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Nauen: Alles deutet auf Brandanschlag hin

Feuerwehr-Großeinsatz an Asylunterkunft Nauen: Alles deutet auf Brandanschlag hin

Vermutlich rechtsextremistische Gewalt erreicht Brandenburg: In der Nacht zu Dienstag ist in Nauen (Havelland) eine Turnhalle abgebrannt, in der noch diese Woche rund 100 Asylbewerber vorübergehend einziehen sollten. Die Polizei geht von einem Brandanschlag aus, der Staatsschutz ermittelt. Die Brandenburger sind geschockt.

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Die Turnhalle brennt nieder.
 

Quelle: Julian Stähle

Nauen.  Eine geplante Notunterkunft für Flüchtlinge in Nauen (Havelland) ist bei einem Brand komplett zerstört worden. Entgegen ersten unbestätigten Informationen lägen noch keine konkreten Anzeichen zu einem Verdächtigen vor, sagte der Leiter der Polizeidirektion West, Peter Meyritz, auf der Pressekonferenz am späten Vormittag.

Polizei und Politik gehen von Brandstiftung aus

 Die Polizei geht nach den bisherigen Erkenntnissen von Brandstiftung aus. Ein technischer Defekt sei höchst unwahrscheinlich, hieß es. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen aufgenommen.

Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) bestätigte den Verdacht einer Straftat. „Es handelt sich vermutlich um vorsätzliche Brandstiftung“, sagte er am Brandort. Darauf deuteten die Brandrichtung, Ausbreitung und Schnelligkeit des Feuers.

Auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) geht von einem Anschlag aus, und zwar mit rechtsextremistischem Hintergrund. „Wir sind noch nicht hundertprozentig sicher, aber ich glaube, dass alles andere als sehr sehr großer Zufall bezeichnet werden könnte“, sagte Woidke am Dienstag in Potsdam.

Woidke erklärte, man werde mit der ganzen Härte des Rechtsstaats gegen die Täter und gegebenenfalls ihre Hintermänner vorgehen. Solche Geschehnisse wie in Nauen schadeten dem Ansehen des Landes zutiefst, betonte der Regierungschef. «Ich darf an dieser Stelle auch noch einmal alle Brandenburgerinnen und Brandenburger auffordern, sich für Mitmenschlichkeit, für Demokratie und gegen Rechtsextremismus einzusetzen.»

4-Millionen-Euro-Halle nicht mehr zu retten

Das Feuer an der Sporthalle des OSZ Havelland hatte sich bei seiner Entdeckung gegen 2.30 Uhr bereits auf das gesamte Gebäude ausgebreitet. Es soll innerhalb weniger Minuten komplett in Flammen gestanden haben. Verletzt wurde nach ersten Angaben niemand. Erst 2007 war die Turnhalle für vier Millionen Euro gebaut worden.

Die Freiwillige Feuerwehr Nauen, die mit 16 Einsatzwagen und 60 Kräften vor Ort war, ließ die Halle kontrolliert abbrennen. Auch gegen 8 Uhr hatte die Feuerwehr noch zu tun, es gab noch zahlreiche Glutnester. Viele Kameraden haben am Vormittag ihre regulären Job angetreten.

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In der Nacht zu Dienstag, 25. August 2015, ist in Nauen (Havelland) ein Brandanschlag auf eine geplante Notunterkunft für Asylbewerber verübt worden. Die Turnhalle ist komplett niedergebrannt.

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Bürgermeister: Brandstifter sind Verbrecher

Der Bürgermeister von Nauen (Havelland), Detlef Fleischmann (SPD), hat sich tief betroffen von dem Brand gezeigt. „Wenn es Brandstifter sind, sind es für mich Verbrecher“, sagte er. In der Stadt und im Landkreis gebe es aber auch Initiativen pro Asyl, betonte Bürgermeister Fleischmann. Erst in der vergangenen Woche hätten sich mehrere Verbände zusammengeschlossen, um gegen Fremdenfeindlichkeit vorzugehen.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) appelliert an die Brandenburger, „sich für Mitmenschlichkeit, für Demokratie und gegen Rechtsextremismus einzusetzen“.

Von Politikern, Einwohnern und auf Facebook gibt es zahlreiche Reaktionen. Viele sind entsetzt. Doch es gibt auch andere Stimmen.

Im Vorfeld Proteste von Rechtsextremen

In Nauen hatte es in diesem Jahr mehrfach Demonstrationen gegen die geplante Aufnahme von Asylbewerbern gegeben. Im Februar war eine Stadtverordnetenversammlung zu diesem Thema massiv von rechtsextremen Demonstranten gestört worden. Die Sitzung musste abgebrochen werden.

Als Notunterkunft bis Jahresende geplant

Die Sporthalle gehört zum Oberstufenzentrum Havelland und liegt in der Straße Zu den Luchbergen, in der Umgebung gibt es zahlreiche Gewerbebetriebe und eine Behindertenwerkstatt. Der Landkreis hatte im Juli angekündigt, dass die Halle der vorübergehenden Unterbringung von Flüchtlingen dienen soll. Sanitärcontainer sind bereits aufgestellt, rund 100 Flüchtlinge sollten in den kommenden Tagen einziehen. Vorgesehen war eine Nutzung von September bis Jahresende. Mit Inbetriebnahme neu errichteter Container-Unterkünfte in Schönwalde und Dallgow-Döberitz sollte die Sporthalle dann wieder ihrem eigentlichen Zweck dienen.

Eine zweite Notunterkunft hat der Landkreis in Rathenow eingerichtet. Bis Jahresende sollen rund 1700 Flüchtlinge im Havelland untergebracht werden, 600 mehr als ursprünglich geplant.

Zunehmende Gewalt von Rechts

Der Fremdenhass in Deutschland nimmt immer infamere Züge an. Seit Tagen steht Heidenau (Sachsen) im Blick der Öffentlichkeit, weil es dort anhaltende und gewalttätige Proteste gegen Asylbewerber gibt. Am Wochenende haben Neonazis in Berlin auf Kinder uriniert.

In Brandenburg erreicht Gewalt, die von Rechtsradikalen ausgeht, nach Einschätzung des Vereins Opferperspektive ein beängstigendes Niveau. Bis Ende Juli habe der Verein 88 rechtsextreme Angriffe registriert. Damit sei fast das Niveau des gesamten vergangenen Jahres (92) erreicht worden, teilte die Opferperspektive am Montag in Potsdam mit. Dabei würden bei weitem nicht alle Taten registriert. Es gebe eine hohe Dunkelziffer.

Hauptmotiv der Täter sei Rassismus: Vor allem Flüchtlinge sehen sich Angriffen ausgesetzt. Die Schwelle zur Gewaltausübung sei wahrnehmbar gesunken , erklärte Vereinschefin Judith Porath. „Die Lage ist alarmierend. Anders als im Vorjahr lassen sich keine regionalen Schwerpunkte mehr ausmachen, denn die rassistischen Angriffe werden flächendeckend in Brandenburg verübt.“

Heute Ministerrunde zum Thema Asyl

Dietmar Woidke (SPD) wollte heute erstmals eine Ministerrunde zu Fragen der Unterbringung der Flüchtlinge zusammenrufen. Er hatte das Flüchtlingsthema in der vergangenen Woche zur Chefsache erklärt. Brandenburg erwartet in diesem Jahr 24.000 Flüchtlinge, 10.000 mehr als ursprünglich gedacht.

MAZonline berichtet weiter aktuell.

Von MAZonline

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