Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg Multikultureller Shakespeare im Treffpunkt Freizeit
Brandenburg Multikultureller Shakespeare im Treffpunkt Freizeit
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:40 08.03.2018
Integrationstheater „Sanssouci avec Shakespeare“ bringt „Der Kaufmann von Venedig“ auf die Bühne. Quelle: Uni Potsdam
Anzeige
Potsdam

Nach dem „Sturm“ nun „Der Kaufmann von Venedig“. Das Potsdamer Integrationstheater „Sanssouci avec Shakespeare“ startet an diesem Mittwochabend mit William Shakespeares Komödie durch. Neben Studierenden der Universität Potsdam spielen am 8., 9. und 11. März am Potsdamer Treffpunkt Freizeit junge Migranten aus insgesamt 14 Ländern das Drama. Die Darsteller kommen aus Syrien, dem Iran, dem Libanon und anderen Ländern. Geflüchtete stehen ebenso auf der Bühne wie ausländische Studierende der Universität. Sie alle sprechen ihre Rolle in ihrer jeweiligen Landessprache. Den Zuschauern hilft eine kleine Zusammenfassung des Dramas, das sie auf ihren Plätzen finden werden.

Der Kaufmann als Sinnbild aller Ausgegrenzten

In der Tragikomödie leiht der jüdische Kaufmann Shylock dem reichen Geschäftsmann Antonio Geld unter der Bedingung, dass er ihm ein Stück Fleisch aus der Brust schneiden darf, wenn er nicht rechtzeitig zurückzahlt. Das Stück wurde wegen des Stereotyps des geldgierigen Juden im Nachkriegsdeutschland immer wieder als problematisch angesehen. Regisseur Kaspar von Erffa bringt nun eine ganz andere Deutung des Geldverleihers Shylock ins Spiel: „Shylock reagiert als Sinnbild jedes Ausgegrenzten nur auf die ihn systematisch ausgrenzende Mehrheitsgesellschaft“, sagt von Erffa. Das aus 14 Ländern und drei Glaubensrichtungen bestehende Schauspielensemble wolle beweisen, dass das „Wir“ stärker ist als jedes „Wir gegen die Anderen“, so der Lehrbeauftragte an der Uni Potsdam. Erfaa diesjährige Inszenierung setzt betont auf Stilisierung, was sich etwa in schwarzweißer Kostümierung niederschlägt.

Projektleiterin an der Universität Potsdam war auch schon im vergangenen Jahr die Privatdozentin Ljuba Kirjuchina. Kirjuchina koordiniert an der Universität die AG Studiumplus. Dort ist das Theaterprojekt Teil des Ausbildungsmoduls interkulturelle Kompetenz. „Integration richtet sich sowohl an die Aufnahmegesellschaft wie an die neu Hinzugekommenen“, sagt sie. Die Aufnahmegesellschaft sollte ihre eigene Kultur kennen, die neuen Mitbürger sollten sie kennenlernen. Shakespeare sei dazu hervorragend geeignet: „Shakespeare gehört zum Kanon der westlichen Literatur.“ Erffas Inszenierung des „Kaufmanns von Venedig“ mache deutlich, wie lächerlich Ausgrenzung sei. Dazu lasse Erffa den Darsteller des Shylock gleich in drei verschiedenen Sprachen reden: „Dadurch wird gezeigt: Es kann jeden treffen.“

Ein Syrer singt auf Hebräisch – aus Solidarität

Für Kirjuchina ist „Sanssouci avec Shakespeare“ weit mehr als nur ein Theaterensemble. Es gehe um kulturelle Bildung aller 30 Beteiligten. So hat Kirjuchina in einem eignen Workshop anhand eines Koranverses mit den Mitspielern die Stellung Israels diskutiert. Obwohl Mohammed sagt „Israel gehört den Israeliten“ übten einige Mitspieler aus dem arabischen Raum Kritik an dem Staat. „Auf der anderen Seite gab es auch Offenheit, die andere Seite zu verstehen“, so Kirjuchina. Das mündete zum Beispiel darin, dass nun ein Syrer ein Lied in dem Stück auf Hebräisch singt. Kirjuchinas Fazit: „Sowohl die Studierenden als auch die Geflüchteten können lernen, in der gemeinsamen künstlerischen Arbeit die kulturellen Unterschiede zu erkennen und zu akzeptieren. So erfahren sie, dass das Fremde zur Bildung der eigenen Identität dazugehört.“

Obwohl bei dem Gemeinschaftsprojekt der Universitätsgesellschaft Potsdam und des Zentrums für Sprachen und Schlüsselkompetenzen die interkulturelle Kompetenz eine große Rolle spiele, sei die künstlerische Qualität wichtig. „Die Darsteller sind Laien, aber die Leiter sind alles Profis“, sagt Kirjuchina. Regisseur Erffa führe die Spieler an ihre Grenzen – und die wiederum bringen ihre musikalischen Fähigkeiten mit auf die Bühne. So wird man zum Beispiel auch traditionelle iranische Instrumente hören. Schon die aufwendige Inszenierung von Shakespeares „Sturm“ hatte im vergangenen Jahr imponiert. Auch der „Der Kaufmann von Venedig“ dürfte mit geschätzten drei Stunden Spielzeit wieder ein Spektakel werden.

Gefördert wird das Projekt vom Wissenschaftsministeriums, der Stadt Potsdam und dem Rotary Club. Nicht nur künstlerisch ist das gut angelegtes Geld. Auch den Migranten hilft es. Ein Iraner, der vergangenes Jahr beim „Sturm“ mitspielen durfte, überwand seine Einsamkeit und seine depressive Phase im Wohnheim. Ebenfalls geflüchtete Mitbewohner fragen ihn nach dem Grund seines Stimmungswandels. Seine Antwort: „Auf der Bühne kann ich der König sein.“

Info: William Shakespeare „Der Kaufmann von Venedig“, mehrsprachig am 8. und 9. März um 19.30 Uhr und am 11. März um 18 Uhr im Treffpunkt Freizeit, Am Neuen Garten 64, Eintritt frei, Spende erbeten

Von Rüdiger Braun

Brandenburgs Sozialministerin Diana Golze leidet noch immer an den Folgen des Unfalls im vergangenen Sommer. Sie war während ihres Italien-Urlaubs bei einem heftigen Unwetter von einem umstürzenden Baum getroffen und schwer verletzt worden. Nun muss sie erneut operiert werden.

08.03.2018

Immer mehr Leute zieht es an den Stadtrand von Berlin. Beliebte Wohngegenden sind dabei unter anderem Potsdam, Falkensee oder auch Königswusterhausen. Dadurch steigt jedoch auch der Bedarf an einer besseren Infrastruktur.

08.03.2018
Potsdam Aufwandsentschädigung für Potsdamer Feuerwehr - Feuerwehrstreit: Wie viel Verantwortung trägt das Land?

Im Streit um die millionenschwere Entschädigung von Potsdamer Feuerwehrleuten für geleistete Überstunden stellt die CDU die Frage nach einer Mitverantwortung des Landes.

11.03.2018
Anzeige