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Brandenburg Neue Webseite schlägt Kurztrips vor
Brandenburg Neue Webseite schlägt Kurztrips vor
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17:35 02.05.2016
Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

„Ökofuzzi“ nennt sich der gebürtige Regensburger Hermann Weiß scherzhaft selbst. Er geht gerne ins Grüne. Davon zeugen etliche Bilder auf der Webseite „www.naturtrip.org“. Bislang richtet sich die von Weiß und seiner Co-Geschäftsführerin Judith Kammerer eingerichtete Seite vor allem an Berliner, die Lust auf einen kurzen Ausflug haben. Reiselustige, die die Seite besuchen, bekommen Freizeitvorschläge wie „Tiere“, „Wasser“, „Kultur“ oder „Kinder“ gemacht. Klickt man einer dieser Vorschläge an und gibt eine Zeit an, die die Anreise brauchen darf, bekommt man als Ausflugsziel zum Beispiel die Marienkirche in Frankfurt (Oder) oder den Abenteuerpark in Potsdam angeboten. Nicht nur die Möglichkeiten vor Ort sind geschildert, der eigentliche Service ist die exakte Auflistung aller Verkehrsmittel, die es braucht, um zum Beispiel in kürzester Zeit vom Berliner Hauptbahnhof bis zum Potsdamer Abenteuerpark mit seinem Kletterparcours am Telegrafenberg zu gelangen. Alle Ziele sind ausnahmslos ohne Auto zu erreichen.

Eine Ergänzung zu anderen Angeboten

92,3 Tagesreisen werden einer neueren Studie zufolge pro Jahr nach Brandenburg gemacht. Fast die Hälfte dieser Tagesgäste, nämlich 44,4 Millionen, kommt aus Berlin. Die Hauptstadt ist aus der Sicht der Tourismusmarketing Brandenburg GmbH (TMB) ein ganz wichtiger Markt.

Als wichtigen Anreiz für das Reisen mit den Öffentlichen bewertet die TMB das junge Angebot von „naturtrip.org“. Reisen mit öffentlichen Verkehrsmittel seien ein wichtiges Thema für die Region Brandenburg.

Die Brandenburg-App ist das eigene Angebot der TMB. Gäste, die bereits ein konkretes Ausflugsziel vor Augen haben, finden dort viele Informationen. Sie entdecken die Radwege zu ihrem Ziel oder die dortigen Restaurants, Museen und kulturellen Möglichkeiten. Die App helfe Leuten, mehr über bekannte Ausflugziel zu erfahren, während naturtrip.org den Kunden neue Ausflugsziele vorschlage.

„Der größte ökologische Footprint, den ein Reisender hinterlässt, fällt bei der Anreise an“, sagt Weiß, der ursprünglich aus der PR-Branche kommt. Man könne sich für umweltbewusst halten, wenn man in einem Öko-Hotel wohne. Liege dieses aber auf den Fidschi-Inseln, sehe die Ökobilanz insgesamt nicht mehr so gut aus. „Eine Lösung ist es, auf Fernreisen zu verzichten und in der Region Urlaub zu machen“, sagt Weiß. Wie einfach die reizvollsten Ziele Brandenburgs mit dem öffentlichen Nahverkehr zu erreichen sind, erlebte der in Prenzlau lebende Weiß vor ein paar Jahren selbst.

Mit den Öffentlichen schneller als mit dem Auto

Dass er für einen Paddelausflug nach Fürstenberg (Oberhavel) nur 53 Minuten mit dem Zug unterwegs sein würde, hätte er selbst nicht gedacht. Damals keimte die Idee für „naturtrip.org“.

