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Nazi-Terror: Verschleppt nach Sachsenhausen

Konzentrationslager Nazi-Terror: Verschleppt nach Sachsenhausen

Für die Nazis war es ein modernes und perfekt am Zweck ausgerichtetes Gelände: Im KZ Sachsenhausen sollten die Insassen dem totalen Terror ausgesetzt sein. Im September vor 80 Jahren wurden die ersten Häftlinge dorthin verschleppt. Schon vom ersten Tag an gab es Tote – erschossen, von Baumstämmen zermalmt, gemartert bis zum letzten Atemzug.

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Von der Arbeit einrückende Häftlingskolonnen im Konzentrationslager Sachsenhausen, aufgenommen 1940.

Quelle: akg-images, DPA

Oranienburg. Der Schriftsteller Heinrich Mann hatte im Frühsommer 1936 im Exil in Paris noch einmal gewarnt: Sportler, die an den Olympischen Sommerspielen in Berlin teilnehmen, würden dort nichts weiter sein als „Gladiatoren, Gefangene und Spaßmacher eines Diktators, der sich bereits als Herr der Welt fühlt“. Er behielt recht. Während das Sportfest vor 80 Jahren zum Welterfolg der Nazis wurde, mussten Zwangsarbeiter in Oranienburg das KZ Sachsenhausen errichten.

Rund drei Wochen nach dem Ende der Spiele war die SS dann soweit. Vom 5. September 1936 an konnten nach Mitteilung der Inspektion der Konzentrationslager Häftlinge in das KZ Sachsenhausen eingewiesen werden. Aus dem KZ Esterwegen im Emsland und aus dem Berliner KZ Columbia-Haus am Flughafen Tempelhof hatte die SS zuvor im Sommer Häftlinge nach Oranienburg verlegt, um dort auf einem 80 Hektar großen staatlichen Forstgelände ein neues Konzentrationslager aufzubauen – als Modell- und Schulungslager der SS ganz in der Nähe der Reichshauptstadt. Hier sollten die Totenkopfverbände militärisch ausgebildet und ideologisch gefestigt werden.

„Vom ersten Tag an gab es Tote“

„Es wurden Wälder abgeholzt“, erinnert sich später ein politischer Häftling, der den Terror in Sachsenhausen überlebt hat. „Vom ersten Tag an gab es Tote“, berichtet der ehemalige Häftling Sepp Hahn: „Teils ‚auf der Flucht erschossen’, teils unter den schweren Baumstämmen zermalmt, verunglückt oder zu Tode gemartert.“

Das KZ Sachsenhausen ist heute eine Gedenkstätte, die von vielen Menschen besucht wird

Das KZ Sachsenhausen ist heute eine Gedenkstätte, die von vielen Menschen besucht wird.

Quelle: dpa-Zentralbild

Ein „modernes, vollkommen neuzeitliches Konzentrationslager“ sollte Sachsenhausen werden, so hatte es SS-Reichsführer und Polizeichef Heinrich Himmler formuliert. Mehr als 100 Privatfirmen waren nach Angaben der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten am Bau beteiligt, oft übernahm Firmenpersonal auch die Beaufsichtigung der Häftlinge bei der Zwangsarbeit. Mit einer fast drei Meter hohen Mauer, einem elektrisch geladenen Stacheldrahtzaun und neun Wachtürmen wurde schließlich das 18 Hektar große Häftlingslager gesichert – eine dreieckige, überall einsehbare Anlage als Ausdruck der „Geometrie des totalen Terrors“, so beschreibt es Gedenkstättendirektor Günter Morsch. Auf dem „Turm A“ mit der berüchtigten Inschrift „Arbeit macht frei“ wurde ein Maschinengewehr installiert, mit dem das gesamte Gelände beschossen werden konnte.

SS betrieb Terror bis zum Kriegsende

Das KZ mit SS-Truppenlager, Werkstätten und Depots wurde nach 1936 stetig erweitert, bis es bei Kriegsende mit 400 Hektar rund ein Drittel der Fläche Oranienburgs einnahm. 1938 wurde Sachsenhausen zur Verwaltungs- und Kommandozentrale für alle Konzentrationslager im Deutschen Reich.

Mehr als 200 000 Menschen wurden bis 1945 in Sachsenhausen inhaftiert. Der Hitler-Attentäter Georg Elser und der evangelische Pfarrer Martin Niemöller wurden hier festgehalten, der Schauspieler Erwin Geschonneck, der Verleger Peter Suhrkamp, der SPD-Politiker Rudolf Breitscheid. Zehntausende der Häftlinge starben durch Misshandlungen, medizinische Experimente, Hunger und Zwangsarbeit.

1939 wurde das erste lagereigene Krematorium errichtet. 1942 folgte mit vier Verbrennungsöfen, Leichenhalle, Genickschussanlage und ab 1943 auch mit einer als Bad getarnten Gaskammer. Die SS hielt den Terror bis Kriegsende aufrecht. Mehr als 30 000 Häftlinge wurden am 21. April 1945 auf Todesmärsche Richtung Nordwesten getrieben. Nur einen Tag darauf befreite die Rote Armee Sachsenhausen.

Erinnerungsarbeit

Zum Gedenken an die Opfer des Konzentrationslagers Sachsenhausen lädt die KZ-Gedenkstätte zu einer Matinee mit Ulrich Matthes ein.

Der Schauspieler liest am Sonntag aus Erinnerungsberichten ehemaliger Häftlinge. Zur musikalischen Begleitung sollen Lieder aus dem Lager vorgetragen werden.

Matthes , seit 2004 Ensemblemitglied am Deutschen Theater in Berlin, wurde durch seine Darstellung von Joseph Goebbels im Spielfilm „Der Untergang“ auch international bekannt.

Von Yvonne Jennerjahn

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