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Mohamed & Elias: Das sind die Fakten

Brandenburger gesteht Mord Mohamed & Elias: Das sind die Fakten

Elias (6) aus Potsdam und Mohamed (4) aus Berlin wurden entführt und getötet. Die Hoffnungen auf ein Lebenszeichen sind zerschlagen. Lange hatte man nach den unschuldigen Kindern gesucht. Doch dann kam der entscheidende Hinweis. Der Täter Silvio S. stammt aus Brandenburg. Immer mehr Details sind seit Donnerstag bekannt geworden. Wir haben sie zusammengefasst.

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Mohamed und Elias sind Opfer eines Sexualverbrechens geworden.

Quelle: MAZ/ dpa/ Polizei

Berlin/Potsdam/Kaltenborn. Der sinnlose Tod zweier Kinder erschüttert bundesweit die Menschen. Mohamed (4) aus Berlin und Elias (6) aus Potsdam wurden entführt und anschließend getötet. Ein 32-Jähriger aus Brandenburg ist am Donnerstag verhaftet worden. Seither überschlagen sich die grausamen Details.

Was war passiert?

Mohamed: Anfang Oktober besucht der vier Jahre alte Mohamed das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) in Berlin-Moabit an der Hand seiner Mutter. Gemeinsam mit der Familie sind sie aus Bosnien-Herzegowina geflohen und suchen Schutz in Deutschland. Als sie in der Erstaufnahme eine Nummer zieht, ist ihr Mohamed plötzlich weg. „Ich habe überall gesucht, doch ihn nicht gefunden“, sagt sie in einem Interview. Die Polizei wird sofort aktiv. Kurz nach dem Verschwinden veröffentlichen die Beamten Fahndungsfotos. Die traurige Nachricht: Mohamed könnte entführt worden sein. Er ist an der Hand eines etwa 35-jährigen Mannes zu sehen. Knapp 350 Hinweise sind insgesamt eingegangen, doch keine heiße Spur.

Elias: Es ist der 8. Juli gegen 17.30 Uhr, als der sechs Jahre alte Elias die elterliche Wohnung im Potsdamer Stadtteil Schlaatz verlässt, um auf dem Hof zu spielen. Als die Mutter ihren Jungen zum Abendessen rufen möchte, ist er weg. Noch in der Nacht beginnen Polizei und freiwillige Helfer mit der Suche nach dem Jungen. Sie wird weit mehr als drei Monate andauern. Doch von dem Jungen gibt es keine Spur – bis zu diesem Freitag.

Wann gab es die heiße Spur?

Mohamed: Nach wochenlanger Fahndung und insgesamt 254 Hinweisen bis zum 27. Oktober fehlt noch immer jede Spur von Flüchtlingskind Mohamed. Ermittlungen, etwa Polizeieinsätze am Hafengelände in Berlin Moabit laufen ins Leere. Polizei und Staatsanwaltschaft veröffentlichen an jenem Dienstag neue Bilder einer Überwachungskamera unweit des Lageso. Sie sind deutlich schärfer. Außerdem werden Belohnungen von insgesamt 20.000 Euro für entscheidende Hinweise ausgesetzt, 10.000 Euro sind dabei von zwei Privatpersonen. Am Donnerstag folgt dann ein Anruf - man habe den Mann auf den Bildern erkannt.

Elias: Monate verstreichen, doch keine Spur von Elias. Auch eine hohe Belohnung für entscheidende Hinweise bringt keine Erkenntnis. Als die Leiche des vierjährigen Mohameds entdeckt und sein mutmaßlicher Mörder gefasst wird, stellen sich viele die Frage: Hat der Mann möglicherweise etwas auch etwas mit dem Verschwinden von Elias zu tun? Die Polizei prüft einen Zusammenhang, schließlich gibt es eine räumliche Nähe und ein passendes Entführungsmuster. In Vernehmungen gesteht der Täter dann in der Nacht zu Freitag, dass er einen Jungen aus Potsdam entführt und ermordet habe. Sein Name: Elias.

Wer ist der Täter?

