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„Fachlehrer dürfen nicht eingespart werden“

Debatte um neuen Rahmenlehrplan „Fachlehrer dürfen nicht eingespart werden“

Der neue gemeinsame Rahmenlehrplan für Brandenburgs und Berlins Schulen sorgt weiter für Debatten. Knackpunkt: Physik und Geschichte gibt es künftig nicht mehr als eigenständige Fächer in Klasse 5 und 6. Wolfgang Seelbach, Sprecher des Brandenburger Landeselternrats, sieht allerdings eine große Chance darin. Doch es gibt auch mögliche Probleme.

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Wolfgang Seelbach vom Landeselternrat.

Quelle: Peter-Paul Weiler/ berlin-event-foto.de

Dallgow-Döberitz. Der neue gemeinsame Rahmenlehrplan für Brandenburgs und Berliner Schulen sorgt unter vielen Eltern, Schülern und Lehrern für neue Debatten. Die MAZ hat mit Wolfgang Seelbach gesprochen. Er ist seit 2011 Sprecher des Landeselternrats in Brandenburg und hat selbst vier Kinder.


MAZ:
Der neue gemeinsame Rahmenlehrplan für die Klassenstufen 5 bis 10 ist am Mittwoch unterzeichnet worden. Kam der Schritt für Sie überraschend?

Wolfgang Seelbach: Überraschend kam das schon. Wir sind davon ausgegangen, dass der Lehrplan in dieser Fassung noch einmal durch die Gremien, insbesondere den Landesschulbeirat geht. Ansonsten halten wir das Anhörungsverfahren im Vorfeld für sinnvoll. Die Einwände von Verbänden, Eltern, Schüler und Lehrer konnten online eingestellt werden. Jetzt müssen wir prüfen, inwieweit unsere Anregungen eingebaut wurden.

Vorab hat es viel Kritik und kontroverse Diskussionen gegeben. Welche Bedenken haben Sie nach der Unterzeichnung?

Seelbach: Zunächst werden wir die verbindlichen Inhalte des Rahmenlehrplans genau prüfen. Etwa, ob die Aufarbeitung der DDR, die uns sehr wichtig war, eingearbeitet wurde, oder das Thema „Gesunde Schule“. Die Zusammenlegung von Fächern hatten wir seinerzeit abgelehnt, weil die Schulen kaum darauf vorbereitet sind. Grundsätzlich begrüßen wir aber fachübergreifenden Unterricht, wenn die Qualität stimmt. Ab dem 7. Schuljahr ist es wichtig, dass Fachlehrer den Unterricht durchführen. Fachübergreifender Unterricht darf nicht dazu führen, dass man Fachlehrer einspart, etwa in Physik und Biologie oder Mangel an Fachkompetenz verschleiert.

Gibt es überhaupt Möglichkeiten weiter gegen den unterzeichneten Lehrplan vorzugehen und nutzen Sie diese?

Seelbach: Soweit ich weiß, ist der Plan jetzt durch. Ob der Landesschulbeirat noch aktiv wird, muss sich zeigen. Der neukonstituierte Landeselternrat wird sich sicherlich damit beschäftigen und gegebenenfalls eine Stellungnahme abgeben. Ich gehe davon aus, dass das Ministerium ja auch ein Interesse hat, den Eltern den neuen Plan vorzustellen.

Die Schulen müssen sich auf den Lehrplan vorbereiten. Stehen Sie unterstützend zur Seite?

Seelbach: Die Eltern sollten sich zunächst in den Schulkonferenzen und Elternkonferenzen vor Ort auf die neue Situation einstellen. Wir werden uns natürlich an der Umsetzung der Lehrpläne aktiv beteiligen. Auch in den Fachkonferenzen der Lehrer sitzen Eltern. Es wird ein langer Prozess sein und wir hoffen, dass die Zeit bis zum Schuljahr 2017/18 ausreicht. Die muss man sich nehmen, damit man auch einen guten Start hat. Gegebenenfalls sollte eine Verlängerung offen gehalten werden.

Auf der MAZ-Facebook-Seite wurde die Unterzeichnung viel kommentiert. Ein User schrieb: „Hurra, wir verblöden!“ Was sagen Sie dazu?

Seelbach: Ich glaube nicht, dass man „verblödet“, wenn man Fächer zusammenlegt. Vielmehr muss man diesen fächergreifenden Unterricht als Chance begreifen. Man hat die Möglichkeit handlungsorientierter zu arbeiten. Das ist eine positive Entwicklung!

Können Sie ein Beispiel nennen?

Seelbach: Mitunter werden die Naturwissenschaften den Schülern in der Grundschule schon madig gemacht. Oft ist der Unterricht langweilig. Nehmen wir das Stichwort „Tafel-Physik“. Durch das fächerübergreifende Lernen ist man näher dran, verknüpft die Zusammenhänge besser und kann mehr experimentieren. Das problem- und handlungsorientierte Lernen ist mit fachübergreifenden Projekten gut umsetzbar. Die Schüler sind besser motiviert und behalten das Wissen erfahrungsgemäß auch über einen wesentlich längeren Zeitraum. Gerade im 5. und 6. Schuljahr ist die Neugier groß, dass sollte man nutzen und Interesse an Technik und Naturwissenschaft wecken.

Siehe auch:
Neuer Rahmenlehrplan für Brandenburg | Das denken die MAZ-Leser über den neuen Rahmenlehrplan

Von MAZonline/ Christin Iffert

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