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Brandenburg Nach „Xavier“: Brandenburg räumt auf
Brandenburg Nach „Xavier“: Brandenburg räumt auf
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23:21 06.10.2017
Dieser Baum hob den Gehweg mit an. Quelle: Julian Stähle
Brandenburg

Nach den verheerenden Schäden durch das Sturmtief „Xavier“ hat am Freitag das große Aufräumen begonnen. Die Polizei berichtete von ausgebrochenen Kühen, freilaufenden Schafen und beschädigten Wildzäunen. Die Arbeiten zur Beseitigung der Schäden sollen noch Tage andauern. Eine Schätzung der Kosten war laut Innenministerium zunächst nicht möglich. In Brandenburg stürmte „Xavier“ mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 122 Stundenkilometern am heftigsten. Nach einer Bilanz des Deutschen Wetterdienstes in Potsdam war er demnach einer der schlimmsten Stürme der vergangenen Jahrzehnte in Berlin und Brandenburg.

Sturm „Xavier“ kostete vier Menschen in Brandenburg das Leben

Die Feuerwehr zählte bis Freitagabend rund 2600 Einsätze wegen des Sturms. Beim Großteil habe es sich um umgestürzte Bäume gehandelt. Auch lose Dachziegel oder umherfliegende Absperrungen riefen die Einsatzkräfte auf den Plan. Knapp 600 unerledigte Aufträge hatten die Feuerwehrleute nach 28 Stunden im Ausnahmezustand noch vor sich. Rund 1200 Feuerwehrleute waren bis Freitagmorgen, etwa 1000 andere im Tagesverlauf im Dienst.

Im ganzen Land entwurzelte Bäume, hunderte zerstörte Autos, viele beschädigte Straßen und Wege: Sturmtief „Xavier“ hat am 5. Oktober auch in Brandenburg gewütet. Wir zeigen die Bilder der Verwüstung.

Bundesweit trauert man um sieben Todesopfer – vier von ihnen sind Brandenburger. Drei wurden von umgestürzten Bäumen und herumfliegenden Ästen in ihren Autos getötet. Details des tragischen Todes eines 72-Jährigen bei Hoppegarten (Märkisch-Oderland) gab die Polizei gestern bekannt: Demnach war der Mann Passagier eines Reisebusses. Gemeinsam mit dem Busfahrer hatte er versucht, einen großen Ast von der B 1 zu räumen. Dabei traf ihn ein weiterer Ast. Unter den Sturmtoten ist auch die Journalistin und Buchautorin Sylke Tempel (54). Sie starb in Berlin-Heiligensee auf der Rückfahrt mit dem Auto von einer Veranstaltung mit Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD).

Polizei rückte zu etwa 800 Einsätzen aus

Das Potsdamer Polizeipräsidium spricht von 25 durch Sturmfolgen Verletzte im ganzen Land und führt 23 Verkehrsunfälle, bei denen Menschen zu Schaden kamen, auf den Sturm zurück. Zehn Feuerwehrleute und ein Rettungsdienstmitarbeiter sind laut Staatskanzlei unter den Verletzten.

Im Einsatz- und Lagezentrum der Brandenburger Polizei gingen am Donnerstag zwischen 14 Uhr und 24 Uhr 4500 Notrufe ein. Bis zu 60 Anrufer versuchten in Spitzenzeiten den Notruf gleichzeitig zu erreichen. Sonst werden durchschnittlich 1000 Notrufe innerhalb von 24 Stunden registriert.

Die Polizei rückte zu 800 witterungsbedingten Einsätzen aus, die Feuerwehren im Land mussten 5000-mal raus. Krankenhäuser meldeten erhöhten Andrang in der Notaufnahme.

