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NSU-Skandal: Geheimdienst wusste von Bombe

Informant sagt im Prozess aus NSU-Skandal: Geheimdienst wusste von Bombe

Laut V-Mannführer des geheimen Informanten „Piatto“ hatte der Brandenburger Verfassungsschutz Kenntnis darüber, dass ein Neonazi Rohrbomben getestet hat. Das sagte er am Donnerstag im NSU-Prozess in München als Zeuge aus. Außerdem berichtete er, dass eine weitere Gruppierung in den Fall verwickelt gewesen sein soll.

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V-Mann «Piatto» (links) spielte dem Brandenburger Verfassungsschutz Informationen zu.

Quelle: dpa

München. Der Brandenburger Verfassungsschutz besaß Informationen darüber, dass ein Neonazi „Rohrbomben testet und zur Explosion bringen wollte“. Das sagte der V-Mannführer des geheimen Informanten „Piatto“ am Donnerstag als Zeuge im Münchner NSU-Prozess. Diese Information habe er von „Piatto“ erhalten. „Piatto“ hatte auch berichtet, dass die Anführer der sächsischen „Blood & Honour“-Gruppierung in Chemnitz planten, das untergetauchte NSU-Trio mit Geld und Waffen auszustatten.

Ob es einen Zusammenhang zwischen der Rohrbombe und dem NSU-Trio gebe oder ob neben der Chemnitzer Gruppe weitere Neonazis versuchten, Waffen für die drei zu organisieren, wisse er nicht, sagte der Zeuge. Ebenso wenig habe er erfahren, welche Behörden in die von „Piatto“ gelieferten Informationen eingeweiht wurden. Nebenklage-Anwalt Thomas Bliwier bezweifelte die Aussage des V-Mannführers und äußerte die Vermutung, er sage nicht die Wahrheit.

Aufklärung über Geldspenden

Mehrere Nebenkläger verlangten am Donnerstag weitere Aufklärung über Geldspenden, die die im Untergrund lebenden mutmaßlichen NSU-Terroristen im Jahr 2002 an zahlreiche Empfänger verschickt haben sollen. In einem von der Rechtsanwältin Antonia von der Behrens verlesenen Schriftsatz fordern sie das Gericht auf, zwei bereits seit Prozessbeginn vorgesehene Zeugen nunmehr auch zu laden. Die beiden sollen zu den Empfängern dieses Spendenbriefes gehören.

Vor dem Oberlandesgericht München wird seit dem 14 Juni der Prozess um die Morde und Terroranschläge des "Nationalsozialistischen Untergrunds

Vor dem Oberlandesgericht München wird seit dem 14. Juni der Prozess um die Morde und Terroranschläge des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) fortgesetzt.

Quelle: dpa

Einer der beiden hatte das in einer Polizeivernehmung eingeräumt und ausgesagt, einen Umschlag mit dem Brief und einem 500-Euro-Schein erhalten zu haben. Der andere bestritt, von dem NSU-Brief zu wissen. In einer von ihm herausgegebenen Szene-Zeitschrift war allerdings ein Dank „an den NSU“ abgedruckt.

Wie lange ist der NSU schon unter diesem Namen bekannt?

Die Nebenkläger forderten das Gericht außerdem auf zu untersuchen, was die Geheimdienste über diesen Vorgang wissen und ob der „Nationalsozialistische Untergrund“ im Jahr 2002 schon unter diesem Namen bekannt war. Sie verweisen auf ein Protokoll des NSU-Untersuchungsausschusses des Bundestags. Darin heißt es, das Bundesamt für Verfassungsschutz habe den V-Mann „Corelli“ beauftragt, das betreffende Szenemagazin mit dem Dank an den NSU zu beschaffen.

„Corelli“ war 2014 im Alter von 38 Jahren an einem Zuckerschock gestorben. Im Jahr 2005 hatte er seinem V-Mannführer eine DVD übergeben, die mit dem Titel „NSU/NSDAP“ beschriftet war. Die Behörden machen geltend, erst 2011 mit dem Auffliegen der Terroristen erstmals von einer Gruppe namens „NSU“ gehört zu haben.

Hauptangeklagte im NSU-Prozess ist Beate Zschäpe. Die Bundesanwaltschaft wirft ihr Mittäterschaft an den zehn überwiegend rassistisch motivierten Morden des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ und an zwei Sprengstoffanschlägen vor.

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Von MAZonline

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