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Mord an Mohamed – ein Dorf ist fassungslos

Täter lebte noch bei der Mutter Mord an Mohamed – ein Dorf ist fassungslos

Entsetzen in Kaltenborn, ein 80-Seelen-Dorf in Teltow-Fläming. Dort ist am Donnerstag der entführte Mohamed (4) aus Berlin gefunden worden. Tot, versteckt in einem Auto. Der mutmaßliche Mörder ist Silvio S., ein Dorfbewohner. Noch am Wochenende hat er beim Herbstfeuer gesessen, da wurde das kleine Kind schon seit Wochen vermisst.

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Der Verdächtige hat in Kaltenborn im Haus seiner Eltern gelebt, dort ist er festgenommen worden.

Quelle: Julian Stähle

Jüterbog. Entsetzen in Kaltenborn. Im 80-Seelen-Dorf in der Gemeinde Niedergörsdorf (Teltow-Fläming) drängen sich Kamerateams und Reporter. Selbst Drohnen fliegen. Inzwischen ist Gewissheit, was sich im Dorf schnell herumgesprochen hat: Der Täter kommt von hier, der 32-jährige Silvio S. hat den seit Wochen vermissten Mohamed offenbar umgebracht. Er hat gestanden.

In der oberen Etage des unscheinbaren Wohnhauses sind die Beamten auf Spurensuche. Draußen auf der Straße schildern die Dorfbewohner den mutmaßlichen Täter als zurückhaltend. „Er ist als Wachmann bei einer Potsdamer Wachschutzfirma tätig. Er arbeitet meist nachts und schläft am Tag“, sagt Jens Lehmann aus Kaltenborn. Er hatte in den vergangenen Wochen öfter Fotos in der Zeitung gesehen und überlegt, dass der Mann, nach dem gefahndet wird, Ähnlichkeit mit seinem Nachbarn hat. Da die Aufnahmen allerdings in Berlin entstanden waren, sah er keinen Zusammenhang. Erst als die Polizei anrückte, dämmerte es ihm. „Der stand vor der Tür, als hätte er auf die Polizei gewartet“, fügt Lehmann hinzu.

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Der 4 Jahre alte Flüchtlingsjunge Mohamed ist tot, sein mutmaßlicher Mörder gefasst. Es war der Brandenburger Silvio S. aus Kaltenborn (Teltow-Fläming). Derzeit wird der Fundort der Leiche von Ermittlern untersucht und bewacht. Sie stellen auch im Haus Beweise sicher.

Quelle: julian stähle

Silvio S. hat mit seinen Eltern zusammen im Haus gewohnt, das diese zu DDR-Zeiten gekauft hatten. Der Kontakt der Familie zu den Dorfbewohnern hielt sich in Grenzen. Am vergangenen Sonnabend beim Herbstfeuer in Kaltenborn war Silvio S. allerdings dabei. „Ich habe mit ihm gesprochen und noch gefragt, ob er nicht arbeiten muss und warum er seinen Vater nicht mitgebracht hat“, berichtet Otto Schulze. Genau wie alle anderen Kaltenborner ist er entsetzt über die Tat und kann es kaum glauben, dass es wirklich einer aus dem Dorf gewesen sein soll.

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Mohamed (4) war ein unschuldiges Flüchtlingskind. Am 1. Oktober wurde er vor der zentralen Registrierungsstelle für Flüchtlinge in Berlin entführt. Nun ist er in dem beschaulichen 80-Seelen-Ort Kaltenborn (Teltow-Fläming) gefunden worden – tot in dem Auto seines mutmaßlichen Mörders Silvio S.

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Die Ermittler hatten die Kinderleiche im Wagen des Verdächtigen gefunden. Offenbar lag der Tod schon etwas länger zurück. Der Körper des Jungen sei in Katzenstreu eingebettet gewesen, so die Polizei. Die Obduktion laufe noch.

Die Mutter von Silvio S. hat ihren Sohn erkannt

Mohamed war vor vier Wochen mit seiner Mutter und Geschwistern beim Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso), der Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge, gewesen, als er verschwand. Die Familie stammt aus Bosnien-Herzegowina und lebt schon seit einem Jahr in Deutschland. Bilder der Überwachungskamera eines Geschäfts in der Nähe der Sammelstelle – eines davon war in der MAZ veröffentlicht – brachten der Polizei die entscheidende Spur. Hinweise der Mutter des Verdächtigen führten zum Täter. Zum Motiv gab es noch keine Angaben. Die Polizei geht von einem Einzeltäter aus. Am heutigen Freitag soll Haftbefehl erlassen werden.

Mohamed hatte sein Leben noch vor sich

Mohamed hatte sein Leben noch vor sich.

Quelle: Polizei Berlin

Über Wochen bewegte das Schicksal des Jungen mit den großen braunen Augen die Berliner und Brandenburger – besonders weil er im Chaos der hoffnungslos überfüllten Registrierungsstelle für Flüchtlinge verschwand. Der Täter schlug vor der Behörde in Moabit zu, an der täglich Hunderte Menschen warten. Im Gedränge verliert man sich schnell. „Ich hatte meine Kinder die ganze Zeit im Auge“, sagte die Mutter. Als sie eine Wartenummer gezogen habe, sei der Kleine weggewesen.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) hat sich bestürzt gezeigt. „Das lange Warten auf ein Wunder war leider vergebens“, sagte er. Sozialsenator Mario Czaja (CDU) sagte: „Niemand kann nachvollziehen, was es bedeutet, sein Kind auf eine solch unvorstellbar grausame Weise zu verlieren. Die Eltern müssen jetzt mit einem Verlust leben, der kaum mehr ein eigenes Leben möglich macht.“

Der Fall Mohamed – eine Chronologie

4. Oktober:
Mohamed wird seit drei Tagen vermisst. Nach seinem Verschwinden hatte die Polizei mit 30 Beamten den Fritz-Schloß-Park in Berlin-Moabit durchkämmt.

7. Oktober:
Sechs Tage nach seinem Verschwinden hat die Berliner Polizei mit Spürhunden nach dem vierjährigen Flüchtlingsjungen gesucht. Rund 20 Beamte und drei Hunde durchkämmten am Mittwochabend das Gelände des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lageso) in Moabit.

8. Oktober:
Die Polizei veröffentlicht erstmals ein Foto eines Tatverdächtigen. Die Mordkommission leitet inzwischen die Ermittlungen.

9. Oktober:
Inzwischen sind bei der Polizei rund 30 Hinweise eingegangen.

14. Oktober:
Mohamed wird seit zwei Wochen vermisst. Eine Spur hat die Polizei weiterhin nicht. Aber ein neues Video, das den Tatverdächtigen und Mohamed zeigt, wird veröffentlicht.

18. Oktober:
20 Polizisten durchsuchen das Westhafen-Gelände nach dem Jungen.

27. Oktober:
Die Polizei setzt eine Belohnung für Hinweise in dem Entführungsfall aus. Bei Hinweisen gibt es 10.000 Euro. Außerdem wird ein neues Video mit dem mutmaßlichen Entführer veröffentlicht.

29. Oktober:
Die Leiche von Mohamed wird in einem Kofferraum gefunden. Der mutmaßliche Entführer, ein 32-Jähriger aus dem Landkreis Teltow-Fläming, gesteht, Mohamed entführt und getötet zu haben.

 

Von Margit Hahn

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