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Neue Riesen-Pipeline führt durch Brandenburg

56 Kommunen sind betroffen Neue Riesen-Pipeline führt durch Brandenburg

Die 485 Kilometer lange Eugal-Leitung soll russisches Gas von der Ostsee in den Süden bringen. Sie führt quer durch Brandenburg. Während das Wirtschaftsministerium dem Vorhaben positiv gegenüber steht, weil es die Versorgungssicherheit in Europa sichere, zweifeln die Grüne am Bedarf für die neue Trasse.

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Erdgasleitung Opal: Direkt neben dem Strang soll die neue Pipeline Eugal gebaut werden.

Quelle: DPA

Potsdam. Die Pläne für die neue Gas-Pipeline, die von der Ostsee bis zur tschechischen Grenze auch quer durch Brandenburg gehen soll, liegen auf dem Tisch. Die Aufträge für die Verlegung des Röhrenpaares sind erteilt. Nur die Genehmigung ist noch nicht erteilt. Jetzt beginnt das aufwendige Verfahren für ein Vorhaben, das mit Polen, der Ukraine und der EU-Kommission heftige Kritiker hat. Sie führen das Argument einer zu großen Abhängigkeit zum russischen Konzern Gazprom ins Feld.

Parallel zur bereits bestehenden Erdgasleitung Opal soll eine weitere Pipeline entstehen, die Europäische Gasanbindungsleitung, kurz Eugal – diesmal als Doppelstrang. 485 Kilometer lang soll sie sein und von Greifswald, wo ein neuer Anlandepunkt gesucht wird, quer durch Ostdeutschland führen.

Fast 300 Kilometer gehen durch 56 Kommunen in Brandenburg

275 Kilometer davon gehen durch Brandenburg – vom uckermärkischen Schönfeld bis nach Großthiemig im Elbe-Elster-Kreis. Betroffen sind acht Landkreise sowie 56 Kommunen. Allerdings scheint das Projekt, das auch durch das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin führen soll, die kommunale Familie bisher wenig zu interessieren. Bei einer ersten sogenannten Antragskonferenz, die dem Raumordnungsverfahren vorgeschaltet ist, das im Herbst beginnen soll, waren nur fünf Kreise und elf Kommunen anwesend. Nachfragen oder Kritik gab es nicht.

Auf der Konferenz stellte das deutsch-russische Unternehmen Gascade, dass das Projekt umsetzen soll, seine Pläne für Brandenburg vor. Sprecherin Tatjana Bernert verweist darauf, dass es eine „Vorzugstrasse“ gebe, an bestimmten Punkten aber Alternativen geprüft würden. Zu 90 Prozent verlaufe die Pipeline parallel zu Opal, die es seit 2011 gibt. Die Bürger würden von der Trasse nicht viel merken, da diese unterirdisch verlaufe.

Verdichterstation vermutlich in Teltow-Fläming

In Brandenburg soll eine der insgesamt neun Verdichterstationen auf der Strecke gebaut werden – wahrscheinlich in der Gemeinde Radeland (Teltow-Fläming), wie schon bei Opal. Diese Stationen dienen dazu, den Transportdruck zu erhöhen. Entschieden sei der Standort aber noch nicht, hieß es.

Brandenburgs Wirtschafts- und Energieminister Albrecht Gerber (SPD) steht dem Projekt positiv gegenüber. Der Bau der Eugal-Leitung trage zur Versorgungssicherheit in Europa bei, sagte Gerber der MAZ. Wie bei Opal stehe er auch diesem Projekt „prinzipiell aufgeschlossen“ gegenüber, gleichwohl müsse das Raumordnungsverfahren abgewartet werden. Gerber betonte, dass Erdgas trotz des Anstiegs erneuerbarer Energien auf absehbare Zeit für die Versorgung mit Heizenergie und Strom unverzichtbar sei.

Skepsis gegenüber der neuen Pipeline: Ist sie nötig?

Große Skepsis gegenüber der neuen Pipeline Eugal herrscht bei den Grünen. Die bestehende Leitung Opal sei nur zu 50 Prozent ausgelastet. „Wozu brauchen wir zwei neue Röhren?“, fragt die brandenburgische Bundestagsabgeordnete Annalena Baerbock. Sie zweifelt grundsätzlich daran, dass die zusätzliche Leitung überhaupt nötig sei. Es gebe zu viele offenen Fragen. Deshalb wäre es fatal, wenn die schwarz-rote Bundesregierung den Plänen von Gascade „blind“ folgen würde, sagte sie der MAZ. Bislang habe sich die Regierung zu diesem Projekt noch nicht positioniert, was verantwortungslos sei.

Eugal ist Teil der Pläne für Nord Stream II, das von den Grünen scharf kritisiert wird – auch wegen der zu großen Abhängigkeit von Moskau. Das Vorhaben ließe sich auch nicht in Einklang mit der deutschen Russland- und Ukrainepolitik bringen, sagte Baerbock.

Befürworter von Nord Stream II ist dagegen Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD). Fragen der Energieversorgung sollten Deutschland und Russland möglichst unter sich regeln, um „politische Einmischung“ von außen zu vermeiden, wie er jüngst zitiert wurde. Der Streit geht aber weiter, zumal auch die CDU gegen die neue Trasse Widerstand angekündigt hat.

Die neue Pipeline

Als Doppelstrang ist die Europäische Gas-Anbindungsleitung (Eugal) geplant. Sie ist 485 Kilometer lang und verläuft von der Ostseeküste in Mecklenburg-Vorpommern über Brandenburg und Sachsen bis zur tschechischen Grenze. 275 Kilometer davon führen quer durch Brandenburg – von Schönfeld (Uckermark) bis Großthiemig (Elbe-Elster). Nach Angaben des Betreibers verläuft sie „zu 90 Prozent“ parallel zur Ostsee-Pipeline-Anbindungsleitung (Opal), die 2011 in Betrieb genommen wurde.

Die neue Pipeline wird von dem Fernleitungsnetzbetreiber Gascade Gastransport GmbH geplant, gebaut und betrieben – einem Gemeinschaftsunternehmen von BASF und Gazprom mit Sitz in Kassel. Die Höhe der Gesamtinvestition wird „im niedrigen einstelligen Milliardenbereich“ angegeben. Gascade betreibt ein 2400 Kilometer langes Ferngasnetz.

Der Zeitplan:
Mit dem Bau von Eugal soll Mitte 2018 begonnen werden. Spätestens Ende 2019 soll Gas durch den ersten Strang strömen. Strang 2 soll von Mitte 2018 bis Ende 2020 gebaut werden.

In Brandenburg sind von dem Projekt acht Landkreise und 56 Kommunen betroffen.

Von Igor Göldner

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