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NSU-Prozess: Seltsame Lücken im Gedächtnis

„Piatto“ und die Rohrbombe NSU-Prozess: Seltsame Lücken im Gedächtnis

Einfältig, nervös, unbeholfen: So beschreiben NSU-Prozessbeobachter den früheren V-Mann-Führer von „Piatto“, der sich öffentlich Reinhard Görlitz nennt. Der Verfassungsschützer hat ein lückenhaftes Gedächtnis. Kann er damit überhaupt etwas zur Aufklärung des NSU-Skandals beitragen? Eine Rechtsanwältin erhebt Vorwürfe gegen Görlitz.

„Piatto“ (l.) spielte dem Brandenburger Verfassungsschutz Informationen zu. Sein V-Mann-Führer hat heute jedoch seltsame Gedächtnislücken. Am Donnerstag erschien er zum NSU-Prozess.

Quelle: dpa

München/Potsdam.

Beobachter beschreiben sein Auftreten als einfältig, nervös und unbeholfen. Als Erkenntnis blieb vor allem, dass der Verfassungsschützer wegen seines vorgeblich lückenhaften Gedächtnisses nichts zur Aufklärung des NSU-Terrors beitragen kann. Nebenklagevertreterin Antonia von der Behrens nimmt ihm das nicht ab. „Görlitz täuscht seine Erinnerungslücken nur vor“, sagte die Rechtsanwältin am Donnerstag der MAZ. Das fügt sich ins Gesamtbild, das Görlitz’ Arbeitgeber im NSU-Prozess abgibt, der in Verdacht steht, Informationen gezielt zurückzuhalten.

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Es geht um die Frage, ob der märkische Verfassungsschutz den NSU-Terror hätte verhindern können. Schon 1998 – vor dem ersten der zur Last gelegten zehn Morde, zwei Sprengstoffanschläge und 15 Raubüberfälle – verfügte das Land Brandenburg über Hinweise auf die Bewaffnung und Radikalisierung des Trios. Stichwortgeber war „Piatto“ alias Carsten Szczepanski. Die NSU-Nebenklage geht davon aus, dass der führende Brandenburger Neonazi damals gezielt auf das untergetauchte Trio angesetzt gewesen sei. Belastendes Material wird in Akten des Landesverfassungsschutzes vermutet. Die Nebenklage rechnet fest mit Beweisen für eine „staatliche Mitverantwortung“ für die angeklagten Straftaten. Einen entsprechenden Antrag, die Akten aus Brandenburg anzufordern, lehnte das Gericht allerdings ab.

Antonia von der Behrens ist trotzdem zuversichtlich, dass die offenen Fragen geklärt werden. Zwar ist die Causa „Piatto“ im NSU-Prozess nach dem gestrigen Verhandlungstag beendet. „Wir haben alles versucht, weil wir die Akten für verfahrensrelevant halten“, sagte die Rechtsanwältin. „Jetzt muss sich der NSU-Untersuchungsausschuss in Brandenburg damit beschäftigen.“

Nach MAZ-Informationen soll der Ausschuss seine konstituierende Sitzung am 12. Juli abhalten.

Von Bastian Pauly

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