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Mord nach 23 Jahren aufgeklärt, Täter tot

Kinder töteten Andrea Lohagen 1993 Mord nach 23 Jahren aufgeklärt, Täter tot

23 Jahre nach dem Verschwinden von Andrea Lohagen ist das Verbrechen aufgeklärt – zwei Teenager wurden als Täter ermittelt. Es gibt Gerüchte, in welches Milieu beide verwickelt waren. Gesühnt werden kann das Verbrechen nicht – beide sind tot. Einer nahm sich nach einer Anhörung das Leben. Ein Stehlen aus der Verantwortung oder die Belastung über zwei Jahrzehnte?

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Ermittler suchen nach den Leichenteilen von Andrea Lohagen, nachdem ihr Schädel in Belzig gefunden wurde.

Quelle: MAZ

Bad Belzig/Potsdam. Nach 23 Jahren ist einer der spektakulärsten Brandenburger Kriminalfälle gelöst: Zwei zur Tatzeit 13- und 14-jährige Jungen sollen die 16 Jahre alte Andrea Lohagen 1993 im heutigen Bad Belzig umgebracht haben. Das teilten Staatsanwaltschaft und Polizeipräsidium gestern in Potsdam mit. Die Behörden seien sich sicher, das Verbrechen weitestgehend aufgeklärt zu haben. Gesühnt werden kann es nicht mehr: Die beiden mutmaßlichen Täter sind bereits tot.

Andrea Lohagen ist 1993 in Belzig von zwei Teenagern getötet worden

Andrea Lohagen ist 1993 in Belzig von zwei Teenagern getötet worden.

Quelle: Polizei

Die Gesamtschülerin Andrea Lohagen war am 7. Oktober 1993 auf dem Nachhauseweg von dem Jugendtreff „Pogo“ verschwunden, wo sie zu den Stammgästen zählte. Eine groß angelegte Suche blieb erfolglos. Auch Fahndungsaufrufe im Fernsehen brachten keine heiße Spur. Sieben Jahre später fand man per Zufall die skelettierte Leiche des Mädchens – hundert Meter Luftline von dem Treff entfernt im Schuppen eines Gartengrundstücks. Bereits 1993 und nochmals nach dem Auffinden der Leiche im Jahr 2000 seien die beiden Kinder unter Verdacht geraten, teilen die Ermittler mit. Sie galten als letzte Personen, die Andrea vor ihrem Verschwinden gesehen hatten. „Zudem hatten sie unmittelbare Bezüge zum späteren Leichenfundort“, so die Polizei. Mangels ausreichenden Tatverdachts hätten die Ermittlungen aber eingestellt werden müssen. 2012 rollte die Mordkommission des Landeskriminalamtes den Fall neu auf.

Der schmale Gang vom Jugendtreff nach Hause, den Andrea vermutlich gegangen ist

Der schmale Gang vom Jugendtreff nach Hause, den Andrea vermutlich gegangen ist.

Quelle: Julian Stähle

Weitere Anhaltspunkte auf die Verdächtigen ergaben sich aber erst 2016: Im Mai starb der zur Tatzeit 14-Jährige. Nach seinem Tod offenbarten Zeugen der Polizei, dass er ihnen die Tötung Andreas gestanden habe. Seinen besten Freund habe er als Mittäter belastet.

Dieser wurde im Oktober als Zeuge gehört, da er zur Tatzeit wegen seiner 13 Jahre strafunmündig war. Zu den Vorwürfen wollte er sich erst nach Rücksprache mit seiner Familie einlassen. Mehrere Stunden nach der Vernehmung verließ der Mann seine Wohnung in Österreich, hinterließ seiner Frau einen Abschiedsbrief und beging Selbstmord. Die Ermittler haben keinen Zweifel, dass das Freundes-Duo für die Tat verantwortlich ist. Dennoch bleiben Fragen. Zum Motiv sei ihm nichts bekannt, so Präsidiumssprecher Torsten Herbst. Auch dazu, wie Andrea getötet wurde und ob sich das Opfer und die mutmaßlichen Täter kannten, könne er keine Angaben machen.

Die Leiche der Schülerin wurde sieben Jahre nach der Tötung hinter diesem Schuppen entdeckt

Die Leiche der Schülerin wurde sieben Jahre nach der Tötung hinter diesem Schuppen entdeckt.

Quelle: Julian Stähle

Gerüchten zufolge sollen die beiden Teenager Kontakte zum Drogenmilieu gehabt haben. Peter Lehmann, damals wie heute Leiter des Jugendtreffs „Pogo“, kann sich nur dunkel an die Jungs erinnern. „Es ist schade, dass die Ermittlungen nicht früher vorangekommen sind“, sagt Lehmann. „Nun können die beiden nicht mehr zur Verantwortung gezogen werden.“

„Wir hatten damals bei der Suche einen Fehler gemacht“, räumt der damalige Leiter des Schutzbereichs Brandenburg/Havel, Norbert Langerwisch, ein. Die Leiche hätte früher gefunden werden müssen. Dass sich einer der beiden das Leben genommen habe, zeige, „dass die Jungs offenbar nicht damit fertig geworden sind, was sie getan haben“.

Von Marion Kaufmann und Heiko Hesse

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