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Brandenburg Nach Waldbränden: Aufforstung beginnt
Brandenburg Nach Waldbränden: Aufforstung beginnt
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01:16 12.11.2018
Autobahn A9 mit geräumtem Waldbrandgebiet. Quelle: Julian Stähle
Fichtenwalde

Eine Birke hat den großen Brand überstanden. Wie ein Mahnmal ragt sie aus der Mondlandschaft entlang der Autobahn A9 bei Fichtenwalde (Potsdam-Mittelmark). Bis zum 26. Juli 2018 war hier ein Wald. Ein paar braune Blätter hängen noch in der Krone, aber es ist kein Leben mehr im Holz.

Die Jagdhunde von Förster Martin Schmitt spurten los, toben in einer Staubwolke. Hier herrscht Tabula rasa. Die Fläche ist ein Totalschaden. „Ein paar Bäume haben wir stehen lassen, damit Vögel landen können“, sagt Schmitt, zuständig für den Beelitzer Stadtwald und die verkohlten 30 Hektar Land. Autofahrer haben sich an den Anblick dieser Wüste südlich des Autobahndreiecks Potsdam gewöhnt. Doch wie soll es weitergehen auf jenen Flächen? Ein Wald hat ja keinen Neustart-Knopf.

Im Sommer brannten in Fichtenwalde (Potsdam-Mittelmark) etliche Tage etwa 30 Hektar Wald. Jetzt wurde begonnen, den toten Wald wieder aufzuforsten.

Gerüchte, was aus der Fläche werden solle, gebe es zu Genüge, sagt Förster Schmitt. Ein Autohof, Windkraftanlagen, Heidelbeerplantagen. „Das sind alles Fake News!“ Der 43-Jährige hat den Auftrag, die Fläche wieder aufzuforsten, die unter anderem zwei Spargelhöfen gehört.

Schädlinge fielen ein

Befördert hat die Gerüchte der totale Kahlschlag. Denn wochenlang hatten die Bäume noch gestanden, gelb und ausgedorrt, aber eben doch noch der Form nach ein Wald. Die radikale Lösung musste sein, sagt der Förster. Schon nach einem Monat seien überall Schädlinge herumgekrochen, etwa Zangenböcke und Borkenkäfer. „Die riechen, wenn Bäume sterben – wir mussten ein Übergreifen auf den angrenzenden Wald verhindern“, sagt Schmitt.

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Brand bei Fichtenwalde Ende Juli 2018. Quelle: Polizei

Er stößt einen Klappspaten in die Erde, hebelt einen von der Natur sorgfältig geschichteten Klumpen Boden heraus. Zehn Zentimeter Humus liegen oben auf, alles schwarz. Die Nährstoffschicht ist komplett zerstört. Hundert Jahre hatte der Wald gebraucht, um eine Handbreit fruchtbares Material über den märkischen Sand zu breiten. Alles vergebens. Die Glut fraß sich bis in die Wurzeln älterer Bäume vor. Denn über zwei Tage hinweg herrschten 300 bis 400 Grad über dem Waldboden.

Harte Bedingungen für Jungbäume

Denkbar harte Bedingungen für die künftigen Setzlinge also. Förster Schmitt und seine Helfer werden alle 20 bis 30 Zentimeter ein Bäumchen pflanzen, 5000 bis 8000 pro Hektar. 30 Zentimeter werden die Setzlinge nur aufragen. Auf schmutzigem Sand müssen die Bäumchen anwachsen, ungeschützt der Sonne, dem Sturm oder dem Frost ausgesetzt und der Trockenheit.

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In 20 Jahren werde der Wald etwa drei bis vier Meter hoch sein, sagt Carsten Wunderlich, Verantwortlicher für Waldbewirtschaftung beim Spargelhof Buschmann & Winkelmann. In 60 Jahren vielleicht würden die Bäume wieder denen ähneln, die verbrannt sind. Gigantische Holzstapel sind noch auf den Flächen zu sehen, ein Traktor mit Greifarm ordnet die Stämme. Rund 100 000 Euro hat die Räumung gekostet. Dicht über den Wurzeln hat man die Bäume gekappt. Die Stümpfe werden in der Erde bleiben.

