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Vollkorn-Döner: Wird das der neue Trend?

„Viadrina“-Absolventen revolutionieren den Kebab-Markt Vollkorn-Döner: Wird das der neue Trend?

„Mustafa’s Gemüse-Kebap“ in Berlin macht es vor: Es reicht schon eine kleine Veränderung, um mit dem wohl bekanntesten und beliebtesten Fast Food der türkischen Küche einen riesigen Hype auszulösen. Ein Brandenburger will mit seinem Geschäftspartner einen neuen Trend setzen. Wir präsentieren: den Vollkorn-Döner.

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Der Erfindungsreichen: Dominik Birnbach und (l.) und David Lasok.

Quelle: Klaus-Dietmar Gabbert

Frankfurt (Oder). So viele Döner, wie Dominik Birnbach und David Lasok in den vergangen sechs Monaten gegessen haben – das reicht für Jahre, betonen beide. „Zum Glück machen wir regelmäßig Sport“, stöhnen die beiden Absolventen der Frankfurter Europa-Universität „Viadrina“. Dabei ist das wohl bekannteste und beliebteste Schnell-Gericht der türkischen Küche nach der Geschäftsphilosophie der beiden Mitzwanziger doch ziemlich gesund – vorausgesetzt, das gewohnte weiße Fladenbrot wird durch eine herzhafte Vollkornvariante ersetzt.

Lecker trifft gesund

Die beiden Internationalen Betriebswirtschaftler, der eine aus Bad Saarow, der andere aus Dortmund, schwören auf die gesündere Variante und vermarkten den Vollkorn-Kebab seit Jahresbeginn unter dem Motto „Lecker trifft gesund“ über ihre eigene Firma First-Fit-Food. Und das offenbar mit Erfolg – gut ein Dutzend Döner-Läden in Berlin – unter anderem an der Friedrich- und der Bergmannstraße, am Mehringdamm und am Alexanderplatz - haben die Kreation bereits im Angebot, zudem ein Imbiss in Bad Saarow sowie zwei Geschäfte in Frankfurt (Oder).

„Die Kunden stehen voll drauf. Das Brot ist das I-Tüpfelchen“, bestätigt Said Hashemi. Schon ein Jahr ist der 23-jährige gebürtige Afghane Inhaber des Leto-Grills in der Frankfurter Innenstadt, seit er den Vollkorn-Kebab anbietet, hat er eine völlig neue Kundschaft gewonnen, wie er sagt. „Zu mir kommen jetzt auch die Ernährungsbewussten, die um Döner früher einen Bogen gemacht haben“, erzählt der sichtlich zufriedene Imbissbetreiber, der Birnbach und Lasok übrigens im Fitnessstudio kennen gelernt hat. Zwei Wochen können Interessenten das Vollkorn-Brot für Kebab oder Wrap testen, bevor sie sich entscheiden. „Alle potenziellen Partner hat unser Produkt, das am besten zu Hühnchenfleisch passt, letztlich überzeugt“, erzählt der 26-jährige Lasok stolz.

Keine ganz neue Idee: Vollkorn-Döner in Potsdam

Bei „First Kebab“, einem Dönerladen in der Potsdamer Friedrich-Ebert-Straße, gibt es den Döner im Vollkornfladen schon seit etwa zwei Jahren.

Die Traditionsbäckerei „Braune“ unweit des Geschäfts stellt das Vollkornbrot exklusiv her. Heidelore Gniosdorz, die Frau des Bäckerei-Inhabers, berichtet, dass es sich dabei nicht um reines Vollkornbrot, sondern um ein Gemisch handelt, das mit Vollkorn angereichert ist.

Die Bäckerei Braune ist ein Familienunternehmen, das seit 153 Jahren traditionell Backwaren herstellt. Es zählt zu den ältesten Innungsbetrieben der Stadt Potsdam. 1862 gründete Wilhelm Braune die Firma und gab sie 1945 an seinen Sohn Wilhelm Braune jun. weiter. Derzeit leitet Konditormeister Werner Gniosdorz die Bäckerei.

