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Mutter bestreitet Kindsmord vor 41 Jahren

Prozess in Neuruppin Mutter bestreitet Kindsmord vor 41 Jahren

Vor dem Landgericht Neuruppin muss sich eine 74-jährige Frau aus Göttingen verantworten. Erna F. soll vor 41 Jahren in Schwedt ihren achtjährigen Sohn getötet haben. Damals war der Fall als Unglück zu den Akten gelegt werden. 2009 hatte ein anonymer Tippgeber Erna F. bei der Staatsanwaltschaft des Mordes beschuldigt.

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Mordvorwurf: Erna F. soll ihren Sohn mit Gas vergiftet haben.

Quelle: Geisler

Neuruppin. War es Mord oder ein Unfall? Diese Frage beschäftigt seit Mittwoch die 1. Strafkammer des Landgerichts Neuruppin. Die 74-jährige Erna F. aus dem niedersächsischen Göttingen ist angeklagt ihren damals achtjährigen Sohn Mario in der Nacht vom 4. zum 5. November 1974 in Schwedt mit Gas vergiftet zu haben. Staatsanwältin Anette Bargenda sprach von einer vorsätzlichen und heimtückischen Tat. Erna F. sei mit der Erziehung des verhaltensauffälligen Jungen überfordert gewesen, zudem er habe ihrer weiteren Lebensplanung im Wege gestanden.

Erna F. , die die Tat bestreitet, ist trotz ihres Alters noch immer eine gut aussehende Frau. Das Haar ist hochgesteckt, sie trägt einen schwarz-weiß karierten Blazer, eine rosa Bluse und zur hellen Hose flache moderne Schuhe.

Zu DDR-Zeit wurde gegen Erna F. nie ermittelt, Marios Tod war als Unfall zu den Akten gelegt worden. Dass es überhaupt zum Verfahren gekommen ist, geht auf eine anonyme Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Hannover gegen die heutige Rentnerin zurück, die mit ihrer jüngsten Tochter Martina 1987 aus der DDR in den Westen ausgereist war. Der Tippgeber konnte nie ermittelt werden. Der Fall wurde an die Brandenburger Behörden abgegeben. Gemäß DDR-Recht wäre die Tat bereits verjährt. Seit der Wiedervereinigung gilt aber: Auch Morde von damals verjähren nicht. Allerdings müsste Erna F. im Falle ihrer Verurteilung nach dem milderen DDR-Recht bestraft werden: für Mord zwischen zehn Jahren und lebenslänglich.

Laut Staatsanwaltschaft hat Erna F. ihren schlafenden Sohn in die Küche getragen, am Gasherd abgelegt und den Hahn aufgedreht. Danach habe sie den Bewusstlosen zum Sterben in sein Bett gelegt. Erna F. hatte ausgesagt, Mario sei in ihrer Abwesenheit aufgestanden, habe am Herd gespielt und sei später im Bett erstickt, womöglich auch an einem Stück Kuchen, das er in der Küche gefunden habe.

Ein als Zeuge befragter Ermittler des Landeskriminalamtes (LKA) hält diese Darstellung für unglaubwürdig. Er stützt sich bei seiner Mordthese auch auf die Aussage des Notarztes, der am Morgen des 5. November von Erna F. alarmiert worden war. Der Notarzt habe bei dem Leichnam die für Kohlenmonoxidvergiftungen typische Rosafärbung der Haut festgestellt. Schließlich sei bei der Obduktion ein Vergiftungswert von 73 Prozent gemessen worden. „Diese tödliche Konzentration konnte sich der Junge nicht allein verabreicht haben“, so der Polizeibeamte. Wenn, wie Erna F. behaupte, dass Gas ausgeströmt sei, stelle sich die Frage, warum es niemand im Haus gerochen habe? Stadtgas sei in der DDR aus Sicherheitsgründen mit einem stark riechenden Zusatz angereichert worden.

Erna F. habe sogar Vorsorge für die Tat getroffen, indem sie Mario im Elternschlafzimmer einquartierte, was für die Kinder sonst tabu war. Die Mädchen Martina (4) und Carmen (12) blieben im Kinderzimmer, dort stand sogar – gegen alle Gewohnheiten – das Fenster einen Spalt offen, so der Kriminalist. Wohl damit die Mädchen kein Gas einatmen sollten. Der Notarzt – er wird am Donnerstag vor Gericht erwartet – habe sich gewundert, dass angesichts der verdächtigen Umstände keine Ermittlungen gegen Erna F. eingeleitet worden seien, erklärte der LKA-Beamte. Der damals zuständige DDR-Staatsanwalt, der Aufklärung liefern könnte, ist inzwischen verstorben.

Laut Aussage des Polizisten hatte Erna F., die zum Zeitpunkt von Marios Tod 33 Jahre alt war und in Schwedt als Sekretärin arbeitete, häufig wechselnde Männerbekanntschaften. Sie wurde zwei Mal geschieden. Als Zeugin ist auch die älteste Tochter Carmen geladen. Die heute 53-Jährige, die zu Erna F. keinen Kontakt hat, soll zu Protokoll gegeben haben, dass sie nicht mit Bestimmtheit ausschließen könne, ob ihre Mutter etwa mit Marios Tod zu tun habe.

Von Volkmar Krause

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