Toter Wald im Waldbrandgebiet Fichtenwalde. Quelle: Jens Steglich

Ein Großteil des Holzes taugt nicht mehr für Dachlatten oder als Material für die Zellstoffindustrie. Der Ruß hätte die Sensoren in den Sägewerken verschmiert. So landeten die Stämme als Hackschnitzel im Heizkraftwerk Ludwigsfelde – 5000 Tonnen. Immerhin erzielten die Waldbesitzer noch 20 Prozent des Preises, den sie für reguläres Holz hätten verlangen können. Die Waldbesitzer rechnen alles in allem mit einem Schaden von 10 000 Euro pro Hektar.

Der Lärmschutz-Effekt fehlt

Nun wollen die Forstleute einen Wald hochziehen, der Katastrophen besser widerstehen kann als der alte, der eine Monokultur war. Kiefern wachsen zwar am besten in Brandenburg, sie liefern den Sägewerken auch lange Balken. Doch macht die Säure der verrottenden Nadeln den armen Boden noch schlechter. Wachsen Zehntausende Kiefern gleichzeitig in die Höhe, entsteht außerdem unter ihren Kronen eine Art gigantischer Halle mit kahlen Stämmen. Durch die würde der Autobahnlärm wabern, erklärt der Förster. Tests auf Truppenübungsplätzen hätten ergeben, dass Rückkopplungseffekte den Lärm um bis zu drei Dezibel verstärkten.

Brand bei Fichtenwalde an der A9. Quelle: Julian Stähle

Was jetzt entstehen soll, nennt Förster Schmitt einen „Lärmschutzwald“. Seit dem Kahlschlag kommt das Dröhnen der Lastwagenkolonnen auf der A 9 deutlich vernehmbarer in Fichtenwalde an. 60 bis 70 Prozent der Fläche sollen wieder mit Kiefern bepflanzt werden. Entlang der Wege insbesondere sollen aber Haine aus Laubbäumen wie Traubeneiche oder Sandbirke entstehen.

Die Lehren aus der Katastrophe

Die Lehren aus der Katastrophe gehen aber über die Wahl der richtigen Bäumchen hinaus. Dazu sitzt der Schreck zu tief in der Waldgemeinde Fichtenwalde. Zur Erinnerung: Bis auf 300 Meter hatten sich die Flammen den ersten Häusern genähert. „Hätte es den Radweg nicht gegeben, wäre ein Teil des Orts auf jeden Fall abgebrannt“, sagt Forstverwalter Wunderlich. Nun sollen vier Tiefbrunnen rund um den Ort bis zu 70 Meter ins Grundwasser gebohrt werden. Die Erlauben die Entnahme von 800 Litern Wasser pro Minute. Das Leitungsnetz im Ort ist mit solchen Mengen überfordert.

Diese verbrannten Bäume hat man als Vogelrastplätze stehen gelassen. Quelle: Julian Stähle

Schon hat die Forstverwaltung begonnen, die niedrigen Waldstreifen zu roden, die auf der nahen Gastrasse in den vergangenen Jahrzehnten gewachsen sind – an solch kahlen Schneisen kann man eine Feuerwalze aufhalten.

Die Bedeutung der Wundschneisen

Eine Kehrtwende vom Land fordert Verwalter Wunderlich bei der Freihaltung so genannter Waldbrandwundstreifen. Das sind jene entlang Straßen verlaufenden etwa zwei Meter breiten Streifen, auf denen die Vegetation mit der Egge untergehoben wurde. Bis Mitte der 2000er-Jahre habe das Land die Feuer-Stopper gepflegt und diesen Dienst den privaten Waldbesitzern in Rechnung gestellt. Seit die Landesforstverwaltung im Rahmen des allgemeinen Sparkurses diese zentrale Dienstleistung auf Privatgrund heruntergefahren habe, verwilderten die Streifen. „Die verschaffen der Feuerwehr aber die entscheidenden zehn bis 15 Minuten, um anzurücken“, sagt Förster Schmitt.

Förster Martin Schmitt mit seinem Jagdhund. Die geschädigten Bäume wurden zu 5000 Tonnen Hackschnitzel verarbeitet. Quelle: Julian Stähle

Von den polizeilichen Ermittlungen zur angenommenen Brandstiftung erwarten weder Förster noch Verwalter viel. Da es an mehreren Stellen entlang der Autobahn angefangen habe zu brennen, gehen die Männer von einem brennenden Lastwagenreifen aus. Die Polizei spricht von „vagen Indizien für weggeworfene Zigaretten“.

Von Ulrich Wangemann

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