Vollkorn-Döner bietet auch der Imbiss Sanssouci in der Babelsberger Rudolph-Breitscheid-Straße.

Hier werden bereits seit zwei Jahren Vollkornfladen exklusiv hergestellt

Hier werden bereits seit zwei Jahren Vollkornfladen exklusiv hergestellt: Die Bäckerei „Braune“ beliefert einen Dönerladen in der Potsdamer Friedrich-Ebert-Straße.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Gern würden die Jungunternehmer auch in Potsdam oder sogar in Polen Fuß fassen. Doch flächendeckend soll ihr gesunder Drehspieß-Snack nicht zu haben sein. „Er soll etwas Exklusives bleiben. Deswegen haben wir uns auch nur für Partner entschieden, die qualitativ hochwertige und frische Zutaten sowohl beim möglichst mageren Fleisch als auch für den Salat verwenden.“, berichtet Birnbach (25). Außerdem kämen die Jungunternehmer logistisch nicht hinterher, würden sie zu schnell wachsen. Selbst stellen sich die „Viadrina“-Absolventen allerdings nicht an den Backofen. „Wir haben lange nach einer geeigneten Bäckerei gesucht, die Brot nach unseren Erwartungen zubereitet“, erzählt Lasok, der zugibt, einige Male schon hatte das Handtuch hat werfen wollen.

Klares Bekenntnis zum türkischen Fast-Food-Verkaufsschlager

Klares Bekenntnis zum türkischen Fast-Food-Verkaufsschlager.

Quelle: Peter Degener

Inzwischen ist die ideale Bäckerei gefunden, der Rest ist Betriebsgeheimnis. „Wir haben mit der Firma einen Vertrag, dass sie nur für uns das Döner-Vollkornbrot macht. Wüsste die Konkurrenz, wo das ist, würden wir uns nur selbst das Wasser abgraben“, deutet Lasok an. Oder aber die Döner-Imbiss-Besitzer würden selbst in der Bäckerei bestellen, ohne die Vermarkter, ergänzt Birnbach. Offenbar haben beide schon viel gelernt in Sachen Geschäftsgebaren.

Gesunde Qualität hat ihren Preis

Mit ihrer Idee hatten sie sich erfolgreich für ein Coachingprogramm des Uni-Gründungszentrums beworben, das aus dem Europäischen Sozialfonds finanziert wird. Die „Viadrina“ arbeite dazu mit einem Pool an Anwälten, Steuer- und Unternehmensberatern zusammen. Und die machten den angehenden Existenzgründern offenbar Mut: Nach 40 Jahren geschmacksneutralen Fladen-Brots zum Kebab bietet First-Fit-Food eine herzhaftere Alternative mit gesünderen Inhaltsstoffen – weniger Kohlenhydrate, mehr Ballaststoffe und vor allem Geschmack.

Die Vollkornvariante, die sich beide haben namensrechtlich schützen lassen, ist im Durchschnitt 30 bis 50 Cent teurer, als der Fladenbrot-Kebab. Said Hashemi nimmt 3,80 Euro für seinen Hühnchen-Vollkorn-Döner und die Kunden sind seinen Angaben nach gern bereit, für gesunde Qualität tiefer in die Tasche zu greifen.

Noch hat die Firma, zu der auch Designer Alex Bard und Marketingexperte Robert Dümke gehören, ihren Sitz in Bad Saarow. Langfristig aber will “First fit food“ nach Berlin mit allein rund 1.000 Döner-Läden. Derzeit bastelt das unternehmerische Quartett schon an neuen Geschäftsideen. „Wir bleiben im Sektor Fitness und Ernährung, haben Kontakte zu renommierten Personal-Trainern und tüfteln an einem neuen, innovativen Produkt.“ Denn leben können die Existenzgründer allein von der Vermarktung des Vollkorn-Döners noch nicht, wie Birnbach zugibt. „Wir fahren zumindest keine Verluste mehr ein, aber das reicht uns auf Dauer nicht.“

Mehr Infos unter www.vollkorn-kebab.de

Von Jeanette Bederke

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