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Brandenburg Mordversuch oder Verzweiflungstat?
Brandenburg Mordversuch oder Verzweiflungstat?
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14:30 16.02.2016
Der Angeklagte vor dem Gerichtssaal. Quelle: Julian Stähle
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Potsdam

„Eine fragile Seele“, nennt der psychiatrische Gutachter den Angeklagten. Dominic B. sei ein intelligenter junger Mann, aber schwer psychotisch. Mehrere Ärzte haben dem Potsdamer Studenten die Diagnose gestellt: paranoide Schizophrenie. Doch der 25-Jährige habe „keinerlei Einsicht in seine psychischen Probleme“. In seinem Zustand wären „weitere erhebliche Delikte vorprogrammiert“.

B. sitzt im Maßregelvollzug beim „Rosa Riesen“

Das Gutachten des Psychiaters Alexander Böhle wird mitentscheidend sein für den Ausgang des Prozesses vor dem Potsdamer Landgericht: Dominic B. wird versuchter Mord vorgeworfen. Am 16. April 2015 soll der Designstudent einen jungen Polizisten mit einem Messer schwer verletzt haben, als dieser ihn gemeinsam mit Kollegen aus seiner Wohnung am Schillerplatz in der Brandenburger Vorstadt holen wollte. Eigentlich sollten am Montag bereits die Plädoyers gehalten werden, wegen Krankheit eines Staatsanwalts wurden sie auf Donnerstag verschoben. Dann soll auch das Urteil fallen. Die Staatsanwaltschaft ging in ihrer Anklage davon aus, dass B. zum Tatzeitpunkt wegen seiner Erkrankung schuldunfähig war und beantragte die weitere Unterbringung in der forensischen Psychiatrie. Derzeit sitzt B. im Maßregelvollzug in Brandenburg/Havel, wo psychisch kranke Straftäter untergebracht sind – unter anderem so bekannte wie die Frauenmörder und Vergewaltiger „Rosa Riese“ und Frank Schmökel. Ein Umstand, der Dominic B. schwer zusetze, wie es im Prozess hieß. Der Sohn einer prominenten Sportlerin ist laut Gutachter „in einem bürgerlichen Elternhaus aufgewachsen, das auf Leistung gepolt ist“, er sei „ein gebildeter junger Mann“. Bis zum Eintreten der „schleichenden Psychose“ im Alter von 16, 17 Jahren sei er ein guter Schüler gewesen.

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Die Polizisten waren deeskalierend, trotzdem stach er zu

Als die Polizisten seine Wohnung betraten, wusste er offenbar, was das bedeutet: Womöglich die Rückkehr in die Psychiatrie, in der er drei Monate untergebracht war. Etwas, das B. offenbar unbedingt verhindern wollte – schließlich ist er bis heute fest davon überzeugt, dass nicht er, sondern die anderen ein Problem haben. Die Polizisten, die B. mitnehmen wollten, hätten sich „recht vorsichtig“ und deeskalierend verhalten, schätzt der Gutachter, ein. „Aber so nett sie waren, sie wollten ihn dem Amtsarzt vorstellen“, erläuterte Böhle. „Da ist es zur Explosion gekommen.“ In einer „Verzweiflungstat“ habe B. zum Messer gegriffen. An dessen Schuldunfähigkeit hat der Psychiater keine Zweifel: „Es ist gar keine Frage, dass er nichts für das konnte, was er tat.“

Gefährlicher Dienst

Polizisten werden immer häufiger selbst Opfer von Attacken.

1995 starb der Potsdamer Polizist Martin Heinze im Dienst. Er wurde im Kirchsteigfeld von einem Einbrecher mit einem Messerstich mitten ins Herz getötet. Der damals 46-jährige Polizeihauptmeister war der erste Brandenburger Polizist, der im Dienst ermordet worden ist.

2007 war ein Potsdamer wegen fahrlässiger Körperverletzung und vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs verurteilt worden: Er hatte den Polizisten Reinhold Hüpkes im August 2006 bei einer Verkehrskontrolle an der Schiffbauergasse umgefahren und lebensgefährlich verletzt. Der Fahrer hatte 1,58 Promille im Blut. Hüpkes konnte erst drei Jahre nach dem Vorfall wieder in den Vollzugsdienst zurückkehren.

Auch im Vorjahr gab es mehrere Angriffe auf Potsdamer Polizisten. Im November ging ein Mann auf einen Beamten los und verletzte ihn im Gesicht und an einer Hand. Der Polizist war zum Otto-Hahn-Ring gerufen worden, weil der Mann in der Wohnung randalierte.

Im September 2015 hatte ein Betrunkener in Drewitz zwei Polizisten mit einem Küchenbeil und einem Messer bedroht. Verletzt wurde niemand.

1121 Polizeibeamte wurden im Land Brandenburg 2013 im Dienst Opfer von Übergriffen. Laut Innenministerium waren das 56 mehr als im Jahr zuvor.

Von Marion Kaufmann

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