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Mutmaßlicher Maskenmann voll schuldfähig

Gutachten: Mario K. hat Persönlichkeitsstörung Mutmaßlicher Maskenmann voll schuldfähig

Dem sogenannten Maskenmann werden zwei Überfälle auf eine Millionärsfamilie in Bad Saarow und die Entführung eines Unternehmers in Storkow vorgeworfen. Ob er es aber wirklich war, steht noch nicht fest. Jetzt legt der psychiatrische Sachverständige ein Gutachten vor und bescheinigt: Mario K. ist voll schuldfähig.

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Der Angeklagte Mario K. (r) verdeckt mit einem Hefter zu Beginn des Verhandlungstages am Landgericht in Frankfurt (Oder) (Brandenburg) sein Gesicht.

Quelle: Patrick Pleul

Frankfurt (Oder). Mario K. ist voll schuldfähig. Sollte der Angeklagte im sogenannten Maskenmann-Prozess die ihm vorgeworfenen Taten begangen haben – zwei Überfälle auf eine Millionärsfamilie in Bad Saarow und die Entführung eines Unternehmers in Storkow – droht ihm eine hohe Strafe. Doch ob er es war, steht auch am 39. Verhandlungstag vor dem Frankfurter Landgericht nicht fest. Denn der Täter war stets maskiert, ein tatsächliches Wiedererkennen fällt seinen früheren Opfern schwer. Andere tatsächliche Beweise gibt es nicht. Und so muss der psychiatrische Sachverständige Eberhard Hering sein Gutachten stets mit dieser Einschränkung versehen. „Ja, der Angeklagte kommt als Täter in Betracht“, sagt der Psychiater.

Er bescheinigt K. lediglich eine dissoziale Persönlichkeitsstörung, also eine Unfähigkeit, sich in die bestehende Gesellschaft einzuordnen. Diese Störung sei „tiefgreifend“, da bereits in jungen Jahren entwickelt: Der Betreffende charakterisiere sich durch Schonungs- und Emotionslosigkeit gegenüber den Gefühlen anderer, durch eine Neigung, die Schuld stets bei anderen zu suchen. Hinzu kämen bei dem Angeklagten „narzisstische Persönlichkeitszüge“ – allerdings keine seelische Erkrankung, die zur Einschränkung der Schuldfähigkeit führe.

Schuldnachweis schwierig

  • Mario K. ist zwar schuldfähig, doch ist es offenbar schwer, ihm die Schuld zweifelsfrei nachzuweisen.
  • Mitglieder der ermittelnden Sonderkommission „Imker“ werfen der Polizeiführung vor, einseitig gegen K. ermittelt zu haben.
  • Aussagen des Entführungsopfers und die kritische Einschätzung einer Kriminologin wurden ignoriert.

Mario K. schwieg auch gegenüber dem Gutachter

Zugegeben, der Gutachter hatte es schwer. Denn Mario K. zog sein Schweigen auch ihm gegenüber durch, wie er es schon bei den polizeilichen Vernehmungen und ebenfalls in dem seit Anfang Mai laufenden Gerichtsverfahren getan hat. Derart konsequent verweigerte der 47-jährige Angeklagte selbst das Gespräch mit dem Sachverständigen. Der konnte sich lediglich aus früheren Einlassungen des Angeklagten, dessen Biografie, Beobachtungen im laufenden Prozess und dem Vorstrafenregister seines Probanden ein Bild machen. Denn Mario K. hat bereits eine tatsächliche kriminelle Karriere hinter sich, angefangen von der Förderung der Prostitution und unerlaubtem Waffenbesitz über Versicherungsbetrug, Einbruch, Diebstahl, vorsätzliche Brandstiftung bis hin zu gefährlicher Körperverletzung.

Aufgewachsen in Berlin wurde K. gemeinsam mit einer Halbschwester in einer emotional kühlen Familie groß, in der „Zucht und Ordnung“ herrschte, wie der Angeklagte selbst es laut Gutachter einst beschrieb. In der Schule verlor der Junge schnell die Lust am Lernen, er galt als Einzelgänger ohne engere Freundschaften und war bei den Lehrern als Querulant berüchtigt, stets den eigenen Vorteil im Blick. Seine Wunsch-Ausbildung Kfz-Schlosser bekam er nicht, wurde statt dessen Dachdecker, beklagte sich, dass er in den Firmen stets „belehrt, verarscht und in die Ecke gedrängt“ wurde. „K. war nicht bereit, sich ein- oder unterzuordnen, spätestens in Wendezeiten geriet er so in kriminelle Machenschaften“, sagt Hering.

"Hohes Rückfallrisiko“ durch ständiges Streben nach Anerkennung

Durch Strafen sei K. nicht zu beeindrucken, konstatiert der Gutachter und bescheinigt dem Angeklagten ein „hohes Rückfallrisiko“, bedingt durch ständiges Streben nach Anerkennung, offensichtlichen Sozialneid und mangelnde Bereitschaft zur Rücksichtnahme. Der Angeklagte konnte laut Gutachter im bisherigen Leben keine dauerhafte emotionale Bindung zu anderen herstellen, machte keine Kompromisse und stellte die eigenen Bedürfnisse stets in den Vordergrund. Was dem Psychiater besonders Sorgen bereitet, ist die „Rücksichtslosigkeit gegenüber anderen“, die schnelle Gewaltbereitschaft, seinen Forderungen anderen gegenüber Nachdruck zu verleihen.

Ähnlich sei auch der Maskenmann bei den drei Überfällen vorgegangen: brutal, zielgerichtet und entschlossen. Ob K. dieser Täter war, dies zu beurteilen sei nicht seine Aufgabe, so der Gutachter. Allerdings: „Ich konnte bei ihm keine Entwicklung erkennen, nach der er nicht wieder straffällig wird – Körperverletzungen und Tötungsdelikte eingeschlossen", sagt Hering. Der Prozess wird heute fortgesetzt.

Von Jeanette Bederke

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