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Brandenburg Nazi-Tattoo: Bad-Chef verteidigt Mitarbeiter
Brandenburg Nazi-Tattoo: Bad-Chef verteidigt Mitarbeiter
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13:04 28.01.2016
Das Turm-Erlebnisbad in Oranienburg ist Anlaufpunkt vieler Brandenburger und Berliner Quelle: Promo
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Potsdam

Der Fall eines Badegasts mit KZ-Tattoo im Oranienburger Turm Erlebnisbad ging international durch die Presse. Inzwischen ist der NPD-Funktionär zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten verurteilt. Sowohl der Angeklagte als auch die Staatsanwaltschaft haben Berufung eingelegt. Demnächst wird also vor dem Neuruppiner Landgericht der Fall neu aufgerollt. Bei dem ersten Prozess wurde auch Kritik an der Badeaufsicht laut. Kay Duberow, Geschäftsführer der Stadtservice Oranienburg GmbH, weist den Vorwurf, seine Mitarbeiter hätten zu zögerlich gehandelt, im Interview zurück.

Herr Duberow, ein Badegast, der inzwischen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde, trug in ihrem Bad ein Tattoo mit einer KZ-Silhouette zur Schau. Zeitungen, darunter die MAZ, hatten unter Berufung auf Zeugenaussagen berichtet, dass Ihre Mitarbeiter nicht eingeschritten seien. Haben Sie die Hinweise auf dieses menschenverachtende Tattoo nicht ernst genommen?

Kay Duberow: Wir haben den Hinweis sehr ernst genommen. Unser Bademeister hat, wie es seine Pflicht ist, unseren Chef vom Dienst informiert. Der hat sich daraufhin telefonisch mit der Polizei verständigt. Dann haben wir den fraglichen Gast wieder ausfindig gemacht, was bei mehreren Hundert Gästen nicht so einfach ist. Wir haben ihm dann klar gesagt, dass wir das nicht akzeptieren und dass er sich entweder etwas überziehen oder das Bad verlassen muss. Letzteres hat er dann getan. Es kann also keine Rede davon sein, dass der Mann stundenlang unbehelligt sein Tattoo zeigen konnte, ohne rausgeschmissen zu werden.

Bad-Chef Kay Duberow Quelle: MAZ

Ein anderer Badegast hatte zuvor einen Schwimmmeister über den Tattoo-Träger informiert. Hätte der nicht den Gast kurzerhand rausschmeißen müssen?

Duberow: Nein! Hätte er das getan, hätten wir ihn arbeitsrechtlich belangen müssen. Der Schwimmmeister darf als Aufsicht das Becken nicht verlassen, solange es für den Betrieb geöffnet ist. Er hätte damit seine Kompetenzen überschritten. Er hat also richtig gehandelt, als er unseren Chef vom Dienst, der auch das Hausrecht ausübt, verständigt hat.

Haben Sie Anzeige erstattet?

Duberow: Die Polizei hat sich das Tattoo beschreiben lassen und darin kein verfassungsfeindliches Symbol erkannt. Deswegen konnte eine Anzeige nicht aufgenommen werden. Aber wir haben gleichwohl reagiert, weil solche Tattoos gegen unsere Unternehmensphilosophie verstoßen.

Darf der Mann bei ihnen noch baden?

Duberow: Er hat ein zweijähriges Hausverbot. Danach darf er erst wieder bei uns baden, wenn er sein volksverhetzendes Tattoo entfernen lässt, weil er andernfalls mit dem Zeigen erneut eine Straftat beginge.

Haben Sie Erfahrung mit solchen Tattoos?

Duberow: Wir hatten vor einigen Jahren einen Gast, der ein kleines Hakenkreuz-Tattoo trug. Das war ein klarer Fall eines verfassungsfeindlichen Symbols. Wir haben ebenso reagiert und die Polizei verständigt. Aber das sind Einzelfälle. Tätowierungen haben ja insgesamt stark zugenommen, das ist ein Zeitgeistphänomen. Wir sind deswegen noch aufmerksamer, wollen aber gleichzeitig nicht unsere Gäste regelrecht abscannen.

Das beanstandete Tattoo des NPD-Manns aus dem Barnim. Der Spruch „Jedem das Seine“ stand am Eingang des Konzentrationslagers Buchenwald. . Quelle: privat

Das Thema Flüchtlinge beschäftigt gerade offenbar auch öffentliche Badeanstalten. Bei Bonn gab es sogar ein Badeverbot für Flüchtlinge. Was halten Sie davon?

Duberow: Wir kennen das nur aus der Presse, bei uns gab es keine solchen Zwischenfälle. Aber wir haben unsere Hausordnung ergänzt, um im Zweifelsfall eine rechtliche Handhabe zu haben. Darin heißt es jetzt, dass jeder Frau und jedem Mann mit Respekt zu begegnen ist und dass sexuelle Belästigungen zum Beispiel durch anzügliche Gesten, Äußerungen und Berührungen nicht erlaubt sind.

Von Torsten Gellner

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