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Was Pilzsammler diese Saison erwarten dürfen

Natur in Brandenburg Was Pilzsammler diese Saison erwarten dürfen

Die vergangenen Wochen waren trocken, aber mit dem herannahenden Herbst wachsen die Hoffnungen der Pilzsammler auf eine reiche Ernte. Ein Kenner erklärt, was Brandenburgs Wälder zu bieten haben.

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Pilze sammeln ist eine beliebte Freizeitbeschäftigung.

Quelle: dpa

Potsdam. Pilzsammler müssen sich in diesem Jahr in Geduld üben. „Die Saison hat leider schlecht begonnen“, sagt Wolfgang Bivour vom Brandenburgischen Landesverband der Pilzsachverständigen. Zumindest hat nach einem eher trockenen August nun der September etwas Regen gebracht.

Mehr Pfifferlinge Ende September

Kenner Bivour kam trotzdem schon vor einigen Wochen in den Genuss selbst gesammelter Pfifferlinge. „Man muss schon wissen, wo“, erläutert er. „Und es waren relativ wenige. Nicht gerade so, dass es sich gelohnt hat.“ Ende September werde es sicher besser. Dann sei es kühler und die Feuchtigkeit, die Pilze brauchen, verdunste nicht so schnell. Wo er trotz ungünstiger Witterung jetzt schon fündig geworden ist, verrät Bivour natürlich nicht. Da ist er wie jeder Pilzsucher in Brandenburg, der Eindringlinge ins eigene Revier kritisch beäugt.

Brandenburg ist gutes Pilzland

Brandenburg ist ein sehr gutes Pilzland. Das liegt einfach daran, dass es hier viel Wald gibt – 1,1 Millionen Hektar, also 37 Prozent der Landesfläche. Das sind, wenn man von Arten wie dem Wiesenchampignon absieht, beste Voraussetzungen für Finderglück. Der Nachteil: Es gibt überdurchschnittlich viele Kiefernwälder, das schränkt die Varianten etwas ein. Den durchschnittlichen Pilzsammler dürfte das trotzdem kaum stören, denn beliebte Arten wie Steinpilze, Maronen und Pfifferlinge wachsen gerade in den Kiefernwäldern gut. Wer genau hinschaue, erzählt der Experte, finde an dem ein oder anderen Kiefernstumpf schon mal eine Krause Glucke. Der korallenartige Pilz werde zwar nicht oft gesammelt, fülle aber, einmal gefunden, einen ganzen Topf.

Steinpilze gibt es überall

„Im Prinzip“ könne man eine Art Pilzkarte von Brandenburg erstellen, meint Bivour, praktisch hätte das aber wenig Sinn, denn es sei keineswegs so, dass bestimmte Arten nur in ganz bestimmten Gegenden wüchsen. „Steinpilze gibt es praktisch überall.“ Mit der weniger bekannten, aber dennoch sehr schmackhaften Herbsttrompete sei das schon wieder anders. „Sie wächst nicht an Kiefernstandorten.“ Man müsse schon weiter in den Norden Brandenburgs suchen, etwa in der Uckermark. Champignons dagegen finde man nicht nur im Wald, sondern auch auf Wiesen und Grasflächen. Den ebenfalls weniger bekannten Fichten-Reizker brauche man in Brandenburg erst gar nicht zu suchen. Der sei eher ein Pilz der Gebirge.

Fündig werden an Wegesrändern

Ein für Anfänger vielleicht gar nicht so unerfreulicher Tipp Bivours: Um viele Pilze zu finden, muss man überhaupt nicht ins unerschlossene Dickicht der Wälder kriechen. Im Gegenteil: Gerade an Wegesrändern ist die Wahrscheinlichkeit hoch. „Weil dort die Traufkante der Bäume ist.“ Es sei meist feuchter als unter dem dichten Blätterdach. Und das lieben Pilze. Keinen Sinn habe das Suchen, wo das Unterholz dicht ist und das Farnkraut sprießt. „Die Pilze fühlen sich dort nicht wohl.“ Auch unter üppig wucherndem Heidekraut werde man selten fündig. „Man sollte sich lieber bei den überschaubaren Waldstücken umschauen“, sagt Bivour. Mit der Zeit entwickle man schon eine Routine und entdecke „seine“ Stellen. Der Erfolg hänge immer auch davon ab, wie sehr man sich im Laufe der Zeit in die Materie des Pilzsammelns buchstäbliche hineinkniet.

Übrigens stimmen sogar ein paar alte Volksweisheiten zum Erkennen giftiger Pilze. Die Mär von sich verfärbenden Silberlöffel ist zwar falsch, nicht so aber die Behauptung, manche giftige Pilze erkenne man am Geschmack. Unter der großen Gattung der Täublinge findet man die giftigen durch ihren scharfen Geschmack auf der Zunge heraus. Speisetäublinge wie der gute Frauen-Täubling haben dagegen einen milden Geschmack.

Vorsicht vor dem Knollenblätterpilz

Wirkungslos ist die Geschmacksprobe ausgerechnet beim gefährlichsten Pilz Europas. Der Knollenblätterpilz, hat sich Bivour sagen lassen, schmecke eigentlich ganz gut. Und fatalerweise werden seine Gifte erst frühestens nach acht Stunden durch Brechdurchfälle erkennbar – dann wenn der Pilz längst verdaut ist. Die eigentlich tödliche Wirkung der Knollenblätterpilze tritt erst Tage später ein, wenn die Gifte der Leber irreparable Schäden zugefügt haben. Bivours Rat: Wenn man nach dem Verspeisen von Pilzen etwas bemerkt, was damit zusammenhängen könne: sofort ins Krankenhaus! Um das aber zu vermeiden, hilft nur die durch lange Erfahrung erworbene Pilzkennerschaft – oder das Auge der Sachverständigen. Die sind in Brandenburg auf dieser Seite aufgelistet.

Größtes Lebewesen der Erde

Pilze bilden neben Tieren und Pflanzen ein eigenes Reich unter den Lebewesen. Zu Pilzen zählen sowohl einzellige Lebewesen wie die Backhefe, aber auch vielzellige Formen wie die im Wald vorkommenden Ständerpilze. Pilze ernähren sich, indem sie abgestorbene organische Materie zersetzen. Ihnen kommt eine bedeutende Rolle im Stoffwechsel zu.

Gesammelt werden nur die Fruchtkörper der Pilze. Der eigentliche Pilz befindet sich als komplexes Geflecht im Boden oder im Holz.

Der größte bekannte Pilz der Welt ist ein Hallimasch. Er wächst unterirdisch im US-amerikanischen Oregon auf über 880 Hektar – und gilt damit als größtes Lebewesen der Erde.

Von Rüdiger Braun

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