„77 Prozent der interessanten Reiseziele in Brandenburg erreicht man von Berlin aus mit öffentlichen Verkehrsmitteln schneller als mit dem eigenen Auto“, sagt Weiß. „Bei unserer Webseite sieht man, wie schnell es eigentlich wirklich geht.“ Und in Berlin sehen Weiß und seine Co-Geschäftsführerin Kammerer auch das Klientel für ihre Webseite: Rund 40 Prozent der Berliner hätten kein Auto. Dazu gebe es viele junge Leute, die ökologisch aufgeschlossen, spontan und auch in sozialen Netzwerken mit Angeboten wie „Uber“ oder „Airbnb“ unterwegs seien. Fazit: „Ich glaube schon, dass es einen großen Markt gibt“, so Weiß.

Die Sächsische Schweiz als nächste Region

Vorläufig „verdient“ „naturtrip.org“ sein Geld nur durch eine Förderung des Bundesumweltministeriums, das in dem Dienstleister einen Motivator zur Verlagerung des Verkehrs von der Straße auf die Schiene sieht. Später, so hoffen Weiß und Kammerer, könnten sie durch den Verkauf von Zugtickets oder kleinerer Pauschaltouren direkt auf ihrer Webseite Provisionen von der Deutschen Bahn und den Reiseanbietern bekommen. Außerdem sollen noch andere Reiseregionen erschlossen werden. Die Sächsische Schweiz wird noch in diesem Jahr auf der Seite erscheinen, mit dem Ruhrgebiet sei „naturtrip.org“ schon in Kontakt. Anfragen kämen auch aus Niedersachsen.„Es sind schon täglich ein paar Hundert User auf unserer Seite drauf“, sagt Weiß. Direkt nach Berichteten über „naturtrip.org“ schnellen die Besuche sogar auf bis zu 3000 hoch.

So einfach die Idee von „naturtrip.org“ im Grunde ist, noch vor ein paar Jahren hätte es diese Webseite nicht geben können. Möglich wurde sie erst durch das vom ehemaligen Studenten des Potsdamer Hasso-Plattner-Instituts (HPI) Henning Hollburg entwickelten Planungssystems „Route360°“. Seitdem können beliebige Ziele automatisch mit Verkehrsnetzdaten verknüpft und nötige Reisezeiten ausgerechnet werden. Auf dieser Grundlage brachten Hermann Weiß und Judith Kammerer „naturtrip.org“ erstmals im Juli 2014 online. Seit Sommer des vergangenen Jahres gibt es die bessere „beta“-Version. Richtig durchstarten will das aus den beiden Geschäftsführern und ihren studentischen Mitarbeitern bestehende Team Mitte Mai. Dann erscheint die eigentliche Seite, die auch von Smartphones abgerufen werden kann.

Tourismusbranche freut sich über das Angebot

Birgit Kunkel, Sprecherin der Tourismus-Marketing Brandenburg (TMB), freut sich über die Initiative der findigen Berliner: „Öffentlicher Personennahverkehr ist immer ein Thema für unsere Region.“ Wenn „naturtrip.org“ einen Anreiz setze, diese für Touren nach Brandenburg zu nutzen, sei das gut für die Branche. „Wir freuen uns über die Zusammenarbeit“, so Kunkel.

Noch sei nicht klar, ob „naturtrip.org“ sich zum Geschäftsmodell mit guten Einträgen entwickele, räumt Hermann Weiß ein. Aber „naturtrip.org“ wurde schon als „Werkstatt N-Projekt 2016“ des Rates für nachhaltige Entwicklung ausgezeichnet. Und die Deutsche Bahn hat den beiden Geschäftsführern und ihren drei studentischen Mitarbeitern in die Ideenschmiede „Mindbox“ der Deutschen Bahn in der Holzmarktstraße in Berlin einbezogen. Auch Lob im „Handelsblatt“ oder „n-tv“ lassen auf ein einträgliches Geschäft hoffen. Doch selbst wenn „naturtrip.org“ nur ein ideeller Erfolg würde, Hermann Weiß hat immer noch sein Standbein in der Werbeindustrie.

Von Rüdiger Braun

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