Streifen werden. „Für zehn Euro gibt es eine namentliche Erwähnung im Filmabspann. Wer größere Summen locker macht, kann eine Privatvorführung in Anwesenheit der Stars erhalten“, sagt Christine Stüber-Errath, die sich in den letzten Jahren auch kommunalpolitisch in Wildau sowie im benachbarten Zeuthen engagierte. Bei Privatvorstellungen denkt die Filmcrew u.a. an Firmen und Vereine aus Brandenburg und Berlin. Ab einer Summe von 10000 Euro sei man hier dabei. Die außergewöhnliche Kampagne läuft seit Mitte Dezember über die Homepage www.startnext.com/dieanfaengerin. Dort können sich Hobby-Eislaufgruppen aus Brandenburg und Berlin übrigens auch für ein Training mit der ehemaligen Weltmeisterin bewerben. „An fünf Terminen möchte ich Freizeit-Eisläufer aus Vereinen anleiten“, so die Märkerin.

Film soll authentischen Blick hinter die Kulissen werfen

Christine Errath 1976 beim Schaulaufen bei den Olympischen Winterspielen in Innsbruck

Christine Errath 1976 beim Schaulaufen bei den Olympischen Winterspielen in Innsbruck.

Quelle: Imago

Die Idee des so genannten Internet-Crowdfunding sei, möglichst viele Interessenten zu finden, die mit unterschiedlichen Beiträgen ab zehn Euro das Filmprojekt unterstützen. Mit den zusätzlich eingeworbenen Mitteln sollen Statisten finanziert und die Zahl der benötigten Drehtage gesichert werden. „Allein im Sportforum Hohenschönhausen sind zehn Drehtage geplant“, so Christine Stüber-Errath. Der Film soll einen authentischen Blick hinter die Kulissen des Eiskunstlaufsports werfen. „Um diese oft in Tanzfilmen verzerrte Sportart realistisch darzustellen, braucht es Zeit und das kostet Geld. Der Dreh muss so ablaufen, wie es für einen guten Film notwendig ist“, so der Ex-Eislaufstar.

Laut Klaudia Kelleh von Lichtblick Media müssen bis zum geplanten Drehstart im Frühjahr 2016 mindestens 50000 Euro zusammenkommen. Eine höhere Summe würde zu einhundert Prozent in die Qualität der Produktion investiert. Ein Großteil des Budgets kommt vom ZDF - der Kinofilm wird später auch im Fernsehen ausgestrahlt. Daneben freut sich das Team über eine finanzielle Zusage der „Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien“ Monika Grütters. Eine Kooperation mit dem deutsch-französischen TV-Sender Arte ist im Gespräch. Darüber hinaus flossen Mittel einer privaten Investmentgruppe. Hier hatten Christine Stüber-Errath und Ehemann Paul u.a. selbst 50000 Euro eingezahlt. Die Drehbuchentwicklung finanzierten u.a. das Bundeskulturministerium, die Deutsche Filmförderanstalt und das ZDF. Über die Höhe des Gesamt-Budgets wollte Lichtblick Media keine Auskünfte geben. Der Etat liegt dem Vernehmen nach bei rund einer Million Euro.

Nicht nur für Insider

„Die Anfängerin“ sei kein Insiderfilm übers Eiskunstlaufen, sondern ein Streifen für ein breites Publikum, ist vom Produktionsteam zu hören. „Eiskunstlaufen ist nur der Teppich, auf dem sich alles abspielt“, sagt Stüber-Errath. „Die Anfängerin“ sieht sie auch als einen Frauen-Film, der sich um einen Mutter-Tochter-Konflikt dreht. Katrin Sass („Good bye Lenin!“) spielt darin eine bärbeißige Ärztin, die sich mit fast 60 Jahren den Traum vom Eiskunstlauf erfüllt, verrät Regisseurin Alexandra Sell aus Berlin-Prenzlauer-Berg. Sie recherchierte zum Film rund fünf Jahre im Berliner Eiskunstlauf-Metier. „Die Melancholie der Eishallen berührte mich von Anfang an“, so die 46-Jährige. „Die Anfängerin“ erzähle eine bewegende Geschichte vom Auftauen einer Frau – auf dem Eis!

Spitzensportlerin mit eigenem Kopf

Christine Stüber-Errath wurde am 29. Dezember 1956 in Berlin geboren. Mit fünf Jahren entdeckten sie Talentspäher beim Rollschuhlaufen. Schon mit 12 Jahren nahm sie an ihrer ersten EM teil. Als sie sich weigerte, ins Eiskunstlauf-Leistungszentrum nach Karl-Marx-Stadt (mit Trainerin Jutta Müller) zu wechseln, bekamen sie und ihre Trainerin erheblichen Ärger mit DDR-Sportverbänden und Funktionären. In der DDR galt sie zudem nicht als Liebling der Preisrichter.

Laut Medaillen-Statistik ist Christine Stüber-Errath die erfolgreichste Berliner Eiskunstläuferin aller Zeiten. Später startete die studierte Germanistin eine Moderatoren-Karriere beim Kinderfernsehen der DDR. Nach der Wende moderierte sie im MDR „Außenseiter-Spitzenreiter“. Stüber-Errath ist Mutter von zwei erwachsenen Kindern.

Auch im richtigen Leben schnallte sich Katrin Sass für erste Filmproben jetzt Schlittschuhe unter die Füße. „Ich hätte nie gedacht, wie beglückend das ist“, so Sass. Auch Annekathrin Bürger (78) freut sich auf den geplanten Dreh: „Dieser Film ist meine Chance in diesem Leben noch einmal zeigen zu können, was ich bin: Eine Schauspielerin! Ich habe das Drehbuch fünfmal gelesen – es ist einfach gut.“ Christine Stüber-Errath selbst hatte sich für den Streifen nach 37 Jahren extra neue Eiskunstlaufschuhe gekauft. Ihre Olympia-Schuhe von Innsbruck 1976 hätten einfach nicht mehr gepasst. Seit mehr als drei Jahren trainiert sie einmal wöchentlich, um sich nach 20 Jahren Eislaufpause wieder in Form zu bringen. „Ich finde es großartig, dass die Eislaufszenen beim SC Berlin gedreht werden, auf derselben Eisbahn, wo ich vor 40 Jahren täglich trainierte.“

Von Jens Rümmler

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