Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg Mozarts Entführung aus dem Serail in Cottbus
Brandenburg Mozarts Entführung aus dem Serail in Cottbus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:15 31.01.2016
Entführung in Cottbus: Sebastian Wirnitzer (Bassa Selim, v.l. ), Ingo Witzke (Osmin), Laila Salome Fischer (Konstanze) und Alexander Geller (Belmonte) Quelle: Marlies Kross
Anzeige
Cottbus

Die Frage stellt sich für jeden Regisseur: Wie bringt man eine über 200 Jahre alte Geschichte mit neuem Zugriff auf die Bühne. Bei der jüngsten Cottbuser Mozart-Inszenierung gerät die Flucht-Leiter zum Dreh- und Angelpunkt. Normalerweise wird sie so angelegt, dass die Akteure bei der titelgebenden „Entführung aus dem Serail“ hinauf sollen, um eine Mauer zu überwinden. Bei Martin Schüler kommen die Flüchtigen über die Leiter von oben, aus einem ungewissen Oberlicht, und sie sind so wieder in jenem Saal, in dem die gesamte bisherige Handlung spielte. Übrigens ein durchaus schöner Raum, den die Ausstatterin Gundula Martin da entworfen hat, mit nur leichten Anklängen an jene orientalische Welt, in der wir uns hier eigentlich befinden. Wie auch ihre Kostüme die Schwebe halten zwischen Tradition und Moderne.

Zur Galerie
Entführung aus dem Seail: Sebastian Wirnitzer (Bassa Selim; v.l..), Ingo Witzke (Osmin), Laila Salome Fischer (Konstanze) und Alexander Geller (Belmonte)

Ob nun auf der Leiter rauf oder runter, der Spielfreude des durchweg jungen Ensembles tut das keinen Abbruch. Spritzig und mit Hingabe, sicher geführt von Martin Schüler, bewegen sie sich in der von Mozart und seinem Librettisten ersonnen Welt. Sie sind Gestrandete, irgendwo am Rande des Mittelmeeres, das Türkische war damals groß in Mode. Heute hat man bei „Mittelmeer“ andere Assoziationen. Die nur nebenher verhandelte Vorgeschichte unter dem Stichwort „von Seeräubern entführt“ wird im Programmheft zur aktuellen Kreuzfahrt, die Reisenden sind von Piraten gekapert. Das Singspiel eröffne „thematisch einen Perspektivwechsel auf eine aktuelle Problematik, Europäer sind in der Fremde gezwungen, sich auf eine andere Kultur einzulassen, und dabei entdecken sie selbst an sich unvermutete Seiten“. Dramaturgendeutsch, damit keine dummen Frage aufkommen.

Laila Salome Fischer läuft zu Hochform auf

Auf das Bühnengeschehen hat das kaum Einfluss. Belmonte (Alexander Geller), ein junger Tenor aus besserem Hause, gelangt wie bei Mozart auf der Suche nach seiner geliebten Konstanze auf das Anwesen eines reichen Türken, des Bassa Selim. Und die Vermisste ist tatsächlich hier, samt Zofe Blonde und Diener Pedrillo. Na klar, der Bassa ist hinter der Schönen her, und als er sich ihr dann tatsächlich nicht eben schicklich nähert, läuft Laila Salome Fischer in ihrer Martern-Arie zur Hochform auf. An ihrer Seite rechtzeitig die Blonde-Soubrette Katerina Fridland und der Pedrillo-Buffo Hardy Brachmann. Alles wie gehabt. Aus dem Rahmen fällt Osmin, in der Mozartliteratur immer als der „dicke Aufseher“ beschrieben. In Cottbus präsentiert sich mit Ingo Witzke ein stattlicher Zwei-Meter-Mann, eine Art arabischer Rocker, der stimmlich durchaus die Tiefen dieses Peitschenschwingers auszuloten vermag.

Evan Christ lässt sein Orchester funkeln

Auch wenn die Flucht fehlschlägt, am Ende gibt Bassa Selim, den Sebastian Wirnitzer als einen von Fleischeslust geplagten Mann im besten Alter zeigt, letztlich doch den Großmütigen, der allen die Freiheit schenkt. Wofür sich Konstanze mit einem Kuss bedankt, der um einiges länger dauert, als es die Schicklichkeit an dieser Stelle erfordert hätte. Und wenn zwischendurch der Freude Tränen fließen, da glitzert nicht nur der Tenor, sondern es funkelt auch das von Evan Christ geleitete Orchester, das sich der Mozart-Partitur ansonsten irritierend schwerblütig genähert hat.

Theater Cottbus, Schillerplatz, Kartentel. 0331/72840284. Wieder am 10., 20. u. 24. Februar.

Von Frank Starke

Politik Empörung über AfD-Forderungen - AfD: Sie würde auch auf Kinder schießen lassen

Bundesweite Empörung hat die AfD-Bundesvorsitzende Frauke Petry ausgelöst, als sie im Interview sagte, dass man im Notfall auch auf Flüchtlinge an den Grenzen schießen müsse. Nun setzt die Berliner AfD-Chefin noch eins drauf und verteidigt sogar Waffengewalt gegen flüchtende Frauen und Kinder, sollten sie die Grenze unerlaubt übertreten.

31.01.2016
Brandenburg Hooligans rasten nach Benefiz-Schlappe aus - Randale bei Union: Verein vs. Polizei

Friedliches Testspiel bei Union Berlin? Mitnichten! Statt das Sportereignis gegen Austria Salzburg zu genießen, rasteten die Anhänger des 1. FC Union aus und gerieten mit der Polizei aneinander. Zuvor hatte ihr Verein eine 5:0-Schlappe hinnehmen müssen. Insgesamt wurden 80 Menschen verletzt. Der Verein selbst widerspricht jedoch der Polizeidarstellung.

31.01.2016

Unsicherheit herrscht unter den Märkern. Wie geht es weiter mit den Altanschließerbeiträgen? Die wichtigsten Fragen haben Experten im MAZ-Leserforum beantwortet. Doch es gab noch viele weitere wichtige Themen diese Woche, etwa das Mercure-Hotel, die lückenlosen Zeugnisse, den Abendspaziergang der Pegida oder Messerattacken. Ein Rückblick.

31.01.2016
Anzeige