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Brandenburg Gauland: „Bohei um Kalbitz ist lächerlich“
Brandenburg Gauland: „Bohei um Kalbitz ist lächerlich“
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02:16 10.03.2018
Andreas Kalbitz im Zeltlager der HDJ im Jahr 2007. Quelle: Screenshot: ARD/Kontraste
Potsdam

Die AfD-Bundesspitze sieht keinen Anlass, die Verbindung des Brandenburger AfD-Chefs Andreas Kalbitz zur rechtsextremen Jugendorganisation Heimattreue Deutsche Jugend (HDJ) kritisch zu kommentieren.

„Ich finde den Bohei, der darum gemacht wird, absolut lächerlich“, sagte der AfD-Bundesvorsitzende Alexander Gauland gegenüber der MAZ. Für ihn sei der am Dienstag durch das ARD-Magazin Kontraste bekannt gemachte Besuch Kalbitz’ auf einem Pfingstlager der Organisation 2007 im niedersächsischen Eschede „uninteressant“, so Gauland. Es gebe keinen Grund, den Vorgang weiter zu kommentieren. „Ich verstehe auch nichts davon“, so Gauland weiter. Kalbitz ist Nachfolger von Gauland im Amt des Partei- und Fraktionsvorsitzenden der AfD in Brandenburg.

Der Brandenburger AfD-Landesvorsitzende Andreas Kalbitz hatte nach Recherchen des ARD-Magazins Kontraste Verbindung zur rechtsextremen „Heimattreuen Deutschen Jugend“ und nahm an einem sogenannten Pfingstlager teil. Quelle: Screenshot: ARD/Kontraste

Foto- und Filmaufnahmen belegen den Besuch Kalbitz’ auf der Freizeit jenes Vereins, der 2009 von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) verboten wurde. Auf den Bildern schlendert Kalbitz leger in kurzer Lederhose mit Koppelschloss und olivgrünem T-Shirt durch das Zeltlager – der Verfassungsschutz schätzte die HDJ als Kaderschmiede für Neonazi-Organisationen ein. Zunächst hatte der AfD-Politiker nach ARD-Aussagen geäußert, er habe keine Erinnerung an das elf Jahre zurückliegende Treffen. Mit den Dokumenten konfrontiert, gab er den Aufenthalt zu, sagte aber, er habe sich nur informieren wollen. Er sehe „kein Problem“ in der Angelegenheit.

Grüne: „Kalbitz ist bekennender Anhänger des Höcke-Lagers“

Die Verbindung ins Neonazi-Lager ist nach Auffassung der Grünen-Fraktionsvorsitzenden im Brandenburger Landtag, Ursula Nonnemacher, „nicht überraschend“. Kalbitz sei ein „bekennender Anhänger des rechtsradikalen Höcke-Flügels“ innerhalb der AfD.

Nonnemacher hält den Besuch des damals 34 Jahre alten Kalbitz bei dem „hochgradig konspirativ arbeitenden“ HDJ-Jungvolk in Niedersachsen für einen Beleg dafür, „dass Brandenburgs heutiger AfD-Führer damals von den Neonazis als durch und durch vertrauenswürdiger Kamerad eingestuft wurde“.

Zünftig mit Lederhose: Kalbitz auf dem Pfingstlager in Eschede. Quelle: Screenshot: ARD/Kontraste

„Ich kann mir gut vorstellen, dass Kalbitz sich bei der HDJ ideologisch gut aufgehoben gefühlt hat“, so Nonnemacher. Kalbitz habe in Reden angekündigt, sich „mittels Revolution das Land zurückholen“ zu wollen, so die Grünen-Innenexpertin – etwa auf einer Versammlung des Vereins „Zukunft Heimat“ in Cottbus, zu dessen frühesten Unterstützern Kalbitz gehört. Nonnemacher befürchtet, die AfD „werde ein Sammelbecken für Neonazis aus verbotenen Organisationen“. Sie verwies auch darauf, dass unter Kalbitz‘ Vorsitz die Landtagsfraktion Mitglieder der vom Verfassungsschutz beobachteten Identitären Bewegung (IB) beschäftige.

Linke: „Rechtsradikaler Kern hinter bürgerlicher Fassade“

„Leugnen, verschleiern, relativieren – das ist die Taktik des Andreas Kalbitz“, heißt es in einer Stellungnahme der Linken-Abgeordneten Andrea Johlige. „Erst wenn Beweise auf dem Tisch liegen, gibt er scheibchenweise seine rechtsextreme Vergangenheit und seine Kontakte ins Neonazimilieu zu.“ Den Zeltlager-Besuch könne der damals 34-Jährige „nicht als Sünde eines Jugendlichen relativieren“. Als Beisitzer im AfD-Bundesvorstand sei Kalbitz „direkt an der ideologischen Ausrichtung der Partei beteiligt“, sagt Johlige. „Inzwischen kann niemand mehr sagen, er wüsste nicht, wen er mit seinem Kreuz bei der AfD gewählt hat. Die AfD ist eine Partei, hinter deren bürgerlicher Fassade immer deutlicher ein rechtsradikaler Kern erkennbar wird.“

Junge Alternative ruft per T-Shirt zur Merkel-Jagd

Wie offen die Brandenburger AfD mittlerweile um die Unterstützung von Radikalen wirbt, zeigt eine Aktion ihrer Jugendorganisation Junge Alternative: Die vertreibt ein T-Shirt mit der Aufschrift: „Merkel Jagd Club – since 2017“ – drapiert mit einer Dackelsilhouette und zwei gekreuzten Pistolen. Knapp 20 Euro soll das Kleidungsstück kosten. Damit greift die Organisation den umstrittenen Ausspruch des AfD-Partei- und Fraktionsvorsitzenden Alexander Gauland vom Abend der Bundestagswahl auf. Der Potsdamer Gauland hatte gesagt, seine Partei werde „Merkel jagen“. Das war allgemein wegen der gewalttätigen Sprache als Entgleisung gewertet worden.

Seitlich neben dem Logo sind auf dem T-Shirt Kornblumen zu sehen – sie galten als Erkennungszeichen der österreichischen Nazis in den 1930er-Jahren und ist in der Szene geläufig. Dem Online-Nachrichtenportal Bento sagte Dennis Hohloch, JA-Vorsitzender in Brandenburg, die Blume sei ein Freiheitssymbol und von den Nazis instrumentalisiert worden.

Von Ulrich Wangemann

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