Mohamed & Elias: Als Mohamed vermisst wird, suchen die Ermittler mit Hochdruck nach einem Mann mit mitteleuropäischem Aussehen. Etwa 35 - 50 Jahre schätzten sie den schlanken Mann mit mittellangen Haaren, einem Bart und Geheimratsecken. Ein Gesicht zu einem möglichen Entführer im Fall Elias gibt es hingegen nicht. Dafür sucht man nach einem dunklen Kombi. Dann kommt der Hinweis zum Entführer. Es ist Silvio S. aus Kaltenborn, einem Ortsteil der Gemeinde Niedergörsdorf in Teltow-Fläming.

Kaltenborn, der Wohnort des Täters.

Quelle: Stähle

Der 32-Jährige stellt sich der Polizei vor seiner Haustür - er gesteht den Mord an Mohamed. Und er habe allein gehandelt. Silvio S. verhält sich weiter kooperativ. Er sagt, er habe im Lageso in Berlin helfen wollen, unter anderem habe er Kuscheltiere als Spende gebracht. Der Mann, der zwei Kinder entführt und getötet hat, ist sonst für Sicherheit zuständig, arbeitet bei einer Sicherheitsfirma in Teltow. Man beschreibt ihn in seinem Heimatort als zurückhaltend und unauffällig. Auch freundlich soll er stets gewesen sein, sagt der Kaltenborner Ortsvorsteher Christian Laiblin. Am Dorfgeschehen nimmt S. wenig teil, müsse viel in Schichten arbeiten, heißt es. Silvio S. lebt noch bei seinen Eltern. Er bewohnt in dem Haus eine Einliegerwohnung. Die Großmutter wohnt gegenüber.

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Mohamed (4) war ein unschuldiges Flüchtlingskind. Am 1. Oktober wurde er vor der zentralen Registrierungsstelle für Flüchtlinge in Berlin entführt. Nun ist er in dem beschaulichen 80-Seelen-Ort Kaltenborn (Teltow-Fläming) gefunden worden – tot in dem Auto seines mutmaßlichen Mörders Silvio S.

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Als am vergangenen Wochenende ein  Herbstfeuer im Dorf stattfindet, setzt er sich dazu. Er lässt sich seine grausamen Taten nicht anmerken. Bei seiner Festnahme am Donnerstag wirkt der 32-Jährige gefasst. „Der stand vor der Tür, als hätte er auf die Polizei gewartet“, sagt Dorfbewohner Jens Lehmann.

In diesem Haus lebte S. bei seinen Eltern.

Quelle: Stähle

Was ist mit den Kindern geschehen?

Mohamed: Nachdem Silvio S. den Vierjährigen vom Lageso-Gelände entführt hat, fuhr er zunächst ziellos durch die Gegend. Schließlich nahm er den Mohamed mit nach Hause, dort missbrauchte er den Jungen. Wenige Stunden später erdrosselte er ihn mit einem Gürtel. Mohameds letzter Atemzug: gegen 2.10 Uhr. Als Motiv gibt Silvio S. an, dass Mohamed zuviel "gequengelt und gemault" habe. Er wollte nicht, dass seine Eltern ihm auf die Schliche kommen. Deshalb versteckt er ihn auf dem Dachboden. Den leblosen Körper legt er in eine  Plastikwanne und bedeckt ihn mit Katzenstreu.

Elias: Silvio S. hat den sechs Jahre alten Elias am 8. Juli in Potsdam entführt. Die Tat räumt er nach seiner Verhaftung ein. Anschließend habe er ihn getötet und in seinem Kleingarten vergraben. Er skizziert den Ermittlern, wo sich der Junge befindet. Genaue Umstände zum Tod des Jungen gibt S. jedoch nicht. Die Polizei vermutet auch in diesem Fall einen Sexualmord.

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30. Oktober 2015: Am Freitag hat die Polizei damit begonnen in Luckenwalde den Kleingarten von Silvio S. zu durchsuchen. Dort hat er nach eigenen Angaben die Leiche des kleinen Elias vergraben. Die Ermittler haben eine Leiche gefunden, die nun obduziert wird. Am Sonnabend gingen die Untersuchungen auf dem Grundstück weiter.

