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Neonazi-Zelle hat beste Verbindungen zur NPD

Nauen Neonazi-Zelle hat beste Verbindungen zur NPD

Was für ein Erfolg für die Fahnder: die 20-köpfige Einsatzgruppe zu den Nauener Gewalttaten hebt eine Neonazi-Zelle aus. Neben Maik Schneider ist auch der nun festgenommene Dennis W. Mitglied der rechtsextremen NPD. Auch die anderen Verdächtigen haben beste Kontakte zu dieser Partei.

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Die mutmaßliche Terrorzelle in Nauen hat beste Verbindungen zur NPD.

Quelle: Friedrich Bungert

Nauen/Potsdam. Die Flucht von Dennis W. ist am Freitag um 10.35 Uhr vorbei. Drei Tage nach der Festnahme seiner mutmaßlichen Komplizen Maik Schneider und Frauke K. klicken die Handschellen. Der 28-Jährige wird in seinem Versteck in einer Wohnung in Nauen (Havelland) festgenommen. Was die Fahnder finden – darüber schweigen sie sich aus. Nur so viel: Ein NPD-Mitgliedsdokument ist dabei. Als Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) und Justizminister Helmuth Markov (Linke) die Zerschlagung der Nauener Neonazi-Zelle verkünden, wird der NPD-Mann gerade dem Haftrichter vorgeführt.

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In Nauen ist es in den vergangenen Monaten immer wieder zu Anschlägen gekommen, bei denen ein rechtsextremer Hintergrund vermutet wird. Im Sommer ging eine geplante Flüchtlingsunterkunft in Flammen auf, Autos wurden vorsätzlich demoliert und das Parteibüro der Linken ist immer wieder attackiert worden. Ein Überblick über eine unheimliche Anschlagsserie.

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Dennis W. soll zu einer Gruppe von rechten Gewalttätern gehören, die im Havelland „ein Klima der Angst“ erzeugt haben, wie sich der Innenminister ausdrückte. Brandanschläge auf den Fiat Panda eines Polen sowie auf die Turnhalle des Nauener Oberstufenzentrums, die als Schlafstätte für 100 Asylsuchende fungieren sollte, gehen nach Überzeugung der Ermittler auf das Konto der Männer um Dennis W. und den NPD-Stadtverordneten Maik Schneider. Neben Schneider und Dennis W. zählen die Ermittler mindestens zwei weitere Männer zur Neonazi-Zelle. Christian B. (26) gehört erst seit einem Jahr zur rechten Szene. Christopher L. (31) ist Beobachtern schon länger bekannt – beide sind nicht in Haft. Auf seinem Facebook-Profil bekennt sich L. offen zu „Nationalem Sozialismus“. Gemeinsam mit Christian B. besuchte er 2015 mehrere asylfeindliche Demonstrationen im Havelland. Pikant dabei: Auch L. und B. haben gute Kontakte zur NPD. Ein der MAZ vorliegendes Foto zeigt beide bei einer Einwohnerversammlung in Schönwalde (Glien) im vertrauten Gespräch mit Frank Kittler. Der Brieselanger NPD-Kader will im April Landrat im Havelland werden. „Die wichtige Rolle der NPD in diesem Fall ist eindeutig belegbar“, sagt Innenminister Schröter. Am Freitagabend sagte er im RBB, dass der Ermittlungserfolg neue Argumente für ein Verbot der rechtsextremen NPD liefere. Man habe nun Beweise, dass die NPD radikal und kriminell aktiv sei.

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Dass Frauke K. (22), die am Dienstag zeitgleich mit Schneider festgenommen wurde, zum festen Kern der Gruppe gehört, ist für die Fahnder unwahrscheinlich. Die ehemalige Leistungsturnerin sei jedoch am Tatort gewesen und habe W. und Schneider den Brandbeschleuniger gereicht, als diese im Mai 2015, so die Polizei, aus fremdenfeindlichen Motiven den Kleinwagen anzündeten – nur zu dieser Tat sind die Ermittler gesprächig; offenbar ist die Beweislage hier am sichersten.

Täter waren mit Sturmhauben maskiert

Die beiden mit Sturmhauben maskierten Männer haben sich nach den Erkenntnissen der Polizei die Arbeit auf dem Parkplatz in Nauen geteilt. Einer habe mit einem stumpfen Gegenstand die Autoscheibe eingeschlagen. Der andere kippte Brennbares hinterher. Frauke K. ist mittlerweile gegen Meldeauflagen – sie hat keinen festen Wohnsitz – wieder auf freiem Fuß.

Schon unmittelbar nach dem Turnhallenbrand im August 2015 hatten Ermittler erste Anhaltspunkte für das Bestehen einer kriminellen Vereinigung. „Wir ahnten schnell, dass das ein dicker Fisch ist“, sagt Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke. Und er deutet an, dass es neben den bisher bekannten Verdächtigen noch weitere Mittäter geben könnte: „Was wir bisher im Netz haben, ist noch nicht alles.“

Die Turnhalle in Nauen brannte komplett aus

Die Turnhalle in Nauen brannte komplett aus. Sie war nicht zu retten.

Quelle: julian stähle

Polizeipräsident: „Man darf nicht annehmen, dass Nauen ein braunes Nest ist“

Untereinander verständigten sich die Rechtsextremisten in einer Chatgruppe des Kurznachrichtendienstes WhatsApp. Hinweise aus der Bevölkerung gab es wenige – laut dem Ermittlungsführer der Polizei, Sven Mutschischk, höchstens zehn.

Der Imageschaden für Nauen ist groß, aber Polizeipräsident Mörke nimmt die 17.000-Einwohner-Stadt in Schutz: „Man darf nicht annehmen, dass Nauen ein braunes Nest ist“, betont er. „Das ist eine ganz normale brandenburgische Stadt, in der viele Bürger und Stadtverordnete ein positives Klima schaffen wollen.“ Durch das Treiben der rechten Zelle wurden engagierte Bürger in Furcht versetzt und so „abgehalten zu helfen und Flagge zu zeigen“, sagte Innenminister Schröter.

Neonazis planten bereits einen erneuten Brandanschlag

Seit einem halben Jahr hatte die Öffentlichkeit auf ein konkretes Fahndungsergebnis gewartet. Justizminister Markov erklärte fast beschwörend: „Auch wenn es in den Augen der Bevölkerung lange dauert: Wir werden die Täter kriegen und verurteilen!“

Die Ermittler wollen sich in den nächsten Tagen mit Nauens Bürgermeister Detlef Fleischmann (SPD) zu einer Auswertung treffen.

Zum Zugriff entschloss sich die 20-köpfige Ermittlergruppe laut Polizeipräsident Mörke, weil die Tätergruppe einen neuen Anschlag auf ein noch im Bau befindliches Flüchtlingsheim – eine Traglufthalle – geplant haben soll. Diese Massenunterkunft soll bis zu 300 Zuwanderer aufnehmen können – der Zeitpunkt des Einzugs ist aber bislang noch unklar. Außerdem wird im April laut Kreissprecher Oliver Kratzsch eine weitere Unterkunft für 250 Menschen fertiggestellt.

Von Saskia Popp

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