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Mohameds Familie droht die Abschiebung

Nach dem Kindermord in Berlin Mohameds Familie droht die Abschiebung

Das ermordete Flüchtlingskind Mohamed (4), das vergangenen Donnerstag in Brandenburg gefunden wurde, soll so schnell wie möglich in Berlin beerdigt werden. Doch Mohameds Familie wird das Grab vielleicht nicht oft besuchen können: Laut Asylrecht müssen die Bosnier abgeschoben werden.

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Kerzen und Blumen zur Erinnerung an Mohamed am Berliner LaGeSo, seinem Entführungsort.

Quelle: dpa

Potsdam, Berlin. Neben dem schweren Verlust ihres Kindes hat Mohameds Familie mit einem weiteren Problem zu kämpfen: Der bosnischen Familie droht die Abschiebung aus Deutschland.

Der Berliner SPD-Abgeordnete Ilkin Özışık und die beiden Rechtsanwälte der Mutter und der beiden Schwestern Mohameds fordern ein vorläufiges Bleiberecht für die bosnische Familie, die seit mehr als einem Jahr in Berlin lebt. „Wir brauchen einen Aufenthaltsstatus, unbedingt“, sagte der SPD-Politiker. Bisher gebe es nur eine Duldung, die demnächst ablaufe. Özışık kümmert sich um die Familie, weil sein Wahlkreis in Moabit liegt, wo Mohamed entführt wurde.

Hoffnung auf Entgegenkommen der Politik

Als Bosnierin hat die Mutter des toten Kindes eigentlich kaum Ausssichten, legal in Deutschland zu bleiben. Die Anwälte gingen aber davon aus, dass es in diesem Fall wegen des schweren Schicksals ein Entgegenkommen der Politik geben werde. „Ich glaube, das ist kein Problem, diese Familie hierzubehalten“, sagte der Anwalt Andreas Schulz.

Mohameds Mutter will Nebenklägerin sein

Die Mutter will im Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder als Nebenklägerin auftreten. Mohameds Vater lebt nicht mehr. Zur Familie gehört ein neuer Lebensgefährte der Mutter, eine zehnjährige Schwester Mohameds und ein Baby.

Mohamed wird bald in Berlin beerdigt

Der getötete Mohamed (4) soll in den nächsten Tagen nach islamischem Ritus in Berlin beerdigt werden. Ein genauer Zeitpunkt und Ort stehe aber noch nicht fest. Das kündigte Ilkin Özışık am Montag im Namen der Familie an.

Stiftung sammelt und organisiert für die Familie

Über die Giuseppe Marcone Stiftung für Toleranz ist Geld für die Beerdigung organisiert worden. Außerdem werden über die Stiftung Betten und Unterkünfte für die Verwandten organisiert, die aus anderen Teilen Deutschlands und aus Bosnien nach Berlin gereist seien.

Der Nebenklage-Anwalt von Mohameds Familie, Khubaib Ali Mohammed, sagte, die Kinderleiche sei am Montag freigegeben worden und werde am Dienstag von einem Bestattungsinstitut bei der Gerichtsmedizin abgeholt.

Mohamed war „eifrig und unheimlich wissbegierig“

Mohamed hatte mit seiner Schwester an einem Mal- und Kunstprojekt der Giuseppe Marcone Stiftung für Einwandererkinder teilgenommen. Marcone beschrieb ihn als „eifrigen und unheimlich wissbegierigen und offenen Jungen“. Sie fügte hinzu: „Die ganze Familie war sehr daran interessiert, die Kinder frühestmöglich zu integrieren.“ Nun bräuchten die Mutter und die Schwester eine Traumata-Betreuung. Die Stiftung ist nach einem jungen Mann benannt, der 2011 von Schlägern verfolgt und von einem Auto überfahren wurde und starb.

Mohamed war am 1. Oktober vom Gelände des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lageso) in Moabit entführt worden. Sein mutmaßlicher Mörder Silvio S. aus dem Landkreis Teltow-Fläming gestand, dass er den Jungen sexuell missbraucht und einen Tag später in seinem Wohnhaus im brandenburgischen Kaltenborn erdrosselt habe. Auch der siebenjährige Elias aus Potsdam fiel Silvio S. zum Opfer. Für Elias findet am Dienstag in Potsdam eine Gedenkveranstaltung statt.

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Von MAZonline

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