Das zerstörte Dach eines Supermarkts in Nauen (Havelland). Quelle: Julian Stähle

Fernverkehr läuft Samstag wieder an

Verkehrstechnisch kehrt die Region nur langsam wieder zur Normalität zurück: Besonders stark betroffen war der Fernverkehr der Deutschen Bahn , die Strecken von Berlin nach Hannover und Hamburg waren auch am Freitag noch gesperrt, sollen aber am Samstag wieder freigegeben werden. Der Fernverkehr in Richtung Leipzig wurde bereits am Freitagnachmittag wieder aufgenommen. Die Landeshauptstadt Potsdam blieb bis auf wenige Ausnahmen vom Eisenbahnverkehr abgeschnitten.

Die meisten Regionalzüge in Brandenburg und Berlin konnten nicht fahren. Es waren lediglich Züge der Linie RE 1 von Magdeburg nach Genthin und Fürstenwalde nach Frankfurt (Oder) unterwegs, außerdem die RE 3 von Stralsund nach Eberswalde sowie von Berlin nach Lutherstadt Wittenberg, die RE 6 von Hennigsdorf nach Velten und die RE 18 von Cottbus nach Ruhland.

Die Deutsche Bahn riet Passagieren, Reisen auf den beeinträchtigten Linien möglichst zu verschieben. Eine Prognose für die nächsten Tage gab das Unternehmen nur bedingt. Es werde mit Hochdruck geräumt, sagte Bahnsprecher Achim Stauß. Mehr als 100 Mitarbeiter und 17 Spezialfahrzeuge zur Reparatur von Oberleitungen seien im Einsatz. Die Einschränkungen im Nahverkehr würden bis Montag vollständig behoben, heißt es auf der Internetseite der Bahn.

Die starken Windböen sorgten für Chaos auf den Straßen. Quelle: Julian Stähle

Nahverkehr kehrte langsam zur Normalität zurück

Das Netz der Berliner S-Bahn war am Freitag noch in Teilen lahmgelegt, nachdem es am Donnerstag zeitweise komplett stillgelegt wurde. 40 Bäume seien auf Gleise und Leitungen gestürzt, sagte ein Sprecher. Die Ringbahn S41/42 pendelte nur auf einem kleinen Abschnitt zwischen Treptower Park und Hermannstraße, der südliche und östliche Ring werde aber durch die S9 und S46 größtenteils abgedeckt. Die S85 fiel noch komplett aus. Zwischen den S-Bahn-Stationen Grunewald und Wannsee (S7) wurde ein Schienenersatzvekehr mit Bussen eingerichtet. Seit Freitagnachmittag verkehrt die S7 zwischen Ahrensfelde und Potsdam Hbf im 20-Minuten-Takt.

Viele Straßensperrungen über das Wochenende

Mit Straßensperrungen aus Verkehrssicherheitsgründen sei auch am Wochenende zu rechnen. Wegen Schäden durch Sturmtief „Xavier“ bleiben die Schlossgärten in Berlin und Brandenburg zudem bis mindestens Montag geschlossen. Auch bei der Bahn gab es in Folge des Sturms weiter Beeinträchtigungen.

Reihenweise umgekippte Bäume, dicke Äste, die vom Stamm brechen: Der Sturm ließ vielen Bäumen in der Region Berlin-Brandenburg keine Überlebenschance. „Egal ob alt oder jung, klein oder groß, mit Nadeln oder Blättern, das Unwetter machte kaum Unterschiede“, sagte der Andreas Jende, Geschäftsführer des Landes Gartenbauverbandes Berlin-Brandenburg.

Trauer um Tote

Zahlreiche Landespolitiker hatten bestürzt auf die Toten, Verletzten und Schäden reagiert. „Meine Gedanken sind bei den Opfern und den Angehörigen“, erklärte Regierungschef Dietmar Woidke (SPD). „Unsere Gedanken und Gebete sind bei den Opfern und ihren Angehörigen“, sagte Oppositionsführer Ingo Senftleben (CDU). Beide dankten den Einsatzkräften und freiwilligen Helfern, die die Sturmfolgen bekämpfen.

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