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Wo hat man die Leichen der Kinder entdeckt?

Mohamed:   Silvio S. führt die Beamten zu seinem weißen Dacia Lodgy, der vor dem Elternhaus abgestellt ist. Der Vierjährige liegt darin - noch immer in der Plastikwanne. Schon kurz danach ist den Ermittlern klar: Der Junge muss schon länger tot gewesen sein. Die Berliner Polizei hat den Wagen beschlagnahmt und zu Untersuchungszwecken nach Berlin abschleppen lassen.

Der Dacia von Silvio S. wurde abgeschleppt. Darin befand sich die Leiche des kleinen Mohamed.

Quelle: ABIX

Elias: Großes Polizeiaufgebot am Freitag in einer Schrebergartenkolonie in Luckenwalde. Hier habe S. den kleinen Elias auf seinem gepachteten Grundstück vergraben. Das Gebiet wird weiträumig abgesperrt. Gezielt sucht man nach der Leiche. Am Nachmittag dann der Fund: Im Boden vergraben findet man ein „Paket“, etwa in der Größe einer Kinderleiche.

Gerichtsmediziner mit der Leiche aus dem Schrebergarten.

Quelle: Stähle

Gerichtsmediziner transportierten gegen 16 Uhr eine Leiche auf einer Trage ab. Während die Staatsanwaltschaft bis Freitagabend noch keinen Leichenfund bestätigen will, wird die Polizei konkreter. Tatsächlich handelt es sich um einen menschlichen Körper. Ob es Elias ist, bleibt aber offen. Frühestens Montag sei mit weiteren Ergebnissen zu rechnen, hieß es von der Staatsanwaltschaft am Freitagabend.

Wer gab den entscheidenden Hinweis?

Mohamed: Hinweise zu dem 32-Jährigen hat die Polizei aus der Familie des Verdächtigen bekommen. Sie hatte ihn auf den gerade neu veröffentlichten Fahndungsbildern erkannt. Der Vater soll nach Bild-Informationen „Das bist doch du“, gesagt haben. Dann gesteht S. seinen Angehörigen die Tat. Die Mutter des Mannes habe sich am Donnerstagvormittag bei der Polizei gemeldet und berichtet, dass ihr Sohn ihr die Tat gestanden habe, sagt der Leiter des Sonderkommission, Winfried Wenzel, auf einer Pressekonferenz. Eine Psychologin hält die Mutter für mutig. Häufig komme es vor, dass sich Täter bei einer Konfrontation gegen jene wendet, die ihn mit den Taten in Verbindung bringen.

Elias: Den Sechsjährigen aus dem Schlaatz in Potsdam bringt Familie S. mit ihrem Sohn nicht in Verbindung. Den entscheidenden Hinweis hat der mutmaßliche Mörder bei einer Vernehmung selbst gegeben.

Silvio S. hat in dieser Kleingartenanlage in Luckenwalde ein Grundstück gepachtet. Den Ermittlern gab er den Hinweis, dass Elias dort begraben liegt.

Quelle: Stähle.

Was war das Motiv?

Mohamed & Elias: Das Motiv des Mannes ist am Donnerstag nach der Festnahme noch unklar. „Es gibt keine Hinweise auf Kontakte zu einer pädosexuellen Szene oder einer Mitgliedschaft in einer rechtsextremen Vereinigung“, sagt ein Sprecher. Auch zu psychischen Auffälligkeiten gäbe es keine Erkenntnisse. Inzwischen gehen die Ermittler in beiden Fällen von einem Sexualverbrechen aus. Mohamed wurde missbraucht und getötet, weil er "quengelte". Bei Elias stehen die Obduktionsergebnisse bisher aus. Ein Kriminalpsychologe glaubt, das Tötungsmotiv könnte auch Verdeckung sein. Ob Silvio S. pädophil oder psychisch labil ist, muss erst geklärt werden.

Von MAZonline

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