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Brandenburg Nach Böller-Toten: Aus für Privat-Feuerwerk?
Brandenburg Nach Böller-Toten: Aus für Privat-Feuerwerk?
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02:15 05.01.2018
Politiker fordern, bestehende Regeln für Feuerwerk zu überdenken. Quelle: Arno Burgi
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Potsdam

Nach den beiden tödlichen Böller-Unfällen in Brandenburg ist eine Debatte über die Beschränkung des individuellen Einsatzes von Feuerwerk entbrannt. Mehrere Politiker forderten, die bestehenden Regeln zu überprüfen. In der Silvesternacht waren ein 19-Jähriger in Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark) und ein 35-Jähriger in Gusow-Platow (Märkisch-Oderland) beim Zünden von Pyrotechnik gestorben.

Reglementierung und Selbstbeherrschung

Der innenpolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Potsdamer Landtag, Björn Lakenmacher, plädiert dafür, an neuralgischen Punkten in Innenstädten wie Kreuzungen das Abbrennen von Pyrotechnik zu verbieten. Dort sei die Gefährdung durch Feuerwerk besonders groß. Der CDU-Politiker brachte überdies Reglementierungen bei der Herstellung von Pyrotechnik durch den Handel ins Spiel. Kleinere Mengen Sprengstoff würden die Gefahr von Schäden minimieren, so Lakenmacher. „Die Pyrotechnik muss auf den Prüfstand.“ Ein Verbot von Knallern und Böllern lehne er aber ab.

Ähnlich äußerten sich die Grünen. In Bayern gebe es Gemeinden, wo die Bürger direkt von der Verwaltung angehalten würden, wenig zu böllern, sagte Fraktionschef Axel Vogel. Statt Verboten plädiert er für eine Selbstbeschränkung. Auch sei eine Vereinheitlichung der Sicherheitsstandards geboten. „In Europa ist ja so vieles reguliert – aber nicht die Sprengkraft von Böllern“, sagte Vogel. Vogels Fraktions-Co-Vorsitzende Ursula Nonnemacher ergänzte: „Es gibt genug westeuropäische Länder, die sehr gut mit zentralen Feuerwerken auskommen.“

Von Verboten hält der Linken-Innenexperte Hans-Jürgen Scharfenberg nichts. „Das halte ich für unmöglich, Böllern ist eine gewachsene Tradition.“ Allerdings plädiert er für Selbstbeschränkung. Die tödlichen Unfälle, so hofft Scharfenberg, könnten wie ein Signal zu mehr Achtsamkeit wirken.

Sollte das Silvester-Privatfeuerwerk eingeschränkt werden?

Nach den tödlichen Vorfällen zum Jahreswechsel 2017 / 2018 fordern Landespolitiker schärfere Regeln für den Gebrauch von Raketen und Knallern. Bis hin zum Verbot an neuralgischen Punkten in Innenstädten.

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Viele Verletzte im Krankenhaus

An etlichen Orten im Land hatte es Verletzte gegeben. Allein im Potsdamer Klinikum Ernst von Bergmann wurden laut Klinik-Sprecherin Theresa Decker drei Erwachsene und fünf Kinder mit Knaller-Verletzungen vorstellig. Zwei Menschen mussten stationär aufgenommen werden, darunter ein Kind. Das Potsdamer Klinikum sammelt gemeinsam mit anderen Krankenhäusern Daten zu Feuerwerks-Verletzungen. „Mit dieser Erhebung wollen wir der Diskussion um ein Verkaufsverbot für Feuerwerks-Knallkörper an Privatpersonen eine statistische Basis geben“, sagte Ameli Gabel-Pfisterer, Oberärztin der Klinik für Augenheilkunde. Die Hälfte aller Verletzten seien erfahrungsgemäß Unbeteiligte.

Restaurant-Gäste beschossen

Zu einem schockierenden Vorfall kam es in Treuenbrietzen (Potsdam-Mittelmark). Dort wurde eine CDU-Stadtverordnete bei einem Feuerwerksangriff verletzt. Die Politikerin erlitt Verbrennungen, nachdem ein Mann in einem Restaurant Knallkörper auf die Gäste geworfen hatte. Nach Angaben von Zeugen hatte der Täter die Böller absichtlich und mehrfach in Menschenmengen geworfen.

Im Fall des in Kleinmachnow getöteten 19-Jährigen ermittelt die Polizei unterdessen gegen einen Beteiligten. Die Ermittler gehen davon aus, dass das Todesopfer den Sprengkörper nicht selbst angefertigt hat.

Zusätzlich angeheizt wird die Diskussion von Pyrotechnik-Angriffen auf Rettungskräfte, unter anderem in Berlin.

Von Ulrich Wangemann

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