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Brandenburg Neue Leitstelle der Polizei nimmt Betrieb auf
Brandenburg Neue Leitstelle der Polizei nimmt Betrieb auf
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02:16 04.07.2015
Landesweit und in Echtzeit: Saskia Lorenz nimmt Notrufe entgegen und koordiniert die Einsätze. Quelle: Julian Stähle
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Potsdam

Es ist Tag eins nach seiner Ernennung durch das rot-rote Kabinett, und Hans-Jürgen Mörke wird froh darüber sein, mit guten Nachrichten ins neue Amt als Brandenburgs Polizeipräsident zu starten. „Seit dem 30. Juni, 7.36 Uhr, hat das neue Einsatz- und Lagezentrum der Polizei die Arbeit aufgenommen“, sagt der 61-Jährige, während die Sonne auf die rot-braune Betonfassade knallt.

Dahinter verbirgt sich nichts Geringeres als das zentrale Nervensystem der Polizei. Sämtliche Notrufe, die im Land eingehen, laufen von jetzt an in dem Um- und Erweiterungsbau neben dem Polizeipräsidium in Potsdam-Eiche zusammen. Am Mittwoch war die offizielle Einweihung – unter den Augen von Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) und seinem Staatssekretär Matthias Kahl.

Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD, l.) im Gespräch mit Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke. Quelle: Julian Stähle

Während Mörke von der „modernsten Technik“ schwärmt, die in der neuen Leitstelle verbaut wurde, scheinen für einen Moment alle Negativschlagzeilen vergessen, die seit Monaten auf seine Landesbehörde einprasseln: von der öffentlich und intern umstrittenen Polizeireform, von der Affäre um eine möglicherweise geschönte Kriminalstatistik und von Mobbing und Ungereimtheiten bei den Ermittlungen des aufsehenerregenden „Maskenmann“-Falls. Mörke, der das Amt seit vergangenem November kommissarisch innehatte, will nach vorn blicken – und wird nicht müde, Gratulanten zurechtzuweisen, dass sein neuer Job offiziell erst im August startet.

Gut fünf Millionen Euro hat das Land in die neue Leitstelle investiert, die ohne das Sparprogramm Polizeireform wohl kaum gebaut worden wäre. Mörkes Behörde soll mit weniger Personal künftig effizienter arbeiten. Auch deshalb machte das Land aus zwei Leitstellen, die zuvor in Potsdam und Frankfurt (Oder) Notrufe empfingen und Einsätze koordinierten, nur noch eine. Für gut 50 Beamte, die zuvor in der Grenzstadt arbeiteten, musste eine neue Beschäftigung gesucht werden. Sie wollten nicht in der Landeshauptstadt arbeiten.

Fürs Erste aber bleibt die Leitstelle noch ein Vierteljahr im Betrieb, als Netz bei möglichen Ausfällen in der technisch hochgerüsteten neuen Potsdamer Zentrale. Dort läuft nunmehr alles digital – von der Annahme des Notrufs über die Koordination von Funkwagen vor Ort bis zur Dokumentation. Erstmals verfügt die Polizei über eine landesweite Einsatzübersicht in Echtzeit. „Die gesamte Einsatzbearbeitung ist IT-unterstützt“, sagt Mörke. Das System sei nicht manipulierbar – alles würde gespeichert und dadurch nachvollziehbar, betont der Polizeichef.

Alles konzentriert sich in einer zentralen Leitstelle

4,9 Millionen Euro kostete der Um- und Erweiterungsbau des neuen Einsatz- und Lagezentrums auf dem Gelände des Polizeipräsidiums in Potsdam-Eiche.

Eine vergleichbare Konzentration in der Koordination von Arbeitsabläufen hat laut Polizei bislang kein anderes deutsches Flächenland bewerkstelligt. Sich daraus ergebende Synergieeffekte sind eine Konsequenz der Polizeireform. Diese sieht einen erheblichen Personalabbau bis 2020 vor, um dem Land künftig Geld zu sparen.

1,5 Millionen Notrufe gingen via 110 in den Vorgänger-Leitstellen in Potsdam und Frankfurt (Oder) seit Januar 2012 ein – durchschnittlich macht das rund 1200 Notrufe pro Tag.

1,1 Millionen Einsätze hat die Polizei im gleichen Zeitraum geführt und dokumentiert – also etwa 900 pro Tag. bp

Im Innern des Einsatz- und Lagezentrums leuchten unzählige Monitore, vier pro Arbeitsplatz, über einen Flachbildschirm im Premium-Heimkinoformat laufen Helikopterbilder. Müssen Suchtrupps für einen Spezialeinsatz ausrücken, ist die Polizeiführung in Potsdam live dabei. Mörke: „Wir wissen sekundengenau über die polizeiliche Lage hier im Land Bescheid.“

Ein Prestigebau ohne Zeitverzögerung – das ist sicherlich nicht nur für Innenminister Schröter etwas Besonderes, dem ein fast schon trotziges „Na, geht doch!“ entfährt. Gut 1200 Notrufe pro Tag werden künftig in der neuen Leitzentrale auflaufen, die Schröter nicht allein als zentrales Nervensystem verstanden wissen will, sondern auch als eine Art Scharnier zu den Bürgern. So mancher hat mit der unglückseligen Polizeireform das Vertrauen in die Staatsmacht verloren. Jetzt ist es an Neu-Chef Mörke, selbiges zurückzu­gewinnen. Seine Mission hat gerade erst begonnen.

Von Bastian Pauly

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