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Brandenburg Neuer IHK-Präsident hat Forderungen an die Politik
Brandenburg Neuer IHK-Präsident hat Forderungen an die Politik
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00:20 18.09.2017
Peter Heydenbluth (56) ist Chef einer Recyclingfirma. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Peter Heydenbluth ist am 13. September zum neuen Präsidenten der Industrie-und Handelskammer (IHK) Potsdam gewählt worden

Frage: Herr Heydenbluth, was wollen Sie als IHK-Chef erreichen?

Peter Heydenbluth: Die Infrastruktur bis in den letzten Zipfel des Landes zu verbessern, das ist das zentrale Thema für die regionale Wirtschaft: Ob der Lieferverkehr, der Nahverkehr für Belegschaft und Auszubildende, der Fernverkehr oder auch die von uns eingeforderten schnellen Datennetze: Hier werden wir immer wieder den Finger in die Wunde legen.

Was sind aktuell die größten Probleme im Kammerbezirk Potsdam?

Das größte Problem ist der Fachkräftemangel. In unserer jüngsten Konjunkturumfrage haben 62 Prozent der Brandenburger Betriebe den Fachkräftemangel gar als Geschäftsrisiko eingestuft. Damit liegen wir hier bundesweit an der unrühmlichen Spitze.

Wie wollen Sie dem Fachkräftemangel im Kammerbezirk Potsdam begegnen?

Wir gehen direkt in die Schulen, werben anschaulich für die gewerbliche Wirtschaft und für die duale Ausbildung. Darüber hinaus machen wir mit unserer Kampagne „Wirtschaft. Mach es in Brandenburg.“ auch über die Landesgrenzen auf uns aufmerksam. Hier seine persönliche und berufliche Zukunft zu gestalten – dafür sind die Voraussetzungen perfekt. Denn es gibt Arbeit, Ausbildungsplätze – und dazu ein wunderschönes Umfeld.

Was erwarten Sie von der Landesregierung?

Eine klarere Orientierung der Jugend auf die duale Berufsausbildung, eine überzeugende und funktionierende Aufgabenverteilung bei der Verwaltungsstrukturreform und einen flexibleren Einsatz von Fördermitteln auch im ländlichen Raum, was nicht nur der Tourismusbranche zugute kommt.

Müssen Berlin und Brandenburg stärker verzahnt werden?

Auf alle Fälle. Die Länderfusion scheint bei der Politik von der Tagesordnung verschwunden zu sein. Was wir hier gar nicht gebrauchen können, ist Kompetenzgerangel wie bei der unendlichen BER-Geschichte, sind an d„Mit Neid kommt man nicht weiter“er Stadtgrenze von Berlin endende Nahverkehrsverbindungen oder gar gekappte Breitbandkabel. Hier freue ich mich auf die Zusammenarbeit mit meiner Berliner Amtskollegin.

Sie sind Chef einer Recycling-Firma mit 65 Mitarbeitern. Was waren die größten Baustellen, die Sie in Ihrem Unternehmen bewältigen mussten?

Neugründungen wie bei mir erfordern viel mehr Kraft als die Weitergabe von Traditionsbetrieben. Letzteres hatten wir hier im Osten nicht. Wir erlebten lange das Bangen um den Fortbestand und damit auch die Erhaltung der Arbeitsplätze. Dazu sucht man sich Partner, bleibt so liquide, eröffnet damit neue Vertriebsquellen und stärkt das Unternehmen. Heute geht es uns gut und ich tue alles, damit es so bleibt.

Welchen Eindruck haben Sie von den aktuellen Bewerberjahrgängen in den Betrieben?

Grundsätzlich haben wir es mit jungen Leuten zu tun, die aus sich etwas machen wollen und sich mit passablen Voraussetzungen vorstellen. Trotzdem fällt auf, dass der Nachholbedarf bei Mathematik und Naturwissenschaften und immer mehr auch bei der deutschen Sprache nicht weniger wird. Das deutsche Schulsystem gehört auch deshalb grundlegend auf den Prüfstand. Das diskutieren wir auf nationaler Ebene, damit wir endlich vorankommen.

Welche sind Ihre Lieblingsfragen im Vorstellungsgespräch?

Wichtig für mich ist, dass meine Mitarbeitenden wissen, was sie wollen. So sollten sich alle darüber im Klaren sein, wie und wo sie sich in drei, fünf oder zehn Jahren selbst sehen. Man kann nur etwas erreichen, wenn man Ziele – am besten selbst gesteckte – hat. Und sehr wichtig ist mir ebenfalls der Umgang miteinander. Neid, Unehrlichkeit, Faulheit – damit kommen wir ehrbaren Kaufleute nicht weiter.

Welche Zukunft sehen Sie für Flüchtlinge und Zuwanderer am brandenburgischen Arbeitsmarkt?

Eine gute. Es muss uns gelingen, die Leute mit Bleiberecht schnell zu integrieren, auszubilden, weiterzubilden und für den hiesigen Fachkräftemarkt fit zu machen. Erfreulich ist die 3+2-Regelung: Unternehmer müssen sich darauf verlassen können, dass Auszubildende die dreijährige Lehre beenden und danach noch mindestens zwei Jahre der Firma erhalten bleiben können. Schauen wir auf die großen Talentschmieden in Amerika oder in Fernost, dann ist dort die Vielfalt deutlich als Motor zu erkennen. Insofern sollten wir neben der Flüchtlingsintegration auch eine alte Forderung der deutschen Wirtschaft nach einem Zuwanderungsgesetz wieder aufgreifen.

Wie stehen Sie zu den Russland-Sanktionen?

Sanktionen sind nie gut für die Wirtschaft, denn – wie heißt es so schön – das Geld sucht sich neue Wege. Verbindungen, die einmal gekappt wurden, sind nur sehr schwer wieder zu kitten. Vertrauen zurück zu gewinnen, ist noch schwerer. Insbesondere hier im Osten Deutschlands haben wir traditionell gute Verbindungen nach Russland, verstehen noch die russische Sprache und, ja, auch die russische Seele besser, als manch anderer. Andererseits respektieren wir selbstverständlich das Primat der Politik. Wir müssen es schaffen, den Teufelskreis aus Sanktionen und Gegensanktionen zu durchbrechen.

Von Josefine Kühnel und Ulrich Wangemann

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